Mittwoch, 23.05.2012 13:11

Aktuell

Reise durch die Musik und Kultur Afrikas

Afrikanische Lebensfreude erleben: Musikstars von den Kapverdischen Inseln und aus dem Senegal stehen in diesem Jahr im...weiter

© Thomas Dorn

Nachrichten

Staatsminister Link trifft neuen französischen Europaminister Cazeneuve

Staatsminister Michael Link empfängt am heutigen Montag, 21.05., den neuen französischen Europaminister Bernard...weiter

Gelähmte Frau steuert DLR-Roboterarm mit ihren Gedanken

Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

Schriftstellerin Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2012 an die...weiter

Aktuell

Deutschland

Neuer Umweltminister  

Wirtschaft

Weltbank blickt besorgt auf gebremstes Wachstum Chinas  

Kultur

"Der Grand Prix ist eine politische Inszenierung"  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Unerhörte Geschichten: Buchkinder e. V.  

Wieder zuhause: „re-turn“ (21.05.2012)  

„Moorsoldaten“ – die Gedenkstätte Esterwegen  

Bookmarks
| |

Gesellschaft

Sehnsuchtsort mit Zukunft

Die Kurstadt Baden-Baden hat ihren Gästen einiges zu bieten – Reisende aus Russland scheint sie besonders zu faszinieren. Die Gäste knüpfen an eine reiche Tradition an.

Von Oliver Heilwagen

„Baden-Baden ist ein paradiesisches Eckchen“, begründete um 1850 Wassilij Zhukowskij seinen Daueraufenthalt in dem badischen Kurort. Damit war der russische Universalgelehrte in bester Gesellschaft. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen viele, die im Zarenreich Rang und Namen hatten, in die südwestdeutsche Stadt – manche ließen sich hier für immer nieder. Doch Russland verbanden mit dem kleinen Fürstentum Baden auch dynastische Beziehungen. Luise, Tochter des Erbmarkgrafen Karl Ludwig von Baden, heiratete als Elisabeta 1793 den späteren Zar Alexander I. – die erste von mehreren Ehen zwischen den Romanows und dem badischen Fürstenhaus. So wurde die Petersburger Gesellschaft auf den Ort aufmerksam.

Der halbe Pantheon der russischen Literatur hat in Baden-Baden gekurt, gewohnt, gelebt. Am längsten vermutlich Iwan Turgenjew, der sich von 1863 bis 1870 hier aufhielt. Er ließ sich eine Villa bauen, was ihn finanziell völlig überforderte: Als sie nach drei Jahren fertig war, hatte er kein Geld mehr für Möbel. Turgenjew porträtierte die Exil-Russen in seinem Roman „Rauch“, was ihm heftige Kritik eintrug. Etwa von Iwan Gontscharow, der im „Europäischen Hof“ logierte. Damals wie heute ist das Luxushotel eine der ersten Adressen der Stadt. Zum Andenken an seine prominenten Gäste aus Russland – neben Gontscharow etwa auch Gogol und Turgenjew – hat das Hotel einen „Russischen Salon“ eingerichtet.

Fjodor Dostojewskij soll wegen seiner schäbigen Kleidung nicht gewagt haben, den „Europäischen Hof“ zu betreten. Keine Hemmungen hatte er in der Spielbank: Bei zwei Besuchen in den 1860er-Jahren ruinierte er sich völlig. Zumindest waren sie künstlerisch fruchtbar: Seine Erlebnisse in den deutschen Kur- und Casinostädten Baden-Baden, Wiesbaden und Bad Homburg verarbeitete er zu dem Roman „Der Spieler“. Mit seinem Pech war er nicht allein. Bereits 1857 hatte Leo Tolstoi nach einem Casino-Besuch in sein Tagebuch notiert: „Roulette bis sechs Uhr abends. Alles verloren.“ Für andere russische Besucher verlief ihr Aufenthalt gewinnbringender. Der Pianist Anton Rubinstein gab in den 1860/70er-Jahren regelmäßig Konzerte in Baden-Baden. Alexander Borodin erlebte hier seinen Durchbruch, als seine Erste Symphonie 1880 uraufgeführt und begeistert aufgenommen wurde. Und Sergej Rachmaninow erholte sich 1935 in der Kurstadt von Tournee-Strapazen.

Die Gastspiel-Tradition hat Valeri Gergiev wiederbelebt: Seit zehn Jahren gastiert der Intendant des Marinskij-Theaters mit seinem Ensemble regelmäßig im Festspielhaus, dem mit 2500 Plätzen zweitgrößten Opern- und Konzerthaus Europas. „Baden-Baden ist unsere neue Sommerresidenz geworden“, schmeichelt der Maestro seinen Gastgebern. Und an Publikum aus seiner Heimat mangelt es ihm nicht.

Wie einst im 19. Jahrhundert reisen die Bürgerinnen und Bürger aus den GUS-Staaten wieder nach Baden-Baden. Nach US-Amerikanern stellen sie mit rund 25000 Übernachtungen pro Jahr die zweitgrößte Gruppe ausländischer Besucher. Sie sind gern gesehene Gäste und bleiben im Durchschnitt sechs Tage. Doch Europas Sommerhauptstadt ist der Kurort längst nicht mehr – was zieht die Touristen aus dem Osten so magisch an? „Was für die Amerikaner Heidelberg ist, bedeutet Baden-Baden für die Russen“, erklärt Matthias Winzen, Direktor des Museums für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts: Ein Sehnsuchtsort, der im Kollektivbewusstsein mythisch überhöht werde. Dass beide Städte heute eine vergleichsweise geringe Bedeutung hätten, spiele keine Rolle, ergänzt Winzen: Die Urlauber hofften, hier die Erfüllung ihrer Träume zu finden.

Und Baden-Baden lockt mit hoher Lebensqualität: Die malerische Lage der Stadt im engen Tal des Flüsschens Oos ist einmalig schön. Das historische Friedrichsbad und die modernen Caracalla-Thermen bieten Badevergnügen auf höchstem Niveau. Hotellerie, Gastronomie und Kulturangebot genügen allen Ansprüchen. Und das Stadtbild ist so gediegen, sauber und beschaulich, wie man nur wünschen kann.

Dazu komme die zurückhaltende Art der Baden-Badener, betont die PR-Expertin Eleonora Vettermann: Die Stadt sei sehr ruhig, weil ihre Einwohner sich gern in ihr Heim zurückzögen. Zudem seien sie seit Generationen gewohnt, ihre Kurgäste diskret zu bedienen. Eine Zurückhaltung, die auch russische Investoren zu schätzen wissen. Mehrere große Hotels und rund 1000 Villen in Stadt und Umland wurden schon von GUS-Bürgern erworben. Dabei bleibt diese Präsenz dezent: Außer durch Gedenktafeln für berühmte Gäste und Tafeln auf Kyrillisch in einigen Schaufenstern macht sie sich kaum bemerkbar. Mit Ausnahme des „einzigen Fabergé-Museums der Welt“ in der Flaniermeile Sophienstraße.

Dort zeigt der russische Kunstsammler Alexander Iwanow seit Mai 2009 Teile seiner Kollektion: Nicht nur reich geschmückte Ostereier, sondern auch Juwelen, Tafelsilber und andere Kostbarkeiten. Ein Fünftel der Museumsbesucher seien russischsprachig, erläutert Kurator Sergej Awtonoschkin: Manche reisten eigens aus Russland an. Alexander Iwanow habe Baden-Baden als Standort gewählt, weil sein Vorhaben „hier viel leichter zu realisieren war als in Moskau“, so Awtonoschkin: Die Baukosten seien niedriger und die Verwaltung kooperativer. Für Klagen über einen Ausverkauf Baden-Badens hat er kein Verständnis: Deutschland sei Russlands wichtigster Handelspartner. „In Moskau gibt es jede Menge Saturn-, Media- und Obi-Märkte“, betont Awtonoschkin: Die Deutschen sollten akzeptieren, dass Russen sich auch bei ihnen einkaufen.////

12.11.2010
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

Art Cologne 2012

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht