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„Menschen und ihre Ideen fördern“

Die Bedeutung der deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen wird auch durch das breitgefächerte Engagement der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Russland deutlich. Dr. Jörn Achterberg, Leiter des DFG-Büros Moskau, spricht im Interview über die Perspektiven dieses Engagements.

Interview: Johannes Göbel

Herr Dr. Achterberg, seit 2003 unterhält die DFG ein eigenes Büro in Moskau. Warum ist Ihnen diese Präsenz wichtig?

Die DFG betreibt an ausgewählten Standorten im Ausland eigene Büros, wo es besonders vielfältige Kooperationsmöglichkeiten für deutsche Wissenschaftler gibt. Ein Büro dort ist eine gute Basis, um bestehende Kontakte zu intensivieren und weitere zu knüpfen. Russland ist neben den USA, was die Beteiligung von Wissenschaftlern an Sonderforschungsbereichen anbelangt, der wichtigste internationale Partner der DFG. Zudem hat die deutsch-russische Zusammenarbeit in der Wissenschaft eine lange Tradition. Schon Zar Peter der Große hat deutsche Wissenschaftler an die von ihm gegründete Akademie der Wissenschaften geholt. Auch die 1920 gegründete Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, die Vorläuferorganisation der DFG, hat sich bereits für den deutsch-russischen Austausch engagiert.

Wie engagiert sich die DFG heute in Russland?

Die DFG bewilligt jährlich mindestens 100 Neuanträge mit russischer Beteiligung. Allein zwischen 2008 und 2010 wurden von uns in Russland fast 400 Projekte gefördert. Wir möchten, dass gute Wissenschaftler ihre Projekte umsetzen können. Ganz gleich in welchem Fachgebiet sie arbeiten, ob in mittelalterlicher Philosophie oder in Kernphysik. Natürlich bemerken wir in unserer Arbeit, dass die russischen Naturwissenschaften auf einem besonders hohen Niveau sind. Grundsätzlich möchten wir mit unserem Engagement insbesondere die Grundlagenforschung stärken. Sie hat in Russland mitunter einen schweren Stand, da hier vor allem die anwendungsorientierte Forschung als Innovationsmotor wahrgenommen wird. Wir wollen aber auch ganz grundlegend Menschen und ihre Ideen fördern, die schließlich am Anfang aller Innovationen stehen.

Mit welchen russischen Partnerorganisationen arbeitet die DFG konkret zusammen?

Die DFG ist bereits seit 1970 durch ein Abkommen mit der Russischen Akademie der Wissenschaften, damals noch der UdSSR, verbunden. Neben dem russischen Wissenschaftsministerium sind heute allerdings in erster Linie die Russische Stiftung für Grundlagenforschung und die Russische Stiftung für die Geistes- und Sozialwissenschaften unsere Ansprechpartner. Beide Stiftungen sind uns in ihrem Ansatz, insbesondere die Grundlagenforschung auf Antragsbasis im freien Wettbewerb zu stärken ähnlich. Neben unserem Engagement für eine thematisch möglichst breit gefächerte Wissenschaft ist uns die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses besonders wichtig. Das machen aktuell auch zwei langfristig angelegte internationale DFG-Graduiertenkollegs im Bereich Life Science deutlich, in denen junge Wissenschaftler der Moskauer Lomonossow-Universität und deutscher Spitzenuniversitäten zusammenarbeiten.

Inwiefern profitieren Sie vom laufenden deutsch-russischen Wissenschaftsjahr?

Die DFG findet sich besonders in zwei der vier Hauptanliegen des Wissenschaftsjahres wieder: In der Stärkung der Spitzenforschung und in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses als Bindeglied der deutsch-russischen Partnerschaft. Eine konkrete Veranstaltung des Wissenschaftsjahres, die das zum Ausdruck gebracht hat, war etwa die erstmalige Ausrichtung einer deutsch-russischen „Woche des jungen Wissenschaftlers“, die die DFG und der Deutsche Akademische Austauschdienst, der DAAD, im September 2011 zum Thema „Mensch und Energie“ an der Föderalen Universität Kazan veranstaltet haben. Grundsätzlich bietet ein solches Wissenschaftsjahr die Möglichkeit, verschiedene Themen stärker in den Fokus des Interesses zu rücken. Diese Chance wollen wir unter anderem für eine intensivere Förderung der Geisteswissenschaften nutzen.///

14.12.2011
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