Ein Interview mit Ursula Müller, Beauftragte für Außenwirtschaftsförderung und Entwicklungspolitik im Auswärtigen Amt
Frau Müller, Staat und Wirtschaft kooperieren im Ausland, um Handel und Investitionen anzukurbeln. Was ist die wichtigste Aufgabe der Diplomatie in dieser Zusammenarbeit?
Unsere vordringlichste Aufgabe sehen wir in der Flankierung des Auslandsgeschäfts deutscher Unternehmen. Der Erfolg auf den Weltmärkten zeigt die Stärke und Innovationsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Export von Produkten und Dienstleistungen ab. Daraus ergibt sich, dass eine der wichtigsten Aufgaben der deutschen Auslandsvertretungen sein muss, deutsche Unternehmen im Ausland zu unterstützen, wann immer dies gewünscht ist. Denn nichts ersetzt Kontakte vor Ort.
Wie sieht diese Unterstützung aus?
Die Auslandsvertretungen haben Zugang zu den wichtigen Gesprächspartnern und Entscheidungsträgern in den jeweiligen Ländern, können Geschäftspartner zusammenbringen und Brücken schlagen. Insofern sind sie der ins Ausland verlängerte Arm der deutschen Außenwirtschaftsförderung. Und es ist nur folgerichtig, dass Außenwirtschaftsförderung im Auswärtigen Amt und an unseren 226 Auslandsvertretungen Chefsache ist. Insbesondere die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen ist ein politisches Anliegen von Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle.
Wie ist die deutsche Außenwirtschaft international organisiert?
Die Außenwirtschaftsförderung der Bundesregierung ressortiert beim Bundeswirtschaftsministerium. Das gilt auch für die Finanzmittel für das Instrumentarium, dessen wir uns in der Außenwirtschaftsförderung bedienen: die Beschaffung von Informationen über Branchen und Märkte weltweit durch die Bundesgesellschaft Germany Trade and Invest mbH (GTaI). Und durch die Auslandshandelskammern, die Beratung von Unternehmen beim Einstieg in Auslandsmärkte, die Wahrung von deren Interessen in den Gastländern und vieles mehr.
Können Sie uns ein konkretes Beispiel nennen, wie Staat und Wirtschaft ein deutsches Projekt im Ausland erfolgreich realisiert haben?
Gerne. Mitte Juli hat der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes eine Delegation nach Nigeria begleitet. Mit Nigeria gibt es seit 2007 eine Energiepartnerschaft. Das Land ist der „Ressourcen-Riese“ Afrikas, leidet aber unter Strommangel zum Aufbau seiner Industrie. Deutschland ist Europas größte Volkswirtschaft, aber arm an Rohstoffen. An diese Ausgangslage ist das Auswärtige Amt hoch operativ herangegangen und hat Interessen und Potenziale in den jeweiligen Energiesektoren zusammengeführt. Ergebnis dieser Reise waren interessante Aufträge für deutsche Unternehmen, die Nigeria helfen werden, Kraftwerke nachzurüsten, Verteilernetze aufzubauen und seine Energieversorgung zu modernisieren. Beide Seiten haben also profitiert.
Gilt Ihre Unterstützung in umgekehrter Richtung auch ausländischen Unternehmen?
Natürlich. Die Auslandshandelskammern und Germany Trade and Invest beraten auch Unternehmen, die nach Deutschland kommen wollen. Botschaften und Konsulate ebenso. Und wenn am Ende des Tages ein Geschäftsmann zur Reise nach Deutschland ein Visum benötigt, wird auch hierbei wieder die Auslandsvertretung tätig.
DAS NETZ DER AUSLANDSHANDELSKAMMERN
Die deutschen Auslandshandelskammern (AHK) sind eine der drei Säulen der Außenwirtschaftsförderung – zusammen mit den Auslandsvertretungen und der Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTaI). Mit ihren 120 Standorten in 80 Ländern (siehe Grafik) sind die AHK auf den wichtigsten Exportmärkten der Welt vertreten. Sie sind organisiert als freiwillige Zusammenschlüsse von Unternehmen aus Deutschland und einem Partnerland mit Sitz in dem jeweiligen Land. Ihre Hauptaufgabe: Sie setzen sich für die Interessen der Wirtschaft beider Länder ein und fördern Wirtschaftskooperationen, indem sie die Marktinteressen deutscher Unternehmen im Gastland berücksichtigen und sich gleichzeitig als Dienstleister für einheimische Unternehmen verstehen. Weltweit haben die AHK 40000 Mitgliedsfirmen, davon zwei Drittel mit Sitz im Ausland und ein Drittel mit Sitz in Deutschland.
www.ahk.de
BEGEGNUNG ZWISCHEN WIRTSCHAFT UND POLITIK IM AUSWÄRTIGEN AMT IN BERLIN
Zu den Themen zählen Alternative Kraftstoffe und Antriebstechniken, der Logistikstandort Deutschland, bezahlbarer Strom aus umweltfreundlichen Kraftwerken oder Medizintechnik für den afrikanischen Markt: Bei der Veranstaltungsreihe „Business meets Diplomats“ des Auswärtigen Amts (Foto rechts) kommen seit 2007 regelmäßig Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus dem In- und Ausland in Berlin zusammen, um sich über aktuelle Fragen an der Schnittstelle von Politik und Wirtschaft auszutauschen. Auch der Außenwirtschaftstag während der jährlichen Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt dient der Vernetzung von Wirtschaft und Diplomatie.
www.diplo.de/aussenwirtschaft
AUMA – DER SPITZENVERBAND DER DEUTSCHEN MESSEBRANCHE
Für die Wirtschaft sind internationale Messen ein attraktives Forum. Zwei Fünftel der deutschen Industriekonzerne stellen regelmäßig im Ausland aus. Koordiniert werden die Auslandsmesseaktivitäten der deutschen Wirtschaft von dem Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der deutschen Wirtschaft, kurz AUMA. Der Spitzenverband der deutschen Messebranche hat das Ziel, die deutschen Messen im In- und Ausland zu stärken. Jedes Jahr begleitet der AUMA unter anderem die Messearbeit von rund 230 von der Bundesregierung unterstützten Exportplattformen. Die im AUMA zusammengeschlossenen Veranstalter organisieren im Jahr über 200 eigene Messen in den weltweit wichtigsten Wachstumsmärkten.
www.auma.de














