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Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

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Vom Miteinander der Kulturen

Integrationsprojekte: Mitten aus dem Leben

Sie unterstützen Kinder von Migranten, fördern die Integration oder den kulturellen Austausch: Zahlreiche Projekte und Initiativen machen sich für das Zusammenleben von Migranten und Deutschen stark

Von Rainer Stumpf

Interkulturelle Begegnung gibt es an vielen Orten in Deutschland. Bei Nachbarschafts- und Stadtteilfesten, auf Sportplätzen, in Jugendzentren, am Arbeitsplatz, in Schulen und Kindergärten. Trotzdem wird immer wieder deutlich: Begegnung allein schafft noch kein Miteinander. Darum engagieren sich viele Menschen und Institutionen deutschlandweit für das interkulturelle Zusammenleben. Sie sind die Wegbereiter für ein besseres gegenseitiges Verständnis und stärken so das „Wir-Gefühl“ im Alltag.

Wie viele Projekte und Initiativen es landesweit gibt, weiß niemand genau. Nur eines ist sicher: Ihre Zahl geht in die Tausende. Ein Beispiel ist die Hamburger Körber-Stiftung. Seit 1999 zeichnet sie Projekte, die in vorbildlicher Weise Brücken zwischen Hamburgerinnen und Hamburgern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte schlagen, mit der Hamburger Tulpe aus. Der Preisträger 2008 heißt „Switch“ und bringt Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen auf ungewöhnliche Art zusammen. Den Namen der Tulpe trägt die Auszeichnung nicht ohne Grund. Die Namensgeberin wurde gewählt, weil sie „selbst dem Ursprung nach eine Migrantin und perfekt integriert ist“, wie es bei der Stiftung heißt. Die ersten Tulpenzwiebeln kamen vor rund 450 Jahren im Gepäck eines europäischen Gesandten aus dem Osmanischen Reich nach West­europa.

Fast 600 Kilometer weiter südlich zeigt sich interkultureller Gemeinsinn auf ganz andere Weise. Mit 65000 Zuwande­rern besitzt die 327000-Einwohner-Stadt Mannheim einen der höchsten Ausländeranteile in Deutschland. Seit Jahrzehnten zählt sie zu den Vorbild-Kommunen, wenn es um das Miteinander von Deutschen und Migranten geht. Deutschlandweit bekannt ist sogar das Schlagwort von Mannheimer Modell. Eine der herausragendsten Initiativen ist das Institut für deutsch-türkische Integrationsstudien. Es ist 1995 im Verlauf der Auseinandersetzungen um einen Moschee-Neubau entstanden. In dieser Zeit wurde allen Beteiligten klar, dass man eine Brücke braucht zwischen der christlichen und der muslimischen Gesellschaft. Um Vorurteile auf beiden Seiten abzubauen und Verständnis füreinander und Wissen übereinander aufzubauen. Das Institut arbeitet gemeinsam mit kommunalen Organisationen, Schulen, Moscheegemeinden und Kirchen für die interkulturelle und ­interreligiöse Kommunikation und Sen­sibilisierung der Aufnahmegesellschaft und der Migranten. Heute ist die Moschee längst kein Streitfall mehr – im Gegenteil: Beide Seiten entwickelten das Konzept der offenen Moschee. Rund 250000 Besucherinnen und Besucher wurden inzwischen durch die vormals umstrittene Yavuz-­Sultan-Selim-Moschee geführt.


8 Projekte und Initiativen für Integration in Deutschland

Deutsch lernen im Restaurant

120 Menschen aus 33 Ländern arbeiten jeden Tag in den sieben Restaurants der Hamburger Oktober-­Kette. Sie bedienen die Gäste, kochen oder schenken aus. Verständigungsprobleme gibt’s auch beim größten Andrang nicht: Geschäftssprache ist Deutsch. Darauf legt Inhaber Ömer Merdin größten Wert. Mit 19 Jahren ist er selbst aus der Türkei nach Deutschland gekommen und weiß, wie wichtig es ist, Deutsch zu sprechen. Darum finanziert er seinen Angestellten regelmäßig Sprachkurse, wenn ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichend sind. „Ich will Chancengleichheit für alle schaffen“, sagt Merdin. So viel Engagement wurde 2008 mit dem ersten Preis beim bundesweiten Wettbewerb „Kulturelle Vielfalt als Chance“ belohnt. Sogar ein eigenes Qualifizierungsangebot für seine Beschäftigten hat sich der Gastronom ausgedacht. Mitarbeiter ohne Berufsabschluss können sich in seinen Restaurants zur Fachkraft im Gastgewerbe im ­Bereich Service und Küche qualifizieren.
www.vielfalt-als-chance.de

Mütter für einen ­Stadtteil

Schwarze Kleidung, roter Schal, bunte Umhängetasche: In den Berliner Stadtbezirken Neukölln, Kreuzberg und Steglitz kennt fast jeder die Frauen in diesem Outfit. Bei manchem dürften sie sogar schon auf dem heimischen Sofa gesessen haben. Es sind „Stadtteilmütter“, Migrantinnen aus meist türkischen oder arabischen Familien in besonderer Mission. Sie geben anderen Zuwanderern Antworten auf Alltagsfragen. Bei Problemen in zehn Themenbereichen, von ­Gesundheit bis zu Bildung, beraten die „Stadtteilmütter“. 2006 startete der ­Bezirk Neukölln das Projekt, rund 180 Frauen sind bereits in den drei Berliner Bezirken unterwegs. Die Erwartungen haben sich erfüllt. Denn viele Familien, in die die engagierten Migrantinnen ohne Sprachbarriere Zugang haben, hätte ein deutscher Sozialarbeiter nie erreicht.
www.berlin.de

Weltreise in Hamburg

Menschen aus über 180 Nationen leben in Hamburg. Was für eine Chance speziell für Kinder, einmal die Lebensweise in Familien aus anderen Herkunftsländern kennenzulernen. Das erkannten die ­Träger der Kulturbrücke Hamburg und entwickelten ein ungewöhnliches Programm: „Switch“, ein internationaler Familientausch für Kinder zwischen neun und 14 Jahren in einer einzigen Stadt. Die Mädchen und Jungen verbringen in Vierergruppen jeweils einen Tag in Gastfamilien und sind gemeinsam mit ihren Eltern Gastgeber für den Rest der Gruppe. So wird jede Familie zum Botschafter des eigenen Heimatlandes. Einzige Bedingung: die teilnehmenden Kinder müssen Deutsch sprechen.
www.switchhamburg.de

Start frei für die Zukunft

Eine akademische Laufbahn ist unter den Kindern von Einwanderern noch eher eine Ausnahme. Dies zu ändern hat sich die Hertie-Stiftung mit ihrem Start-Programm zur Aufgabe gemacht. 2002 wurden erstmals Schüler aus Zuwandererfamilien auf ihrem Weg zum Abitur mit einem Stipendium unterstützt. Mit 20 Stipendiaten ging das Programm im Bundesland Hessen an den Start – inzwischen werden bundesweit jährlich 500 Schülerinnen und Schüler aus über 60 Herkunftsländern gefördert. Als Unterstützung erhalten die Stipendiaten unter anderem ein monatliches Bildungsgeld in Höhe von 100 Euro, ein Notebook mitsamt Internetanschluss sowie die Möglichkeit, an Seminaren und Workshops teilzunehmen. Jährlich bekommen sie zudem Fördermittel in einer Höhe von bis zu 700 Euro. Geld, das für Sprachkurse, Nachhilfe oder für Bildungsseminare ausgegeben werden muss.
www.start-stiftung.de

Partnerschaft der Kulturen

Im September 2006 haben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der damalige türkische Außenminister Abdullah Gül die Ernst-Reuter-Initiative (ERI) in Istanbul ins Leben gerufen. Das gemeinsame Ziel lautete damals, zusammen mit Partnern aus ­Wirtschaft und Medien, Kunst und Kultur, Bildung und Wissenschaft die deutsch-türkische Zusammenarbeit zu stärken und den interkulturellen Dialog zwischen beiden Ländern zu intensivieren. Heute, Ende 2008, tragen bereits 16 Projekte das magentafarbene Logo mit den sechs Händen. Die Ernst-Reuter-Initia­tive unterstützt unter anderem den Deutsch-Unterricht von türkischen Imamen, die nach Deutschland ent­sendet werden, und das „Junge deutsch-türkische Philharmonieorchester“ (Foto). Ein Meilenstein in den bilateralen Wissenschaftsbeziehungen nimmt unter dem Dach der Ernst-Reuter-Initiative zurzeit Formen an: die Gründung der ersten Deutsch-Türkischen ­Universität in Istanbul.
www.ernst-reuter-initiative.de

Kicken für den Frieden

Sein Engagement reicht bis in die Haarspitzen: Für seinen Friedenscup hat sich Volkan Inak sogar ein Peace-Zeichen ins Haar frisieren lassen. Am 11. September 2001, dem Tag des Anschlags auf das World Trade Center in New York, trafen sich in seiner Heimatstadt Wedel Christen und Muslime spontan zum gemeinsamen Gebet. Der damals 12-Jährige war beeindruckt und beschloss, selbst etwas für das friedliche Miteinander der Menschen zu unternehmen. Ein Benefizfußballturnier sollte es sein – der Wedeler Friedenscup war geboren. Über die Leidenschaft für den Fußball bringt Volkan Jugendliche aus vielen Ländern und mit unterschiedlichen Religionen zusammen. Heute reisen jährlich rund 100 Mädchen und Jungen im Alter von zwölf bis 16 Jahren aus Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen zu diesem integrativen Sport-Ereignis an.
www.wedel.de

Zukunft mit Patin

Weniger als die Hälfte aller jungen Mi­grantinnen beginnt in Deutschland eine Berufsausbildung. Ein Problem, das die Verantwortlichen im Kreis Mettmann 2006 nicht mehr länger hingenommen haben. Sie entwickelten „ProMMi – Pro(jekt) Mädchen mit Migrationshintergrund in Ausbildung!“. Ziel ist es, die ­berufliche Integration von Mädchen aus Zuwandererfamilien und mit islamischer Religionszugehörigkeit in der Region zu fördern. Gemeinsam mit Hauptschulen und Unternehmen spricht die Kreisverwaltung gezielt Mädchen der 8. Klasse an, um sie bei der Berufswahl zu unterstützen und zu begleiten. Außergewöhnlich dabei ist die Idee einer Patin. Frauen mit Migrationshintergrund und einer ­Berufsausbildung stellen sich ehrenamtlich zur Beratung und Begleitung für „ProMMi“-Teilnehmerinnen zur Verfügung. Als Vorbild und berufliche Be­raterin zugleich.
www.prommi.info

Region der Kulturen

Was die Organisatoren der Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010 planen, klingt spektakulär. Sie wollen aus der Gemeinschaft von 53 Städten im westdeutschen Ruhrgebiet, dem drittgrößten europäischen Ballungsraum, eine Metropole neuen Stils bilden. Ein Schwerpunkt des RUHR.2010-Programms ist das Thema Migration. Kein Wunder – von fünf Millionen Einwohnern der Region sind 600000 Zuwanderer. Wie hat sich dieser ­internationale Schmelztiegel entwickelt? Welche Probleme und Herausforderungen sind zu meistern? Antworten soll unter anderem das interkulturelle Festival Melez geben, das Kunst, Humor und Sprache der im Ruhrgebiet lebenden Nationalitäten zeigt (Foto). Ambitioniertestes Projekt ist ein neues kreatives Netzwerk in Europa: TWINS2010. Ruhrgebietskünstler können sich mit Kreativen aus rund 200 europäischen Partnerstädten des Ruhrgebiets mit Ideen bewerben.
www.kulturhauptstadt-europas.de

20.11.2008
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