In Berlin hat es geklappt. Nachdem „Yumurta“ 2007 in Cannes gezeigt wurde und „Süt“ ein Jahr später in Venedig lief, brachte der Abschluss von Semih Kaplanoglus Trilogie den Triumph bei einem großen Filmfestival. Bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin wurde „Bal“ mit dem „Goldenen Bären“ als bester Film ausgezeichnet. Damit setzte sich die deutsch-türkische Koproduktion im Wettbewerb gegen Werke so prominenter Regisseure wie Roman Polanski und Zhang Yimou durch. Eine überaus erfreuliche Berlinale-Rückkehr für Regisseur Kaplanoglu. Sein zweiter Spielfilm „Melegin Düsüsü“ lief bereits 2005 in der Forum-Sektion des Festivals. Neben der Festival-Jury unter Regie-Altmeister Werner Herzog („ein ganz deutliches Ergebnis“) lobten auch Filmkritiker „Bal“. „Verdient hat er ihn“, schrieb etwa die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ über Kaplanoglus Bären-Triumph. Im Mittelpunkt des Interesses stand neben dem 1963 in Izmir geborenen Regisseur sein Hauptdarsteller, der achtjährige Bora Altas. Er spielt den sechsjährigen Yusuf, der in der Schule nur mühsam Lesen und Schreiben lernt. Der Held Yusuf taucht in allen Filmen von Kaplanoglus Trilogie auf. In „Yumurta“ ist er ein 43-jähriger Dichter, der nach dem Tod der Mutter in sein Heimatdorf zurückkehrt. In „Süt“ ist er Zwanzig und soll von seiner Mutter den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb übernehmen. In „Bal“ schließlich verliert der kleine Yusuf seinen Vater: Der Imker verschwindet nach einem Bienensterben im Wald. Semih Kaplanoglu hat mit seinem Team im dicht bewaldeten Nordosten der Türkei gedreht. Die ruhigen Landschaftsaufnahmen wurden auf der Berlinale besonders gefeiert. Umso verständlicher, dass Kaplanoglu nach seinem Erfolg vor dem Bau von Wasserkraftwerken im waldreichen Anatolien warnte. So mahnte er in einem Interview: „Die Kultur wird zerstört, Tierarten, die es nur dort gibt, sterben aus.“
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