MOUSSE T., MUSIKPRODUZENT
Seine wichtigste Ware sind ausgeprägte Kreativität und originelle Ideen: Mousse T. bewirtschaftet den kreativen Sektor — als international gefragter Musikproduzent und Discjockey kurbelt er die deutsche Kreativindustrie an. Die kreative Klasse — Verleger, Galeristen, Filmproduzenten oder Designer — lässt die Kulturwirtschaft in Deutschland boomen: beachtliche Wachstumsraten, hohe Umsätze, Potenzial für Jobs. Für die wirtschaftliche Dynamik einer oft unterschätzten Branche sorgen Kreativarbeiter wie Mousse T. Seine Diskographie liest sich wie ein Who’s who der Popmusik – von den Backstreet Boys über die Fugees, von Simply Red bis zu Zucchero. Stars der Musikbranche kommen nach Hannover in sein Studio, nur damit er für sie am Mischpult neue Sounds komponiert, ins Ohr gehende Rhythmen mixt. Mousse T., der Hitgarant: Sein Remix von Tom Jones’ „Sexbomb“ schlug auf dem Musikmarkt ein. Über 20 Millionen Mal verkaufte sich das Lied. Seinen Durchbruch als Solokünstler erlebte der 40-Jährige 1998 mit seiner Single „Horny“. Im gleichen Jahr wurde er auch als bester Remixer in den USA für den Grammy nominiert — als erster Europäer überhaupt. Mit 13 lernte der Sohn eines türkischen Arztes sein erstes Instrument: Heimorgel — weil das cooler war als Klavier. Später entdeckte er als DJ die elektronischen Beats für sich. Der Aufstieg auf dem Dancefloor konnte beginnen. „Ich brauche Künstler, die mich inspirieren, mich in eine Richtung lenken, die ich selbst normalerweise nicht einschlagen würde“, sagt Mousse T. über seine Suche nach Sounds. Heute ist er unterwegs zu Videodrehs in Los Angeles, reist zu Studios in New York und legt in Clubs auf Mykonos auf. Der „Weltbürger“ – Mousse T. über Mousse T. – ist seiner Heimat aber treu geblieben. Mit seiner Hannoveraner Hitschmiede, dem Label „Peppermint Jam Records“, ist er längst ein erfolgreicher Unternehmer im Musikgeschäft. www.mousse-t.de
REGINA ZIEGLER, FILMPRODUZENTIN
Sie war für den Academy Award und den Golden Globe nominiert, bekam den Goldenen Löwen von Venedig und den Adolf-Grimme-Preis für ihr Lebenswerk, das Museum of Modern Art ehrte sie mit einer Retrospektive: Regina Ziegler ist Deutschlands erfolgreichste Film- und Fernsehproduzentin. Die Liste ihrer preisgekrönten Filme ist lang, ihre Produktionen erreichen ein Millionenpublikum. Annähernd 400 Kino- und Fernsehfilme, Serien und Dokumentationen hat die 63-Jährige produziert, seit sie 1973 ihre Firma Ziegler Film gründete. Sie inszenierte eine Karriere in Eigenregie und führt heute eines der größten selbstständigen Produktionshäuser in Deutschland: mit Standorten in Berlin, Köln und München, zweistelligen Millionenumsätzen und 28 Mitarbeitern. Ziegler ist längst eine „Marke“ im Filmgeschäft und hat sich mit ihrem Optimismus und Mut zum Risiko in einer Männerdomäne behauptet. Ein Aufstieg, getreu ihrem Motto „Wenn ich durch die Wüste gehe, will ich auch Spuren hinterlassen“. Kunst und Kommerz sind für sie kein Widerspruch. „Film ist für mich eine Mischung von Kultur und Wirtschaft“, sagt Ziegler. Sie gilt als hartnäckige und impulsive Macherin mit Vorliebe für die Farbe Rot. Fragt sich nur, ob sie ihren Spürsinn für ansprechende Drehbücher, überzeugende Schauspieler und Regisseure von ihrem Vater geerbt hat. Der hat nämlich mit der Wünschelrute nach Wasseradern gesucht. www.ziegler-film.com
BENEDIKT TASCHEN, VERLEGER
Der Fotograf Helmut Newton nannte ihn „einen Verrückten“, er selbst bezeichnet sich als „Perfektionisten“. Sein Credo: das Beste aus dem zu machen, womit er gerade beschäftigt ist. Und beschäftigt ist der Verleger Benedikt Taschen bestens. Mit seinem Verlag, mit dem er in Köln in einer Gründerzeitvilla residiert, hat der 47-Jährige den internationalen Buchmarkt aufgewirbelt. Hohe Auflagen, kleine Preise – mit diesem Erfolgsrezept machte Taschen Kunstbücher international populär und preislich erschwinglich. Pro Jahr verkauft er fast 20 Millionen Kunstbücher, hat eigene Geschäfte in Paris, Los Angeles und Berlin. Weltweit, so Taschen, geht alle zwei Sekunden eines seiner Bücher über den Ladentisch. Sein erster Kunstband, ein Magritte-Buch, fand 1984 reißenden Absatz. Die Geschäftsidee für seinen Verlag war geboren. Dessen Angebot ist heute so schillernd wie sein Gründer: Taschen hat erotische Fotografie verlegt und die Luther-Bibel, einen 34 Kilogramm schweren Bildband über die Boxlegende Muhammad Ali und einen gewichtigen Prachtband über Helmut Newton. Für Taschen sind Bücher nicht einfach nur Bücher. „Sie sind wie Wasser, absolut lebensnotwendig.“ Ähnlich ergeht es ihm mit Kunst. Sie ist Energie, die ihn auflädt wie eine Batterie. www.taschen.com
JUDY LYBKE, GALERIST
Museen wie das MoMA in New York zeigen Ausstellungen seiner Künstlerinnen und Künstler, US-Sammler nehmen lange Wartezeiten und Höchstpreise in Kauf für Bilder seiner Maler: Gerd Harry Lybke haben sein Geschäftssinn und sein Vermarktungsgeschick in der Kunstwelt zu Deutschlands erfolgreichstem Galeristen gemacht. Der umtriebige Mittvierziger, von Freunden Judy genannt, wirkt als der Mann hinter den Kulissen der weltweit erfolgreichen „Leipziger Schule“. Ihr berühmtester Vertreter, Neo Rauch, wurde von Lybke entdeckt. Eine abenteuerliche Kunstgeschichte: Zu DDR-Zeiten schlägt Lybke sich als Aktmodell durch, unternimmt erste Gehversuche als Galerist – in seiner Leipziger Wohnung. Heute ist die Galerie Eigen + Art in Leipzig und Berlin sein künstlerisches Gravitationszentrum. Von dort aus vermittelt er seine Künstler für große Schauen, hierher kommen Sammler und Kuratoren aus aller Welt. www.eigen-art.com
JETTE JOOP, GESTALTERIN
Ihr Talent treibt sie an. „Ich muss kreieren, sonst bin ich nicht glücklich“, sagt Jette Joop über ihren Schaffensdrang. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt in ihrem Design: Sie entwirft Kleidung, Schmuck und Parfüm, gestaltet Taschen, Schuhe, Duschzubehör und Bettwäsche. Sogar ganze Häuser, vom Grundriss bis zum Baddekor, hat die 39-Jährige mit ihren Designideen bereits verwirklicht. Schon als Kind spielte sie mit Stecknadeln und Knöpfen, bastelte, malte und formte voluminöse Figuren. Ein kreativer Dickkopf sei sie in jungen Jahren gewesen, sagt der Vater, der bekannte Modemacher Wolfgang Joop, über seine Tochter. Die ging mit 17 Jahren nach Oxford, machte dort Abitur, studierte in Kalifornien Industriedesign und arbeitete in New York als Designerin bei Ralph Lauren und dem Nobel-Schmuckdesigner Barry Kieselstein-Cord. „Disziplin ist wichtig, damit Dinge funktionieren“, sagt Jette Joop. Aus eigener Kraft hat sie sich und ihre Kollektionen mit viel Fleiß weiterentwickelt. Längst ist die Multi-Modeunternehmerin mit Firma in Hamburg eine eigene Marke am Markt — zeigt Geschick fürs Gestalten, Vermarkten und Modeln. Denn häufig ist die attraktive und groß gewachsene Blonde Werbeträgerin ihrer eigenen Produkte. Etwas Glamour darf sein. Dennoch sieht sie sich nicht als Jetset-Typ. Sie sagt, sie sei ernsthaft, begreife den Sinn des Lebens im Lernen und Weitergeben von Wissen. Als Professorin für Industriedesign und Kinderbotschafterin des Roten Kreuzes hat sie auch hier ihr Talent schon bewiesen. www.jette.eu
CHRIS BANGLE, DESIGNER
Seine Sprache ist die der makellosen Formen und perfekten Linien. Chris Bangle ist Chefdesigner bei BMW – Kreativmotor des drittgrößten deutschen Autobauers. Ob Limousine, Sportcoupé, Kompakt- oder Geländewagen: Bangles Gespür für Formen und den Geschmack der Kunden bestimmen den Erfolg des Automobilkonzerns mit fast 50 Milliarden Euro Umsatz 2006. Die Ideen und Arbeitsweisen des Künstlers der Karosserie, oft eigenwillig und unorthodox, geben der bayerischen Marke ihr unverwechselbares Image. Dieses prägt der 50-jährige Amerikaner bei BMW seit 1992. Für Bangle ist Autodesign ein Spiel von Millimetern, ein schmaler Grat zwischen Vernunft und Schönheit. Diesen meistert er mit Pragmatismus, Leidenschaft und auf der Erfolgsspur, wie der begehrte Red Dot Award für Bangle und BMW als „Designteam des Jahres“ 2007 zeigt. www.bmw.de
RALPH DOMMERMUTH, INTERNET-MANAGER
Wie erfolgreich jemand mit Briefkästen sein kann, beweist Ralph Dommermuth. Er betreibt wohl eines der größten virtuellen Postämter, Millionen deutscher E-Mail-Postfächer gehören seiner Firma. Dommermuth ist Deutschlands Mister Internet. Mit seinem börsennotierten Unternehmen United Internet im beschaulichen Montabaur bietet der gelernte Banker Anfang 40 mehrere E-Mail-Dienste an, vertreibt schnelle Internetanschlüsse oder lagert Webseiten auf leistungsstarken Rechnern. Seine Kunden lieben das Surfen, Dommermuth das Segeln. Als Hauptsponsor unterstützte er 2007 das erste deutsche Team in der Geschichte des America’s Cup. www.united-internet.de













