Dunja Hayali, TV-Moderatorin
Die Fernsehzuschauer in Deutschland kennen sie: Dunja Hayali moderiert für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) drei Sendungen, darunter die sehr populären täglichen Nachrichten „heute-journal“. Vor kurzem hat sie sich dem Einbürgerungstest gestellt, den bestehen muss, wer einen deutschen Pass möchte. Dabei ist die Nachrichtenmoderatorin längst Deutsche. Aber für ein TV-Quiz hat sie - zusammen mit anderen Prominenten - öffentlich Fragen zu Politik und Gesellschaft beantwortet. Was die Tochter irakischer Eltern vom Einbürgerungstest hält? „Es gibt wichtigere Dinge, als zu wissen, wer der erste Bundeskanzler war“. Für die 1974 im Ruhrgebiet geborene Moderatorin habe der „Migrationshintergrund“ nie eine Rolle gespielt. Das Wort findet sie ohnehin merkwürdig, aber ein besseres ist ihr auch noch nicht eingefallen. „Ohne wenn und aber“ fühlt sie sich integriert. „Deutschland ist Heimat“.
Cholud Kassem, Künstlerin
Ihre Bilder berühren: „Meine Bilder sprechen Ängste an, sollen diese aber auch zugleich bannen.“ 1956 in Bagdad geboren, kam Cholud Kassem mit ihrer Familie nach Deutschland. Die Kindheit war schwer, die Eltern trennten sich und für Cholud begann eine Odyssee durch deutsche Kinderheime. Sie lernte Zahnarzthelferin, studierte später Kunsterziehung. Heute lebt sie in Heidelberg und kann von Malunterricht und dem Verkauf ihrer Werke leben. „Mit viel Disziplin und dank der großartigen Unterstützung von vielen Menschen habe ich es geschafft.“ Sie, die nie wieder im Irak gewesen ist, fühlt sich in Deutschland zu Hause. Und dennoch mit dem Irak sehr verbunden.
Emir Ben Naoua, Therapeut und Moderator
Er sieht sich als Deutscher mit tunesischen Wurzeln. Emir Ben Naoua, geboren 1973. Als Kind förderten ihn die deutschen Nachbarn. „Ein Schlüsselfaktor, warum ich mich in Deutschland so heimisch fühle“, sagt er heute. Aber auch unterschwellige Diskriminierung hat er durchaus erfahren. Das Thema Integration beschäftigt ihn auch professionell bei seinem Job als Radiomoderator für die Redaktion „SWR International“ des Südwestrundfunks und als Coach in Sachen „Interkulturelle Kompetenz“. Außerdem leitet Ben Naoua eine eigene psychotherapeutische Praxis in Stuttgart.
Bassant Helmi, Wirtschaftsexpertin
Seit acht Jahren lebt die Ägypterin in Berlin und die Frage der Integration stelle sich ihr gar nicht, sagt sie: „Ich habe hier viele Freunde – Deutsche und Ägypter – und meine Arbeit macht mir viel Spaß.“ Schließlich ist die 36-Jährige mit der deutschen Kultur auch bestens vertraut: Sie besuchte in Kairo die Deutsche Schule der Boromäerinnen, lernte Deutschland schon während eines Schüleraustausch in Bielefeld kennen. Mit ihrem deutschen Mann kam sie nach Berlin und baute hier das Verbindungsbüro der Kairoer Kammer auf. Es entwickelt Projekte, die ägyptischen Unternehmen den Export nach Deutschland erleichtern. Mit deutschen Kolleginnen gründete sie zudem den Verein „Global Project Partners“, der unter anderem drei Unternehmerinnenverbände in Ägypten unterstützt. Was wünscht sich Bassant Helmi für die Zukunft? Dass ihre acht Monate alte Tochter „ganz selbstverständlich und glücklich in zwei Kulturen aufwächst.“
Abdellah Niati, Ingenieur
Sehr gute Autos und große Verlässlichkeit – das war es, was der Marokkaner Abdellah Niati lange mit Deutschland assoziierte. Das Studium der Fahrzeugtechnologie führte ihn nach Karlsruhe, nach dem Abschluss blieb er, denn er bekam sofort seinen ersten Job als Entwicklungsingenieur bei der Firma Michelin in Hessen. Ein paar Jahre später wechselte Abdellah Niati zu Bosch nach Südwestdeutschland, wo er neue Antriebsmotoren für die Sitzverstellung von Autos austüftelte. Hier ist der 36-jährige verheiratete Vater eines Sohnes bis heute beschäftigt. Er sagt: „Deutschland ist ein Land, in dem die Leistung des Einzelnen im Vordergrund steht, unabhängig von der Herkunft und Hautfarbe.“ Besonders hoch schätzt er die Meinungsfreiheit.
Viviane Kirchner, Ärztin
Ihre erste Erinnerung an Deutschland ist die steif gefrorene Wäsche, die ihre Mutter als Eisplatten von der Leine sammelte. Als 10-Jährige kam die Tochter eines Palästinensers und einer Syrerin mit ihren Eltern nach Deutschland. Von den Nachbarkindern lernte sie die ersten deutschen Worte. „Danke“, „bitte“ und „ach so“. Und Viviane hatte eine engagierte Klassenlehrerin, die ihr in den Pausen Kinderbücher vorlas, um ihr so beim Deutschlernen zu helfen. Mit Fleiß und Ehrgeiz schaffte das Mädchen dann sogar den Sprung von der Hauptschule in die Realschule, aufs Gymnasium und zur Medizinischen Hochschule Hannover. Heute lebt die 34 Jahre alte Ärztin mit ihrem deutschen Ehemann und zwei Kindern in Berlin und hat die deutsche Staatsangehörigkeit.
Gharam Hannaoui, Stadtteilmutter
Die 52-Jährige gebürtige Libanesin Gharam Hannaoui hat einen ungewöhnlichen Beruf: Sie ist Stadtteilmutter im Berliner Bezirk Neukölln. Die inzwischen preisgekrönte Idee stammt aus Skandinavien, aber in Berlin hat sich daraus ein eigenes sehr, erfolgreiches Projekt entwickelt, das wiederum in anderen Ländern Nachahmer findet: Bei den „Stadtteilmüttern“ werden Migrantinnen in einem halbjährigen Kurs geschult, um dann Einwandererfamilien zu Fragen rund um Gesundheit, Bildung und Recht zu beraten. „Ich bin dadurch selbstbewusster und selbstständiger geworden, verdiene mein Geld, habe gut Deutsch gelernt und fühle mich voll integriert“, sagt Gharam Hannaoui. In Neukölln wird die Muslimin mit Kopftuch oft auf die „harten Fälle“ angesetzt, etwa wenn Migranten ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Dann leistet sie mit Fingerspitzengefühl Überzeugungsarbeit bei den Familienoberhäuptern, sich stärker in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.














