Beim Stichwort Neukölln fällt den meisten Deutschen vor allem ein Stichwort ein: Problemviertel. Ein ganz anderes Bild des Berliner Bezirks nahm dagegen eine Expertengruppe des Europarates mit nach Hause, nachdem sie im Sommer 2008 drei Tage lang das Stadtquartier besucht hatte. In Gesprächen mit politischen und Verwaltungsvertretern sowie mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern und bei Besuchen verschiedener Projekte erfuhren sie von den zahlreichen Aktivitäten, die in Neukölln heute schon die interkulturelle Vielfalt fördern. Am Ende der Visite zeigte sich nicht nur Europarat-Experte Phil Wood begeistert: „Neukölln ist der Blick in die Zukunft vieler Städte in Europa und der ganzen Welt, die von Migration geprägt sein werden. Die Interkulturalität, die hier bereits Normalität ist, wird in einigen Jahren die Realität vieler Städte sein.“ Das Ergebnis: Als einzige deutsche Kommune nimmt der Bezirk Neukölln gemeinsam mit neun anderen europäischen Städten von 2008 bis 2009 als Pilotpartner an dem Projekt „Intercultural Cities“ teil. Initiatoren sind der Europarat und die Europäische Kommission. Ziel des EU-Programms ist es, ein Netzwerk aus Städten aufzubauen, die alle einen hohen Migrantenanteil in ihrer Bevölkerung haben. Im Austausch sollen die Stadtverwaltungen voneinander lernen, ihre kulturelle Vielfalt positiv zu nutzen. Neben Neukölln wurde der Titel „Intercultural City“ an Lyon (Frankreich), Greenwich (Großbritannien), Reggio Emilia (Italien), Neuchatel (Schweiz), Lublin (Polen), Subotica (Serbien), Melitopol (Ukraine), Izhevsk (Russland) und Patras (Griechenland) verliehen.
Bis Ende 2009 wird Neukölln gemeinsam mit seinen europäischen Partnern und mit Unterstützung des Europarates eine Strategie für die interkulturelle Stadt Neukölln erarbeiten. In diesen Prozess einbezogen sind neben den Verantwortlichen der Neuköllner Bezirksverwaltung auch Nichtregierungsorganisationen und Vertreter der Zivilgesellschaft. Als Themenbereiche, sogenannte Module, ausgewählt wurden unter anderem die interkulturelle Jugend- und Bildungsarbeit, Kultur als integrativer Faktor, ethnische Ökonomie, die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und bürgerschaftliches Engagement.














