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Sender mit zwei Herzen

Zweisprachig, dynamisch – erfolgreich: Metropol FM, der erste türkische Radiosender in Deutschland, feiert 2009 seinen zehnten Geburtstag.

Von Katja Winckler

Das Zeitungsviertel im Berliner Bezirk Kreuzberg ist vielen Journalisten in Deutschland gut bekannt. Hier residiert der Springer-Konzern mit der „Bild“-Zeitung, der „Welt“, der „Morgenpost“. Nicht weit davon entfernt sitzt die linksalternative „tageszeitung“. Doch in unmittelbarer Nachbarschaft zu diesen bekannten Mediengrößen, im sechsten Stock eines schlichten Bürobaus, entsteht ein ungewöhnliches Hörfunkprogramm: Metropol FM. 2009 feiert der Radiosender seinen zehnten Geburtstag. Geschäftsführer Tamer Ergün ist einer der Mitbegründer. Er kam aus der Türkei, um in Berlin Bauingenieurs- und Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren. Als er hörte, dass der erste türkischsprachige Sender in Deutschland gegründet werden sollte, verwarf er seine Pläne, in die USA zu gehen. „Ich wollte das wirtschaftliche und kulturelle Berlin mitgestalten“, sagt der 42-Jährige. Ergün blieb und arbeitete sich mit rund 50 anderen Mitstreitern – unterstützt von Profijournalisten – in die Radioarbeit ein.

Ein halbes Jahr lang feilten sie an dem Konzept, bis es schließlich im Juni 1999 mit der Deutschen Medienunion aus Ludwigshafen im Rücken „on air“ ging. Die Zielgruppe von Metropol FM sind „Deutsch-Türken“, wie Ergün erklärt. Menschen im Alter zwischen 14 und 49 Jahren, die im Deutschen und Türkischen gleichermaßen zu Hause seien. Nicht nur sprachlich, sondern auch im Herzen. Mittlerweile hat der Sender 450000 Hörerinnen und Hörer in Berlin, Koblenz, Stuttgart, Mannheim, Mainz, Ludwigshafen, Rüsselsheim und Wiesbaden. In den zehn Jahren hat sich innerhalb des Programms viel verändert: Ursprünglich sendete Metropol FM nur in türkischer Sprache. Aber dann wollten die Hörer beide Sprachen hören. Heute werden emotionale Themen, Witze und das Comedy-Programm auf türkisch, Nachrichten, gesellschaftsrelevante Themen und Berichte über Schule, Finanzen und Recht indes auf deutsch gesendet. „Der deutsche Anteil nimmt zu, da unsere Hörerschaft mit uns groß wird“, sagt Ergün. Immer wichtiger werde das Thema Bildung. Ein Schwerpunkt des Programms indes ist geblieben: türkische Musik – von Folklore bis Pop.

„Mit unserem Programm geben wir Deutsch-Türken Tipps für den Lebensalltag. Deshalb berichten wir genauso über Fahrpreiserhöhungen im Öffentlichen Nahverkehr wie über die Bundestagswahl oder über Veränderungen im Gesundheitssystem“, sagt Geschäftsführer Ergün. Porträts von erfolgreichen Migranten hat der Sender darüber hinaus regelmäßig im Programm. Engagiert ist Metropol FM auch über die reine Sendearbeit hinaus. Gemeinsam mit dem Berliner Fußballclub Hertha BSC fördern die Radiomacher einen deutsch-türkischen Fanclub, mit der Berliner Philharmonie startete der Sender die türkische Konzertreihe „Klangkulturen“. Auch Stiftungen und Vereinen, die auf ein Miteinander der Kulturen setzen, gehören dzu den Partner von Metropol FM.

Der Kontakt zur Hörerschaft ist eng. Eine Tatsache, die Sirin Sak besonders wichtig ist. Die 24-jährige moderiert seit 2005 für den deutsch-türkischen Sender. „Wir geben unseren Hörer alles Nützliche an die Hand und sind direkt bei ihnen“, sagt die ehemalige Metropol FM-Praktikantin. Ganz bewusst wohnt sie am Kottbusser Tor, dem Zentrum Kreuzbergs, wo sich viele soziale Milieus kreuzen. „Uns interessiert, was gerade geredet wird und was die Menschen bewegt. Das versuchen wir in unserem Programm aufzugreifen“, sagt Sak.

Geschäftsführer Tamer Ergün hofft, mit dem Nischen-Sender bald auch in Nordrhein-Westfalen, dem größten deutschen Bundesland, auf Sendung gehen zu können. Denn der Sender läuft immer besser. Trotz der Wirtschaftskrise, die viele Medienunternehmen finanziell schwer getroffen hat, wird Metropol FM demnächst drei neue Mitarbeiter einstellen.

05.11.2009
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