Welchen gesellschaftlichen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit in Deutschland?
Ich beobachte in den vergangenen ein, zwei Jahren einen starken Aufwärtstrend, obwohl das Thema Nachhaltigkeit nicht neu ist, sondern schon in den 80er-Jahren entwickelt wurde. Sehr gut lässt sich die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung an Umfragen festmachen. Im „Umweltbewusstsein-Survey 2006“ zum Beispiel ist Umweltschutz als wichtigstes Problem jetzt auf Platz zwei. Und wenn man die Bevölkerung befragt, etwas aktiv für den Klimaschutz zu tun, ist mittlerweile die Mehrheit der Deutschen dazu bereit.
Was ist das Besondere am Lohas-Konsumverhalten?
Auch Lohas orientieren sich zunächst am Preis, und sie verlangen gute Qualität bei der Ware. Neu ist: Für Lohas spielt Gesundheit eine Rolle. Was sie kaufen, muss frisch sein, einen hohen Nährwert haben. Zudem achten sie beim Kauf auf ökologische Aspekte und wollen mit gutem Gewissen konsumieren. Sie akzeptieren, dass es einerseits die Notwendigkeit der Ökonomie, andererseits die Notwendigkeit der Ökologie gibt, versuchen beides in eine Balance zu bringen und in kleinen Schritten ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten. Wer von ihnen mit dem Flugzeug fliegt, kompensiert das etwa mit einem finanziellen Ausgleich für ein Umweltprojekt.
Auch die Wirtschaft reagiert auf die Lohas. Welches Marktpotenzial sieht sie in dieser Gruppe?
Die rund acht Millionen Lohas-Kunden verdienen überdurchschnittlich gut und konsumieren im Jahr für etwa 200 Milliarden Euro. Der Markt reagiert bereits sehr professionell auf sie als Konsumenten. Es gibt inzwischen mehrere Internetplattformen, wo sich praktisch alle Lohas-Marktsegmente wiederfinden. Das geht von Nahrungsmitteln, Bekleidung, Bauen und Wohnen, Medien und Elektronik bis in den Automobilmarkt.
Hat der grüne Lebensstil das Potenzial, die Konsummärkte zu revolutionieren und einen nachhaltigen Lebensstil zu prägen?
Bei der Gruppe der Lohas glaube ich nicht nur an einen zeitweiligen Trend, sondern an eine dauerhafte Käuferschicht. Lohas werden heute mit modernen Marketing-Methoden ganz anders umworben als die früheren Ökoaktivisten. Dass wir es hier in Zukunft mit einem ernsten und stabilen Marktsegment zu tun haben, dafür spricht auch ein heute viel deutlicherer Problemdruck durch Klimawandel oder die wachsende soziale Kluft zwischen Arm und Reich.
Professor Dr. Werner F. Schulz
ist Inhaber des ersten klimaneutralen Lehrstuhls an einer deutschen Hochschule. Er lehrt Umweltmanagement an der Universität Hohenheim bei Stuttgart und beschäftigt sich schon lange intensiv mit Fragen des nachhaltigen Wirtschaftens.














