Wir stehen auf welligem Grund, das macht den Gang unsicher. Rechts und links 2711 graue Betonquader, manche reichen kaum zum Knie, andere überragen uns um mehr als drei Meter. Mit dem Stelenfeld hat der US-Architekt Peter Eisenman eine begehbare Skulptur geschaffen. Von oben sieht sie aus wie ein wogendes Steinmeer. Es ist seit 2005 Deutschlands zentraler Ort der Erinnerung an die sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden, die während des Nationalsozialismus ermordet wurden. Kaum ein Berlin-Besucher versäumt heute, hier vorbeizusehen. Das Denkmal verweist auf die dunkelste Epoche deutscher Geschichte, zugleich ist es als Erinnerungsort – auch als Touristenattraktion – aus dem Hier und Jetzt Berlins nicht mehr wegzudenken. Es liegt im Herzen der Hauptstadt, nahe dem Brandenburger Tor.
In Berlin spielt die Geschichte immer mit. Das klingt banal, aber wo sonst werden die Zeitläufte, gerade des 20. Jahrhunderts, wie durch ein Brennglas fokussiert? Dort, wo heute das Holocaust-Mahnmal steht, verlief von 1961 bis 1989 die Mauer, die Berlin in Ost und West trennte. Während des Zweiten Weltkriegs stand am selben Ort der Bunker von Hitlers Propagandachef Goebbels.
Die Hauptstadt stellt sich der deutschen Geschichte: Zahlreiche Gedenkorte erinnern an und informieren über Nationalsozialismus, Widerstand und deutsche Teilung. Zum Beispiel in der Gedenkstätte Plötzensee. Von 1933 bis 1945 wurden hier fast 3000 Menschen nach Unrechtsurteilen der nationalsozialistischen Justiz hingerichtet. Der Raum, in dem die Hinrichtungen stattfanden, gehört heute dem stillen Gedenken. Nebenan wird die Praxis der NS-Justiz dokumentiert. An der Niederkirchnerstraße steht die Open-Air-Ausstellung der Stiftung „Topographie des Terrors“, die über die wichtigsten Einrichtungen der NS-Verfolgung informiert. Mit über 500000 Besuchern im Jahr zählt sie zu den meistbesuchten Erinnerungsorten in Berlin; mit dem Bau ihres neuen Dokumentationszentrums wurde kürzlich begonnen. Die Gedenkstätte Deutscher Widerstand befindet sich im Bendlerblock im Bezirk Mitte. Hier wurde der Umsturz des NS-Regimes geplant – und hier, im heutigen Ehrenhof, wurden nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 Claus Schenk Graf von Stauffenberg und drei weitere Offiziere hingerichtet.
Die jüngere deutsche Geschichte rund um Teilung und Mauerbau dokumentieren die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße und das Haus am Checkpoint Charlie, einem ehemaligen US-Kontrollpunkt. Über fünf Kilometer zeichnet eine Doppelreihe aus Pflastersteinen den Verlauf der Berliner Mauer nach – ein Gedenkband, nicht sehr auffällig zwar, aber immer präsent. Und zum 20. Jahrestag des Mauerfalls 2009 soll es ein neues Denkmal in Berlin geben, der Bundestag hat es unlängst beschlossen: ein Freiheits- und Einheitsdenkmal, das an die historischen Wochen des Mauerfalls erinnert.














