Die Kultur- und Kreativwirtschaft hat sich zu einer Zukunftsbranche mit hohem Wachstums- und Beschäftigungspotenzial entwickelt. Die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland" des Deutschen Bundestags zählt zur Kulturwirtschaft im engeren Sinn folgende Branchen: Musik- und Theaterwirtschaft, Verlagswesen, Kunstmarkt, Film, Rundfunk, Architektur und Design; die Kreativwirtschaft umfasst zudem die Zweige Werbung, Software und Games-Industrie. Zählt man die Umsätze all dieser Branchen zusammen, erreichen die „Creative Industries" in Deutschland mittlerweile fast das Bruttoinlandsprodukt der Automobilindustrie. Über 800 000 Menschen arbeiten in den kreativen Berufen.
Musik und Theater
Die Musik- und Theaterlandschaft in Deutschland ist – nicht zuletzt durch die Kulturhoheit der 16 Länder – sehr lebendig und dicht. 130 Berufsorchester und mehr als 300 Theater sowie zahlreiche Festivals stehen für eine große Vielfalt und für hohen Anspruch. Auch in der Rock- und Popszene tut sich viel. Bands wie „Tokio Hotel" oder „Wir sind Helden" haben auch im Ausland viele Fans.
Film
Die deutsche Filmproduktion hat in den letzten Jahren große Erfolge gehabt – messbar auch durch zwei Oscars in jüngster Zeit und Preise internationaler Filmfestivals. Der Marktanteil des deutschen Kinofilms ist im Land von 7 auf 25 Prozent gestiegen. Regisseure wir Fatih Akin, Florian Henckel von Donnersmarck, Tom Tykwer, Caroline Link und Doris Dörrie locken die Zuschauer ins Kino.
Kunstmarkt
Die neue Generation von Künstlerinnen und Künstlern hat die zeitgenössische deutsche Kunstszene international bekannt gemacht. Allein in Berlin, das mit rund 380 Galerien als größter Galerienstandort Europas gilt, leben und arbeiten 5000 Künstler. Deutschland ist mit 17 Kunstmessen, darunter die Art Cologne als eine der international wichtigsten, führend in Europa.
Werbung
Das Geschäft mit der Werbung – sei es in TV, Zeitungen oder im Internet – ist in Deutschland, gemessen an den Investitionen in Werbung, mehr als 30 Milliarden Euro schwer. Rund 185 000 Menschen arbeiten im engeren Sinn in der Werbebranche, zum Beispiel in Agen-|turen und Medienhäusern. Die Agenturenszene |konzentriert sich vor allem in Großstädten |wie Hamburg, Köln und Berlin.
Design und Architektur
Die „gute Form" hat in Deutschland Tradition: Die Schlichtheit der Bauhaus-Avantgarde ist heute allerdings einer Vielfalt der Stile und Möglichkeiten gewichen. Gestaltung aus Deutschland – ob in der Mode oder im Produktdesign – ist ideenreich, witzig, frech und überraschend. In der Architektur hat sich das in Deutschland besonders entwickelte umweltfreundliche Bauen, das einen sparsamen Umgang mit Ressourcen berücksichtigt, zum Exportschlager entwickelt.
Medien und Verlage
Die deutsche Medienlandschaft verändert sich durch das Internet. Mehr als die Hälfte aller deutschen Haushalte haben einen Internet-Hochleistungsanschluss, die Domain-Endung „.de" gehört zu den häufigsten überhaupt. Trotz der starken Impulse durch das Internet und neue crossmediale Ausrichtungen der Medien ist Deutschland ein Bücher- und Zeitungsland: Rund 95 000 Buchtitel bringen die Verlage heraus, fast 9000 Lizenzen verkaufen sie im Jahr ins Ausland. Die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt sind wichtige Branchentreffen. Mit 350 Tageszeitungen, 2300 Zeitschriftentiteln, 460 Radiosendern, mehr als 200 TV-Sendern sowie knapp 500 Online-Diensten ist die Medienvielfalt insgesamt groß. 60 000 Frauen und Männer arbeiten hauptberuflich im Journalismus.
Software/Games
Auch IT-Spezialisten und Entwickler von Computerspielen gehören zur „kreativen Klasse". Schließlich lebt die Softwarebranche von stetigen Innovationen. 23 Milliarden Euro umfassen ihre Umsätze im Jahr. Mit SAP hat der größte europäische und weltweit viertgrößte Softwarehersteller seinen Standort in Deutschland. Immer wichtiger im Markt wird die interaktive Unterhaltungsindustrie, die in Deutschland schon mehr als doppelt so viel einnimmt wie die Kinos. In und um Berlin herum konzentriert sich ein Cluster der Spielentwickler.














