Ihr Zuhause ist für sie immer da, wo sie gerade lebt. Momentan ist es für Nazmun Nesa Piari Berlin. Dort lebt die Korrespondentin aus Bangladesch im Herzen der Stadt – direkt am Potsdamer Platz. Ein magischer Anziehungspunkt mit Shopping Malls, Flagship-Stores, Großkinos, Cafés und Restaurants. „Ich liebe es, unter Menschen und mitten im Geschehen zu sein. Das kenne ich aus meiner Heimat. Außerdem erreiche ich von hier aus alles ganz schnell“, sagt sie, während sie aus dem Fenster ihrer Wohnung schaut. Zum Beispiel das Bundespresseamt. Schnell muss sie sein. Schließlich versorgt sie von dort aus Zeitungen in Bangladesch, Indien und New York mit Neuigkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport. Ihr Motto: „Ich beschreibe immer sehr plastisch, was ich sehe. Damit die Menschen im Ausland verstehen, was hier passiert.“
Nachrichten aus Berlin sind weltweit gefragt. Seit der Wiedervereinigung und der Wahl Berlins zur Hauptstadt wuchs das nationale und internationale Nachrichtengeschäft in der Hauptstadt stetig. Berlin ist heute einer der wichtigsten Nachrichtenknotenpunkte Europas, wenn nicht gar der Welt. In keiner anderen deutschen Stadt gibt es so eine Vielfalt im Pressemarkt. Neun Zeitungen erscheinen (fast) täglich in Berlin; über 50 auswärtige deutsche Zeitungen und Zeitschriften haben in der Hauptstadt Redaktionen eingerichtet – von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis zum Spiegel. Aber auch die London Times und die New York Times sind hier vertreten. Etwa 900 Journalisten gehören der Bundespressekonferenz an. Hinzu kommen die Mitglieder des Vereins der ausländischen Presse in Deutschland (VAP) – mehr 400 Journalisten vorwiegend aus Europa, den USA und Asien.
Eine von ihnen ist Nazmun Nesa Piari. Die Tochter eines Chemieprofessors wollte Kunst studieren, schrieb schon in ihrer Schulzeit Gedichte, tat ihrem Vater aber den Gefallen, Chemie zu studieren. Sie unterrichtete an einem College, besuchte aber nebenbei eine Kunstakademie und schrieb Gedichte für Zeitungen. In den siebziger Jahren wollte sie weg – ins Ausland. Sie landete bei der Deutschen Welle in Köln, dem deutschen Radiosender für das Ausland, und lernte in den verschiedensten Funktionen Deutschland kennen. Dann zog es sie nach Berlin, „in die Stadt, wo die Mauer gefallen war“. Sie wollte sich stärker ihrer kreativen Arbeit widmen. Seit 2002 berichtet sie nun für Zeitungen wie den Observer, Daily Star, Business India, Weekly 2000 und die bengalische Itte fak. Außerdem schreibt und übersetzt sie Bücher wie Elfriede Jelineks „Klavierspielerin“ und verfasst Gedichte. Ihr bleibt wenig Zeit, in ihre Heimat zu fahren. Dort ist sie nur zwei, drei Wochen im Jahr. „Bleibe ich länger, beginne ich Deutschland zu vermissen“, sagt sie.
Ramesh Jaura brachte eine Europa-Rundreise 1968 nach Deutschland. Dort spürte der heute 67-jährige Journalist eine Umbruchsstimmung. Deshalb entschloss er sich bald nach West-Berlin zu gehen. „Ich wusste, dass die Ostpolitik Willy Brandts bahnbrechend werden würde für die weitere Entwicklung der beiden großen Machtblöcke. Hier würde Geschichte gemacht werden. Und darüber wollte ich für Indien berichten.“ 1977 wechselte er nach Bonn und arbeitete von dort aus jahrzehntelang als Korrespondent über Politik und Wirtschaft für indische Medien wie All India Radio, Doordarshan, Economic & Political Weekly, Mainstream und India Today. 1987 wurde er Leiter der Inter Press Service-Nachrichtenagentur (IPS) für den deutschsprachigen Raum, später Leiter der IPS Europa. Er gründete den Verein Global Cooperation Council (Nord-Süd-Forum). Dieser hat sich die Förderung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Ländern Afrikas, Asiens, der Karibik und Lateinamerikas auf die Fahnen geschrieben. Sein Impuls als Journalist zu arbeiten war „stets zu schauen, was hinter einer Meldung von acht Zeilen wirklich steckt“, sagt er, während er an seinem Schreibtisch im IPS-Büro in Berlin-Mitte in Reichweite des Bundespresseamtes und des Bundestags sitzt. Es habe sich seit dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin viel verändert. Vor 20 Jahren seien die Hauptinfoquellen der Recherche noch die Regierungssprecher oder Sprecher der Ministerien gewesen, die man am Rand einer Pressekonferenz oder im kleinen Bonn an anderen Stellen zu informellen Gesprächen treffen konnte. „Heute hat nicht jeder die Möglichkeit, wirklich hinter die Kulissen der Politik zu schauen“, sagt er mit Bedauern.
Nguyen Xuan arbeitet seit den achtziger Jahren für die Nachrichtenagentur Vietnam News Agency (VNA). Seit drei Jahren berichtet er als Chefkorrespondent aus Deutschlands Hauptstadt, schreibt aber auch für andere Zeitungen und Webseiten in Vietnam. Er wird drei bis vier Jahre in Berlin bleiben. Seine Schwerpunkte sind Politik und Wirtschaft. Nebenbei macht er die Berichterstattung für Kultur und Sport, wenn es große Ereignisse gibt. Seine letzte große Geschichte war die Bundestagswahl. „Ein Schwerpunkt von mir sind aber auch die in Deutschland lebenden Vietnamesen, wie sie in ihrer zweiten Heimat arbeiten, leben und wie sich die nächsten Generationen in die deutsche Gesellschaft integrieren.“ Der 59-Jährige arbeitet von seiner Wohnung im Bezirk Lichtenberg aus. Dort lebt er mit seiner Frau und seinem Sohn in einer Reihenhaussiedlung mit einem kleinen Garten. Drumherum stehen die für Lichtenberg üblichen Hochhäuser aus DDR-Zeiten. Sein älterer Sohn studiert in Paris Design. Deutschland und speziell Berlin gefallen ihm sehr. Hier kommt er viel herum. Da er für alle Dinge seines Deutschlandbüros verantwortlich ist, muss er häufig bis Mitternacht arbeiten, damit die Kollegen in Hanoi alle Informationen rechtzeitig erhalten. „Um die Zeit nämlich beginnt in meiner Heimat der Arbeitstag meiner Kollegen.“ Da helfen die technischen Neuerungen. „In nur einer Sekunde kann ich Bilder und Texte von Deutschland nach Vietnam schicken.“














