Mittwoch, 23.05.2012 12:52

Aktuell

Reise durch die Musik und Kultur Afrikas

Afrikanische Lebensfreude erleben: Musikstars von den Kapverdischen Inseln und aus dem Senegal stehen in diesem Jahr im...weiter

© Thomas Dorn

Nachrichten

Staatsminister Link trifft neuen französischen Europaminister Cazeneuve

Staatsminister Michael Link empfängt am heutigen Montag, 21.05., den neuen französischen Europaminister Bernard...weiter

Gelähmte Frau steuert DLR-Roboterarm mit ihren Gedanken

Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

Schriftstellerin Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2012 an die...weiter

Aktuell

Deutschland

Neuer Umweltminister  

Wirtschaft

Weltbank blickt besorgt auf gebremstes Wachstum Chinas  

Kultur

"Der Grand Prix ist eine politische Inszenierung"  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Unerhörte Geschichten: Buchkinder e. V.  

Wieder zuhause: „re-turn“ (21.05.2012)  

„Moorsoldaten“ – die Gedenkstätte Esterwegen  

Bookmarks
| |

Exilforschung

„Politisch-moralische Mission“

Der Exilforscher John M. Spalek erhielt im August die Goethe-Medaille. Die Auszeichnung des Goethe-Instituts wird alljährlich an ausländische Persönlichkeiten vergeben, die sich für die Vermittlung der deutschen Kultur einsetzen.

Interview: Johannes Göbel

Professor Spalek, was bedeutet Ihnen die Auszeichnung durch die Goethe-Medaille?

Ich freue mich natürlich. Ich sehe die Medaille allerdings weniger als Auszeichnung für mich persönlich, sondern als Würdigung der Exilforschung und der Arbeit meiner Mitarbeiter und Kollegen. Ich möchte Sandra Hawrylchak nennen, mit der ich bereits seit 40 Jahren zusammenarbeite und die mich auch als Co-Herausgeberin unseres vierbändigen Werks über die deutschsprachige Exilliteratur unterstützte.

Sie gelten als Nestor der Exilforschung und haben bereits über 200 Nachlässe deutschsprachiger Künstler, Autoren, Philosophen und Wissenschaftler, die in der Zeit des nationalsozialistischen Regimes in die Vereinigten Staaten emigrieren mussten, vor dem Vergessen bewahrt. Wie begann diese Arbeit?

Ich arbeitete in den sechziger Jahren an der University of Southern California, wo unter anderem der der berühmte Philosoph und Exilant Ludwig Marcuse unterrichtete; wir trafen uns recht oft. Aber auch andere Persönlichkeiten des deutschsprachigen Exils lernte ich kennen. Etwa den Politikwissenschaftler Eric Voegelin oder Marta Feuchtwanger, die Witwe des bekannten Schriftstellers. Ihr begegnete ich oft auf Parties. Das Leben in Kalifornien wurde von den Emigranten geprägt. Ich interessierte mich für ihre Geschichte und brachte zunächst einen Sammelband über deutschstämmige Drehbuchautoren wie Billy Wilder heraus. Bereits hierbei stieß ich auf sehr viel interessantes Material. Die Recherche nach solchen Fundstücken wurde dann zu meinem Arbeitsschwerpunkt. Meinen ersten großen Fund machte ich in der Nähe von New York, als ich einen großen Teil des Nachlasses Fritz von Unruhs entdeckte.

Wie ging es weiter?

Auf einem der allerersten Kongresse zur Exilforschung, 1971 in Kopenhagen, fragte mich die Deutsche Forschungsgemeinschaft, ob ich die Nachlässe der deutschen Exilanten systematisch erfassen wollte. Sie hat meine Arbeit dann sehr unterstützt. Ich empfand und empfinde diese Arbeit auch als eine politisch-moralische Mission. Die Nationalsozialsiten haben so viele Persönlichkeiten vertrieben, die nicht in Vergessenheit geraten sollten. Nehmen Sie den Schriftsteller Ernst Toller, der ebenfalls Politik mit Literatur verband. Ich habe über ihn gelehrt und bin ihm hier sozusagen ins Exil gefolgt.

In Deutschland haben Sie wesentlich zur Entstehung des Exilarchivs an der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main beigetragen. Wie kam es dazu?

Die Deutsche Nationalbibliothek fragte mich in den 1990er-Jahren, ob ich bereit wäre, am Exilarchiv mitzuarbeiten. Der damalige Leiter der Nationalbibliothek und heutige Präsident des Goethe-Instituts, Professor Klaus-Dieter Lehmannn, hat hier ohne zu zögern die nötigen finanziellen Mittel beigestellt. Auch deswegen war die Arbeit natürlich eine reizvolle Aufgabe. Mittlerweile konnten meine Mitarbeiter und ich der Nationalbliothek rund hundert Nachlässe zukommen lassen.

Welche Nachlässe lassen sich in Frankfurt finden?

Da ist zum einen der Nachlass der beiden Soziologen Alice und Joseph Maier. Alice Maier war die Sekretärin des großen Philosophen und Soziologen Max Horkheimer. Allein zweihundert seiner Briefe gehören zu ihrem Nachlass. Auch den Nachlass von Rudolph S. Joseph konnten wir für das Exilarchiv retten. Wir trafen ihn, als er schon neunzig Jahre alt war. Er floh ebenfalls vor den Nationalsozialisten, kehrte aber später nach Deutschland zurück, wo er 1963 das bekannte Münchner Filmmuseum gründete. Der Nachlass von Clementine Zernik, einer der ersten Strafverteidigerinnen in Wien, ist auch in Frankfurt. Sie lebte in einem Haus mit 15 Katzen. Die mussten wir nach Ihrem Tod erst einmal versorgen – und natürlich den Nachlass in einen ordentlichen Zustand bringen.

Werden Sie heute auch noch überrascht?

Absolut. Erst neulich machte ich über Umwege einen erstaunlichen Fund. Ich korrespondierte mit einer deutschstämmigen Familie in Oregon. Es deutete sich zunächts überhaupt nichts Besonderes an. Aber ich wollte die Familie persönlich kennenlernen und einmal schauen, was sich finden lässt. Nach einer Weile zeigte man mir einen Karton mit über 1000 Briefen von Otto Brahm. Ich dachte, ich fall vom Stuhl. Brahm war allerdings kein Exilant. Er arbeitete als Theaterkritiker und übernahm 1894 in Berlin die Leitung des Deutschen Theaters. Dass ich im Jahr 2009 in Oregon seine Briefe finden würde, hätte ich nicht gedacht. Dieser Nachlass ging an die Akademie der Künste in Berlin. Ins Exilarchiv nach Frankfurt ging wiederum ein anderer meiner letzten Funde. Für mich völlig überraschend stieß ich auf den Nachlass des gebürtigen Berliners Peter Basch. Er drehte im Zweiten Weltkrieg zunächst für das amerikanische Militär Propaganda-Filme. Dann wurde er zu einem der brühmtesten Star-Fotografen Hollywoods.

Man braucht offensichtlich detektivisches Gespür für Ihre Arbeit?

Natürlich, aber das Wichtigste ist, Vertrauen aufzubauen. Meine Mitarbeiter und ich gehen immer wieder nach dem selben Muster vor. Zunächst kontaktieren wir ehemalige Exilanten oder ihre Nachfahren mit einem Brief. Anschließend suchen wir das persönliche Gespräch. Oft wollen die Leute nicht auf Anhieb über eventuelle Nachlässe sprechen. Wir dürfen niemanden mehr auslassen. Man weiß nie, wo man noch etwas entdecken kann.

Hätten Sie eigentlich als junger Mann gedacht, dass die Exilforschung einmal zu ihrem Lebenswerk werden würde?

Nein. Ich stamme aus Polen und habe Tischler gelernt. 1949 brach ich in die USA auf, um ein neues Leben zu beginnen. Das Schiff fuhr an meinem 21. Geburtstag ab, symbolischer geht es gar nicht. In den USA habe ich zunächst Hispanistik studiert. Doch mir wurden nicht gerade die spannendsten spanischsprachigen Autoren nahe gebracht. So wechselte ich zur Germanistik. Na ja, und kam dann eher zufällig zu der Beschäftigung mit Nachlässen. Jetzt hoffe ich, dass sich weiterhin finanzielle Unterstützung für meine wissenschaftliche Arbeit findet. Schließlich gibt es noch viel zu entdecken. Und über das weite Netz an Kontakten, dass sich meine Mitrarbeiter und ich aufgebaut haben, verfügt sonst niemand.////

31.08.2010
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

Art Cologne 2012

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht