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MARKTFÜHRER: VZ-GRUPPE /// ONLINER MIT EIGENEM PROFIL: 29 PROZENT

Social Networks im Medienland Deutschland

Das Web 2.0 spielt bei deutschen Online-Nutzern eine immer größere Rolle. Blogger definieren den Journalismus neu, Millionen vernetzen sich digital.

Alexander Gajic

Kommunikation statt Information – auf diesen Nenner lässt sich die Internetnutzung der jungen Onlinenutzer in Deutschland bringen. 78 Prozent der 14- bis 19-Jährigen nutzen mindestens ein Mal pro Woche Onlinecommunitys, 76 Prozent dieser Altersgruppe besuchen wöchentlich Gesprächsforen, Newsgroups oder Chats. Die soziale Interaktion mit anderen Webnutzern ist für Jugendliche der wichtigste Grund ins Netz zu gehen. Auch der Anteil der ­Onlinegamer in dieser Altersgruppe wächst kontinuierlich. Spielen von allen Internetnutzern lediglich 17 Prozent regelmäßig in virtuellen Welten gegen- und miteinander, sind es bei den 14- bis 19-Jährigen bereits 30 Prozent. Das Internet wird immer mehr zum aktiven Mitmach-Medium. Ende September 2009 sorgte ein sogenanntes Internet-Manifest für reichlich Gesprächsstoff. Journalisten und Blogger, darunter Sa­scha Lobo und Stefan Niggemeier, formulierten darin in 17 „Behauptungen“, wie „Journalismus heute funktioniert“. Das Internet, so ist dort zu lesen, gehöre für die Menschen in der westlichen Welt mit all seinen Angeboten wie Social Networks oder YouTube längst zum Alltag. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollten, müssten sie diese Lebenswelt der Internet-Nutzer verstehen lernen und sich darauf einstellen.

Ein Vorschlag, der häufig schon Realität ist, denn zumindest die prominenten Blogger im deutschen Netz sind häufig auch Redakteure von Zeitungen oder Zeitschriften. Dabei gilt die deutsche Blog-Szene als relativ unpolitisch. Der US-Blogger Felix Salmon behauptete einmal, dass klassische deutsche Tugenden wie Gründlichkeit und Genauigkeit in der schnelllebigen Netzwelt eher wie ein Hemmnis wirkten. Eigenschaften, die in Verbindung mit dem Begriff Journalismus allerdings nicht fehl am Platz sind. Einigkeit herrscht dagegen bei der Einschätzung, welche Rolle die Social Networks, die wohl wichtigsten Web 2.0-­Medien, künftig für die Werbeindustrie spielen. Bei Umfragen unter Marketing-Verantwortlichen stehen sie bei der Frage nach wachsenden Werbeausgaben an vorderer Stelle.

Die Marktführerschaft in Deutschland liegt in den Händen der VZ-Gruppe, die die drei Zielgruppenportale StudiVZ für Studierende, SchülerVZ und MeinVZ mit insgesamt 15 Millionen Nutzern betreibt. Allein SchülerVZ kam im Oktober 2009 auf 6,4 Milliarden Page Impressions, womit es das meistgeklickte Webangebot in Deutschland ist. Betrachtet man jedoch die Zahl der Nutzerprofile, heißt der Marktführer in Deutschland mit fast sieben Millionen Mitgliedern Facebook. Mit einer Zuwachsrate von rund zehn Prozent monatlich. Wer sich eher beruflich vernetzen will, nutzt in der Regel Xing, das im deutschsprachigen Raum 3,4 Millionen Mitglieder verzeichnet. Interessant ist die Tatsache, dass die VZ-Netzwerke der Verlagsgruppe Holtzbrinck und ihr Verfolger wer-kennt-wen dem TV-Unternehmen RTL gehören. Die sozialen Medien sind also längst Teil des Portfolios deutscher Medienkonzerne. Der neueste Geniestreich der Web 2.0-Landschaft, das Mikroblogging-Tool Twitter, wird eher noch skeptisch betrachtet. Zu den komischeren Auswüchsen gehören viele Fake-­Accounts, die im Namen von prominenten Politikern satirische Einträge schreiben. Einige Journalisten nutzen Twitter erfolgreich als Recherchehilfe, häufig wird aber betont, dass auch auf Twitter eigentlich kein Journalismus stattfinden könne. Die Debatte Internet versus Journalismus geht in die nächste Runde.

15.02.2010
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