„Japan und Deutschland stehen vor ähnlichen nationalen und globalen Herausforderungen. Da ist der breite kulturelle Austausch heute bedeutender als je zuvor“, sagt Raimund Woerdemann, Japan-Direktor und Leiter des Goethe-Instituts in Tokyo. Intensiviert wird er dieses Jahr aus Anlass des ersten Freundschafts- und Handelsvertrages, den Japan und Deutschland im Jahre 1861 schlossen. Damals landete die Preußische Ostasien-Expedition in der Bucht von Edo, dem heutigen Tokyo. Unter dem Motto „150 Jahre Freundschaft mit Zukunft“ wird das Jubiläum mit einem großen Veranstaltungsprogramm gefeiert (Programm auf www.dj150.jp). Bei gleichzeitiger Ansprache der „alten“ Freunde durch bewährte Formate und Inhalte sind die Veranstaltungen klar auf die Zielgruppe Jugend ausgerichtet. Beide Länder üben auf die Jugendlichen ihre ganz eigene Faszination aus. „Junge Leute aus Deutschland mögen die Subkultur in Japan und vermuten dort ein wilderes, im Vergleich unkonventionelleres Leben“, sagt Wördemann. „Der Fußball dürfte einer der Bereiche sein, in dem das heutige Deutschland Faszination auf junge Japaner ausübt. Das gilt aber sicher auch für Lifestyle-Produkte wie neue Mode, cooles Design oder schnelle Autos“, sagt Botschafter Volker Stanzel. Ein grundsätzliches Interesse ist vorhanden. Es bedarf aber wohl einer zeitgemäßen Neuausrichtung.
Symbol für diesen Ansatz ist die Einrichtung einer Künstlerresidenz in Kyoto. der „Villa Kamogawa“. Das Goethe-Institut in der Tempelstadt wird dazu einer Komplettsanierung unterzogen, um ab April 2011 jährlich acht bis zwölf deutschen Künstlern die Möglichkeit zu geben, Japans kulturelles Erbe aus erster Hand zu erleben. Während ihres Aufenthalts können die Stipendiaten im direkten Austausch mit der lokalen Kulturszene neue Projekte entwickeln und Kontakte zu japanischen Kultureinrichtungen und Künstlern knüpfen. Zu den ersten Stipendiaten gehören die Schriftstellerin Lucy Fricke, die in Kyoto an einem Romanprojekt weiterarbeiten möchte, in dem sich Text und Manga stärker miteinander verbinden. Der Filmemacher André Hörmann will für einen Experimentalfilm über den Abwurf der Atombombe „Little Boy“ recherchieren. Der Dramaturg Claudius Lünstedt hat vor, an einem Theaterstück über die koreanische Minderheit in Japan weiterzuarbeiten und der Bildende Künstler Jens Ullrich will während seiner Zeit in Kyoto mit Bezug auf die traditionelle japanische Rollbildtechnik und das ebenfalls aufrollbare „Hintergrundtuch“ der westlichen Studiofotografie ein mobiles Fotostudio entwickeln und zum Einsatz bringen.
Darüber hinaus wenden sich zahlreiche Veranstaltungen landesweit während des ganzen Jubiläumsjahres gezielt an japanische Jugendliche, um ihr Interesse für die deutsche Kulturszene zu wecken. Den Auftakt bildet ein Produzentenwettbewerb, für den die deutsche DJ-Ikone Sven Väth im Februar nach Japan reisen wird. Bereits seit den Anfängen des Techno in den 80ern verbindet Deutschland und Japan die Begeisterung für elektronische Musik. Diese Verbundenheit führte bis heute zu zahlreichen deutsch-japanischen Kooperationen: deutsche DJs, die zum „Wire Festival“, dem größten Indoor-Festival in Japan, reisen und japanische DJs, die deutsche Techno-Events bestreiten. „Sven Väth zählt zu den populärsten Gast-DJs in Japan“, sagt Julian Hermann, Projektleiter beim Goethe-Institut in Tokyo. „Er feiert 2011 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum.“ Vor diesem Hintergrund schreibt das Goethe-Institut Tokyo zusammen mit Sven Väth und Cocoon Recordings einen Produzentenwettbewerb aus, bei dem junge Japanerinnen und Japaner ihr Talent im Produzieren beweisen können. Die besten Tracks werden auf Cocoon Recordings veröffentlicht. Dazu erwartet den Gewinner als Hauptpreis „One Night with Sven Väth“ in Frankfurt am Main.
Ende Januar startete bereits ein Gemeinschaftsprojekt der deutschen Comiczeichner Dirk Schwieger und Christina Plaka mit der japanischen Manga-Künstlerin Matsuoka Waka. Dabei führen sie mit ihren Comics einen Online-Dialog und entwickeln so zusammen eine Geschichte, deren letzte Folge sie im Oktober gemeinsam zeichnen. Im Herbst kommt im Rahmen des Freundschaftsjubiläums auch Berliner Subkultur nach Tokyo: Ab September 2011 zeigt das Museum of Contemporary Art Tokyo die „Berlin-Ausstellung“, eine Kunstschau, die in enger Zusammenarbeit eines deutsch-japanischen Kuratorenteams entsteht. Den Abschluss des Jubiläumsjahres bilden schließlich die „Nacht der Freundschaft“ und das „Freundschaftsfest“ in der Residenz des deutschen Botschafters und im anliegenden Arisugawa Park im Oktober 2011. „Das wird ein bunter und fröhlicher Ausklang des Jubiläumsjahres“, sagt Institutsleiter Woerdemann. „Das Veranstaltungsprogramm richtet sich an Alt und Jung gleichermaßen: Von deutschsprachigen Opernarien bis hin zum deutsch-japanischen Karaokesingen und zu aktuellen deutschen Rockbands findet jeder etwas, was ihm gefällt.“ Bis Jahresende wird die Veranstaltungsreihe dann noch mit einigen weiteren Veranstaltungen unter dem Logo des Deutschlandjahres „150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan“ auslaufen.////















