Der Bürgerkrieg im westafrikanischen Sierra Leone gilt als einer der grausamsten der vergangenen Jahrzehnte. Mehr als zehn Jahre, von 1991 bis 2002, dauerte der teils mit unerbittlicher Brutalität geführte Konflikt, bei dem mindestens 50.000 Menschen getötet und mit mehr als zwei Millionen Menschen rund ein Drittel der Bevölkerung des Landes vertrieben wurden. Der Krieg hinterließ ein wirtschaftlich und sozial verwüstetes Land, das mit internationaler Unterstützung langsam wieder auf den Weg zur Normalität zurückgefunden hat. Nach dem Abzug der Friedensmission der Vereinten Nationen haben Armee und Polizei wieder die Verantwortung für die Sicherheit übernommen. Mehr als 70.000 Kämpfer der verschiedenen Bürgerkriegsparteien wurden entwaffnet und mehr als 50.000 von ihnen haben Ausbildungs- und Reintegrationsprogramme durchlaufen.
Unterstützung für den Versöhnungsprozesse und Friedensaufbau in Sierra Leone – aber nicht nur dort – kommt auch aus Deutschland. Zum Beispiel mithilfe des vom Auswärtigen Amt geförderten Programms „zivik“ (zivile Konfliktbearbeitung) des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa). „zivik“ fördert seit 2001 internationale Friedensprojekte von Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Krisenregionen, berät zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure bei friedensstiftenden Maßnahmen. Das Programm ist eine praxisorientierte Initiative, mit der sich Deutschland über sein multilaterales Engagement für die VN, die EU und die OSZE hinaus international für zivile Konfliktprävention einsetzt und neben weiteren Maßnahmen dazu beiträgt, den deutschen Aktionsplan „Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ umzusetzen. „zivik hat das Ziel, zivile Kräfte in Krisenregionen zu stärken und unterstützt Projekte, die sich um die Aufarbeitung und Nachsorge von Konflikten kümmern“, erklärt Peter Mares, Leiter des Förderprogramms am ifa. 2009 liegt das „zivik“-Gesamtbudget bei 6,6 Millionen – ein Anstieg von fast zwei Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Dass „zivik“ sehr international ausgerichtet ist, verdeutlichen die ausgewählten Projekte: Zweidrittel stammen von NGOs, die nicht aus Deutschland kommen. Und auch die Bandbreite der Organisationen ist groß, erläutert Mares: „Wir fördern sowohl kleine, ehrenamtliche Vereine als auch große, weltweit tätige NGOs.“
In Sierra Leone setzt sich etwa der Berliner Verein „Kinderhilfswerk Sierra Leone“ im Rahmen des „zivik“-Programms seit vier Jahren für Friedenserziehung in Sierra Leone ein und hat im Distrikt Pujehun im Süden des Landes ein Bildungszentrum mit Bibliothek aufgebaut. Hier engagiert sich der Verein vor allem mit Seminaren zur friedlichen Lösung von Konflikten, bildet Erwachsene und Jugendliche zu Schiedsleuten und Konfliktmanagern aus und klärt die Bevölkerung in der ländlichen Region über Menschenrechte und gute Regierungsführung auf. Zusammen mit einer lokalen NGO organisierte der Verein zum Beispiel ein Pilotprojekt zur Ausbildung von „Peace Monitoren“ oder die Schlichtung von lokalen Streitigkeiten in so genannten „Grievance Committees“. Dabei versuchen Konfliktparteien gemeinsam mit Moderatoren ihren Streitfall außergerichtlich zu klären. Zwei benachbarte Dörfer, die lange um die Nutzungsrechte um ein Stück Land stritten, konnten so ihren Streit beilegen.
Die Arbeit des „Kinderhilfswerks Sierra Leone“ ist eines von derzeit 60 Projekten weltweit, die das „zivik“-Programm fördert. Die regionalen Schwerpunkte liegen in Afrika, Zentral- und Südostasien, im Nahen Osten, im Kaukasus und in Lateinamerika. Die Projekte beschäftigen sich mit Vergangenheitsaufarbeitung, der Qualifizierung von Multiplikatoren, dem Schutz für Friedensakteure, der Dialogförderung und Friedensjournalismus. In Kolumbien etwa unterstützt „zivik“ eine Stiftung bei der Aufarbeitung und Versöhnungsarbeit zwischen dem kolumbianischen Staat, den Guerillas und den paramilitärischen Gruppen. In Afghanistan fördert „zivik“ die deutsche NGO „medica mondiale“ bei der Aus- und Fortbildung von Sozialarbeiterinnen und Ärztinnen, die mit kriegstraumatisierten Frauen arbeiten. In Israel erhielt das Givat Haviva Institute for Advanced Studies Unterstützung für sein Projekt mit israelischen und arabischen Jugendlichen. In der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien wurden lokale Radio- und Fernsehsendungen für interethnische Toleranz und Verständigung gefördert.
Das „zivik“-Programm leistet damit einen wesentlichen Beitrag, den seit 2004 bestehenden Aktionsplan der Bundesregierung „Zivile Krisenprävention, Konfliktlösung und Friedenskonsolidierung“ umzusetzen, der zivile Krisenprävention und friedliche Konfliktregelung als zentralen und unverzichtbaren Bestandteil deutscher Friedenspolitik definiert. Deutschland hat im Zuge der weltweit wachsenden Bedeutung gewaltloser Krisenprävention auch auf nationaler Ebene eine Reihe von Instrumenten und Strategien entwickelt, die zivile Konfliktbearbeitung zunehmend als eine Querschnittsaufgabe aus den Bereichen Humanitäre Hilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Menschenrechtsarbeit verstehen, und sich in dem Aktionsplan als Gesamtkonzept wiederfinden. Neben dem „zivik“-Programm gehören dazu auch der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit unterstützte Zivile Friedendienst (ZFD), die Deutsche Stiftung Friedensforschung, das Zentrum für internationale Friedenseinsätze (ZIF) und die Arbeitsgemeinschaft Entwicklungspolitische Friedensarbeit (FriEnt), zu der sich sieben staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen der entwicklungspolitischen Friedensarbeit zusammengeschlossen haben














