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Goethe-Institute

Russlandweites Netzwerk

Seit einem Jahr sind die Goethe-Institute in Russland zu dritt. Bei ihrer Arbeit setzen sie bewusst auf Kooperationen und zielen nicht zuletzt auf ein junges Publikum

Von Johannes Göbel

Julia Hanske ist hochzufrieden. „In unserem ersten Jahr haben rund 20000 Menschen 90 Veranstaltungen besucht“, bilanziert die Leiterin des Goethe-Instituts in Nowosibirsk, das am 13. März 2009 eröffnet wurde. Viel Engagement hat das junge Team in Nowosibirsk seitdem gezeigt. Aber auch auf russlandweite Zusammenarbeit kommt es an: „Natürlich haben auch die Goethe-Institute in Moskau und Sankt Petersburg einen gewissen Anteil daran, dass wir so gut starten konnten.“

„Vielleicht kann man von unseren drei Instituten als Mutterschiffen sprechen, die sich untereinander abstimmen, aber auch vielfältige Projekte in ganz Russland koordinieren“, sagt Johannes Ebert, Leiter des Moskauer Goethe- Instituts. In Moskau öffnete 1992 das erste russische Goethe-Institut seine Tore; ein Jahr später kam das Institut in Sankt Petersburg hinzu. Johannes Ebert leitet das Institut in Moskau seit März 2007 und ist zugleich Leiter der Region Osteuropa und Zentralasien. Als ein Beispiel für die gelungene Kooperation der russischen Goethe-Institute nennt er die Wanderausstellung „1989 – 2009: Bewegte Welt – Erzählte Zeit“, die zeitgenössische Foto- und Videokunst aus Deutschland, Russland und anderen ehemaligen Sowjetrepubliken präsentiert.

Für das Projekt trafen sich die Programmverantwortlichen und die Leiter der Goethe-Institute bereits Anfang 2008 zu ersten Vorgesprächen. Seit dem Ausstellungsauftakt in Moskau im August 2009 tourt die Ausstellung durch Russland und andere ehemalige Sowjetrepubliken. Im April geht es nach Sankt Petersburg und im September nach Nowosibirsk. Von dort aus wiederum in weitere russische Städte. So wird nicht nur der Netzwerkgedanke deutlich, sondern auch ein zentrales Anliegen der russischen Goethe-Institute. Denn die Arbeiten der Künstler erzählen von den gesellschaftlichen Veränderungen in ihren Heimatländern, die das Ende der DDR, die Auflösung der Sowjetunion mit sich brachten. „Die Bürgergersellschaft interessiert uns bei unserer Arbeit ganz grundsätzlich“, so Johannes Ebert. Ansprechen wolle man dabei insbesondere junge Menschen. Etwa auch mit dem Intradance Festival zum zeitgenössischen Tanz, das vom 20. bis 23. Mai in Moskau Sation machen wird.

Das Sprachkursangebot in Moskau ist besonders vielfältig. So gibt es etwa Jugendkurse für 14- bis 16-Jährige, Individualkurse, Firmenkurse und Intensivkurse. Sogar Superintensivkurse mit sechs Terminen in der Woche können in den Sommermonaten Juli und August belegt werden. Die Angebote stoßen auf reges Interesse: 4495 Teilnehmer haben 2009 am GI Moskau Deutschkurse belegt.

Das Goethe-Institut Sankt Petersburg zählte mit 2083 Kursteilnehmern ebenfalls eine beachtliche Zahl an Lernern. Aber auch in anderen Bereichen steht die deutsche Sprache im Mittelpunkt. So beim „Schultheaterfestival in deutscher Sprache“, das im März stattfand.Für Institutsleiter Dr. Friedrich Dahlhaus stellt der kulturelle Reichtum Sankt Petersburgs eine besondere Herausforderung dar. „Etablierte Institutionen wie die Eremitage bieten sich natürlich als Kooperationspartner an“, sagt er. „Darüber hinaus wollen wir aber gezielt junge Szenen ansprechen und unterstützen.“ So wird etwa im Juni die deutsch-türkische Künstlerin DJ Ipek auf Einladung des Goethe-Instituts in Sankt Petersburg ihren Elektro-Sound auflegen.

„Auch für uns ist die Kooperation mit externen Partnern extrem wichtig“, sagt Julia Hanske vom GI Nowosibirsk. Aktuell findet das Projekt „Stadt und Tanz“ besonders viel Aufmerksamkeit. Im Februar zeigte die Staatliche Architekturakademie Nowosibirsk Skizzen und Texte, die sich mit dem Stadtbild Nowosibirsks auseinandersetzen. Nun dienen die Exponate dem aus New York stammenden Choreografen Richard Siegal als Vorlage für ein Tanzprojekt. Im September wird er ein zweiwöchiges Seminar veranstalten, bei dem die Arbeiten Studierende der choreografischen Fakultät Nowosibirsk inspirieren werden, anschließende Aufführungen an öffentlichen Orten inklusive. Und auch in der Spracharbeit lebt der Netzwerkgedanke: „Als unser Institut seine Arbeit aufgenommen hat, haben wir davon profitiert, dass es in der Stadt bereits zwei Sprachlernzentren gab“, so Hanske. In Russland gibt es 17 solcher Zentren, die sich in ihren Angeboten an den Qualitätsstandards der Goethe-Intitute orientieren. Das jüngste eröffnete erst Mitte Februar in Krasnojarsk an der Sibirisch Föderalen Universität. Deutschlerner können in Russland also weiterhin auf ein gutes Netzwerk vertrauen.

10.03.2010
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