Wenn über dem Bürogebäude der Umweltorganisation der Vereinten Nationen in Kenias Hauptstadt Nairobi die Sonne aufgeht, bringt sie nicht nur natürliches Licht in die Büros der rund 1200 Angestellten. Sie erzeugt über eine nagelneue 500-kW-Photovoltaikanlage auf dem Dach auch so viel Strom, dass das Gebäude energieneutral arbeitet. Die Anlage mit 4000 Modulen ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen der „Exportinitiative Erneuerbare Energie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), dem Solarintegrator Energiebau, der die Anlage baute und in Kenia Solarspezialisten ausbildete, dem Modullieferanten Schott Solar und dem Wechselrichterhersteller SMA.
Mit ihrem Afrika-Engagement stehen die drei Unternehmen nicht allein. Viele namhafte deutsche Solarfirmen sind schon lange in Subsahara-Afrika aktiv. 35 Firmen mit Geschäft im Süden bilden eine eigene Gruppe im Bundesverband Solarwirtschaft, die beispielsweise Kontakte zu Partnern in Ländern der Region herstellt. Auf der Branchenmesse Intersolar 2010 in München organisierte die Gruppe eine Sonderschau zum Thema ländliche Elektrifizierung. Die Versorgung der laut OECD rund 585 Millionen Menschen ohne Strom in Subsahara-Afrika wird weitgehend netzfern erfolgen müssen. Denn ein landesweites Stromnetz ist vorläufig schlicht zu teuer. Um auch den Ärmsten auf dem Land wenigstens elektrisches Licht zu ermöglichen, geht man in letzter Zeit neue Wege. Die zuerst angedachten Photovoltaik-Haussysteme (Solar Home Systems, SHS) mit ihren pflegebedürftigen Batterien haben sich nämlich als wenig erfolgreich erwiesen: Sie erreichen vor allem Wohlhabende und gehen oft kaputt. „85 Prozent der SHS in Afrika sind nicht mehr in Betrieb“, schätzt Volker Wachenfels, Geschäftsbereichsleiter Offgrid bei der deutschen Solarfirma SMA.
Für die Elektrifizierung von ländlichen Regionen in Afrika scheinen sogenannte Pico-Systeme mit nur wenigen Watt Leistung und entsprechend geringen Kosten die beste Alternative zu sein. Auf sie setzt – neben anderen Lösungen – beispielsweise die GIZ im Rahmen des Projekts „Energizing Development“, das zusammen mit den Niederlanden als Partner umgesetzt wird. Dessen Ziel ist, zehn Millionen Menschen innerhalb weniger Jahre mit sauberer Energie zu versorgen, etwa mit photovoltaisch erzeugtem Strom. Die GIZ allein hatte sich 3,1 Millionen Menschen vorgenommen. Diese Vorgabe wurde bereits vorzeitig erreicht und nun noch einmal um drei Millionen aufgestockt. Carsten Hellpap, bei der GIZ für das Programm zuständig, berichtet: „Wir waren erfolgreich, weil wir von allen Bewerbern um Unterprojekte den Nachweis verlangt haben, dass sie eine Person für maximal 20 Euro elektrisch versorgen können.“ Das geht nur mit Pico-Systemen – denen in ihren ersten Jahren der Ruf voraneilte, unzuverlässig und in Verhältnis zur Leistung zu teuer zu sein. Inzwischen gibt es Neuentwicklungen und Zertifizierungsmechanismen, etwa vom Weltbank-Projekt „Lighting Africa“, die ihren Ruf verbessert haben.
Pico-Systeme reizen zu Neugründungen. Ein Beispiel ist das thailändisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen Fosera. Es setzt auf unempfindliche und langlebige Lithiumbatterien als Speicher: Eine kleine Solarpaneele versorgt dabei mehrere Mini-Verbraucher wie Lampen, Handys oder Radios. Die Lösung kann aber vorläufig nicht zertifiziert werden, weil die Tests nur auf Bleibatterien ausgerichtet sind. Das zeigt die Grenzen des derzeitigen Verfahrens. Die Fosera-Systeme werden trotzdem erfolgreich in mehreren afrikanischen Ländern, darunter Mosambik, vertrieben. Auch der auf Geschäfte im Süden spezialisierte Distributor Phaesun hat mit Ultium von Sundaya, das er in Afrika über Partner anbietet, eine neuartige Pico-Lösung im Programm.
Auch komplette Dorfstromversorgungen sind ein guter Ansatz. Ihre Realisierung hängt meist von staatlicher oder sonstiger Drittförderung ab. Asantys, ein Heidelberger Solarintegrator und –distributor, der rund 90 Prozent seines Geschäftes in Afrika macht, hat gerade, unter anderem mit Mitteln der niederländischen FRES (Foundation Rural Energy Systems), zwei Dörfer in Mali mit Diesel-Hybrid-Solaranlagen versorgt und Spezialisten vor Ort ausgebildet. Zudem werden die Anlagen fünf Jahre lang aus Deutschland fernüberwacht. Bei anderen Projekten geht es eher um Devisen. So versorgen Solarworld und Partner gerade komfortable Lodges in den Wildparks in Botswana mit Photovoltaik-Anlagen. Die dortige Regierung will die bisherigen Dieselgeneratoren ersetzen, denn sie werden schlicht zu teuer.
In Kenias Metropole Nairobi stellte der lokale Asantys-Partner African Solar Design kürzlich auf den Dächern eines SOS-Kinderdorfes eine 65-kWp-Anlage fertig. Sie ist die erste in Kenia, die Elektrizität ins notorisch unterversorgte Stromnetz des Landes einspeist. Die Direktorin des SOS-Kinderdorfes, Ruth Okowa, glaubt, dass eine Welle ähnlicher Projekte folgen könnte. Sonne als Diesel- oder Ölersatz gäbe es in Kenia allemal genug.///














