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Partnerschaft durch Bildung

Als Kompetenzzentrum für transatlantische Beziehungen hat das John-F.-Kennedy-Institut der FU Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst untersucht, wie sich die transatlantischen Hochschulkooperationen intensivieren lassen. Fünf Fragen zu den Ergebnissen an die Leiterin des Projekts, Prof. Dr. Ursula Lehmkuhl

Interview: Rainer Stumpf

Frau Lehmkuhl, Sie haben mit dem „Transatlantic Degree Programs Project“ (TDP) drei Jahre lang transatlantische Hochschulkooperationen erforscht. Wie wichtig ist die akademische Zusammenarbeit für die transatlantische Partnerschaft?

Wissenschaft und Forschung spielen eine wichtige Rolle. Die Politik hat erkannt, dass Hochschulen längst zu wichtigen Akteuren in der Gestaltung zwischenstaatlicher Beziehungen geworden sind. Ein Paradebeispiel hierfür ist die Deutsch-Französische Universität. Neue Entwicklungen wie etwa der Aufbau einer Deutsch-Türkischen Universität oder die Schaffung von Häusern der Deutschen Wissenschaft im Ausland sind Beleg dafür, welche Bedeutung der Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung beigemessen wird. Auch die Partnerschaft zwischen Europa und Nordamerika muss weiter konsequent ausgebaut werden. Man könnte hier an die Gründung einer Transatlantischen Universität denken, in der vom Bachelor bis Postdoc die klügsten Köpfe ausgebildet und gefördert werden.

Wie viele „Gemeinsame Studiengänge“ und „Double Degree-Programme“ an deutschen und nordamerikanischen Hochschulen gibt es überhaupt?

Bei den ersten Zahlen in Deutschland, die wir im Kontext des TDP Project 2006 erhoben haben, berichteten deutsche Hochschulen über 39 transatlantische Studiengänge, bei denen Studierende an zwei oder mehr Hochschulen ihr Studium absolvierten und dieses mit einem Joint oder Double Degree abschlossen. Unsere kürzlich erschienene Studie zu gemeinsamen Programmen zwischen europäischen und US-amerikanischen Hochschulen zeigt deutlich, dass sich die Zahlen im dreistelligen Bereich bewegen, mit einer deutlichen Tendenz nach oben. 85 Prozent der Hochschulen diesseits und jenseits des Atlantiks, die an unserer Umfrage teilnahmen, wollen Joint- und Double-Degree-Programme weiter ausbauen. Die meisten davon setzen dabei auf transatlantische Programme.

Welche Kooperationsmodelle versprechen den größten Erfolg?

Die Ergebnisse unserer Studie zeigen einige wichtige Trends auf. Beim Aufbau solcher Studiengänge sind Bottom-up-Prozesse ausschlaggebend. Die Kooperation zwischen einzelnen Hochschullehrern bildet meist die Basis für die Initiierung dieser Prozesse. Für den Erfolg braucht man aber auch eine Einbindung in den Gesamtkontext einer Hochschule und die Unterstützung durch die Verwaltung und Leitung – und dies gilt natürlich immer für beide Partner. Auch sollte man sich klare Vorstellungen über das Potenzial eines Programms machen. Viele bezeichnen diese Studiengänge als Eliteprogramme, denn die Anforderungen an die Studierenden sind meist viel höher als in normalen Studiengängen. Wer also dreistellige Teilnehmerzahlen erwartet, wird höchstwahrscheinlich enttäuscht werden.

Wie können die transatlantischen Hochschulkooperationen in Zukunft besser etabliert werden? Welche Empfehlungen geben Sie Hochschulen?

Pauschale Empfehlungen möchten wir nicht geben, denn Joint- und Double-Degree-Programme entstehen in unterschiedlichen Kontexten. Was für eine Hochschule möglich ist, kann sich an einer anderen als unüberwindbare Hürde herausstellen. Man sollte sich auf jeden Fall darüber im Klaren sein, dass ein gemeinsamer Studiengang Zeit zum Wachsen braucht, sowohl in der Entwicklungsphase als auch nach der Implementierung. Und wenn man mit internationalen Joint- oder Double-Degree-Programmen besonders leistungsfähige Studierende anziehen will, müssen Strategien dafür entwickelt werden. An der Freien Universität werden solche Maßnahmen unterstützt, beispielsweise durch unsere Außenbüros in Peking, Neu-Delhi, Moskau, New York und Brüssel.

27.10.2009
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