Mittwoch, 23.05.2012 10:51

Aktuell

Reise durch die Musik und Kultur Afrikas

Afrikanische Lebensfreude erleben: Musikstars von den Kapverdischen Inseln und aus dem Senegal stehen in diesem Jahr im...weiter

© Thomas Dorn

Nachrichten

Staatsminister Link trifft neuen französischen Europaminister Cazeneuve

Staatsminister Michael Link empfängt am heutigen Montag, 21.05., den neuen französischen Europaminister Bernard...weiter

Gelähmte Frau steuert DLR-Roboterarm mit ihren Gedanken

Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

Schriftstellerin Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2012 an die...weiter

Aktuell

Deutschland

Neuer Umweltminister  

Wirtschaft

Weltbank blickt besorgt auf gebremstes Wachstum Chinas  

Kultur

Die Globalisierung der Schönheit  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Unerhörte Geschichten: Buchkinder e. V.  

Wieder zuhause: „re-turn“ (21.05.2012)  

„Moorsoldaten“ – die Gedenkstätte Esterwegen  

Bookmarks
| |

Staatsministerin Böhmer im Interview

„Integration bleibt eine Schlüsselaufgabe“

Staatsministerin Maria Böhmer, Beauftragte der Bundesregierung für Integration, im Gespräch über Migration als gesellschaftliche Herausforderung

Frau Staatsministerin, Sie haben 2008 zum Integrationsjahr ausgerufen. Was bedeutet das konkret?

Dieses Jahr ist das Jahr der Umsetzung des Nationalen Integrationsplans, den wir im vergangenen Jahr erarbeitet haben. Damit haben wir es geschafft, dass erstmals in der Geschichte unseres Landes alle, die an der Integration mitwirken, zusammenarbeiten. Die rund 400 Maßnahmen und Selbstverpflichtungen werden die Integration der 15 Millionen Menschen aus Zuwandererfamilien in ­unsere Gesellschaft entscheidend verbessern, denn jetzt wird konkret gehandelt. Über die Einzelmaßnahmen hinaus haben wir mit dem Nationalen Integrationsplan schon jetzt ein sehr wichtiges übergreifendes Ziel erreicht: Integration ist zum zentralen Thema in nahezu allen Bereichen von Politik und Gesellschaft geworden. Auch deshalb sage ich: 2008 ist das Jahr der Integration.

Im Juli 2007 hat Bundeskanzlerin Angela Merkel erstmals den Nationalen Integrationsplan vorgestellt – was sind die wichtigsten Ziele? Und: Hätte man nicht bereits vor Jahrzehnten einen solchen Plan entwickeln müssen?

Das wichtigste Ziel des Nationalen Integrationsplans ist, allen Menschen in unserem Land, unabhängig von der Herkunft, die gleichen Lebenschancen zu eröffnen. Dazu müssen wir vor allem die Sprachförderung, die Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation verbessern – und diese Chancen müssen auch genutzt werden. Aber auch die Schaffung eines lebenswerten Umfeldes für alle – Stichwort: Integration vor Ort –, die Durchsetzung der Rechte von Frauen und Mädchen, die Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und die Einbindung der Medien in den Integrationsprozess sind von zentraler Bedeutung. Natürlich hätten all diese Maßnahmen auch schon früher getroffen werden können, dann hätten wir viele Probleme heute nicht. Genau deshalb hat diese Bundesregierung ja umgesteuert und sich zum Ziel gesetzt, Deutschland zum Integrationsland zu machen.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Stand der Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland – auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern?

Viele Migrantinnen und Migranten sind gut integriert, erfolgreich als Arbeitnehmer, Unternehmer, Akademiker und Freiberufler. Wir alle kennen und bewundern Künstler, Schriftsteller, Schauspieler und Sportler ausländischer Herkunft, sie bereichern unser Land in seiner kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt. Aber es gibt immer noch zu viele Migrantinnen und Migranten, gerade auch Kinder und Jugendliche, die unsere Sprache nicht gut sprechen, in der Schule schlecht abschneiden, keine Ausbildung machen. Die Folge sind Arbeitslosigkeit, materielle Armut und Perspektivlosigkeit, die sich auch in Frust entlädt. Dem müssen wir entschieden entgegenwirken. Das ist das Ziel des Nationalen Integrationsplans. Viele europäische Länder stehen vor ähnlichen Herausforderungen, etwa Frankreich, die Niederlande und Groß­britannien. Die Probleme und Lösungsansätze sind teilweise unterschiedlich, hängen von den konkreten Bedingungen beispielsweise auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt ab. Aber wir tauschen uns auch intensiv aus und lernen voneinander, etwa bei der Suche nach Lösungen für große Städte mit hohem Zuwandereranteil oder bei der Förderung einer Kultur der Vielfalt in der Wirtschaft.

Auch in der zweiten und dritten Zuwanderergeneration gibt es einen hohen Anteil von jungen Leuten ohne abgeschlossene ­Berufsausbildung. Wie lässt sich hier gezielt gegensteuern?

Bei den Kindern, die noch nicht zur Schule gehen, sind Sprachstandstests und Sprachförderung – die gibt es jetzt in allen Bundesländern – ein wichtiger Ansatz. Denn alle Kinder müssen vom Tag der Einschulung an die Lehrer verstehen, wenn sie gute Chancen in der Schule und später im Beruf haben sollen. Die Sprachförderung muss in den Schulen konsequent fortgesetzt werden, nicht nur im Deutschunterricht, sondern in allen Fächern, auch an den Berufsschulen. Dafür brauchen wir qualifizierte Lehrkräfte, also eine entsprechende Aus- und Fortbildung. Der Übergang von der Schule in die Ausbildung muss verbessert werden: durch eine engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, durch gezielte Förder­programme wie den Ausbildungsbonus, durch die Schaffung neuer Ausbildungsplätze auch in Unternehmen, die von Inhabern ausländischer Herkunft geführt werden. Hier tut sich seit der Verabschiedung des Nationalen Integrationsplans eine Menge. Und wir brauchen mehr bürgerschaftliches Engagement. Deshalb habe ich im Mai die „Aktion zusammen wachsen“ ins Leben gerufen, ein bundesweites Netzwerk für Patenschaftsprojekte, die Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg durch die Schule und die Ausbildung unterstützen. Außerdem setze ich mich dafür ein, dass ausländische Abschlüsse in unserem Land besser anerkannt werden. 500000 qualifizierte Mi­grantinnen und Migranten warten darauf – es kann doch nicht sein, dass Ärztinnen als Putzfrauen oder Ingenieure als ­Taxifahrer arbeiten müssen, weil ihr ­Abschluss nicht anerkannt wird. Wenn nötig, müssen diese Menschen eben eine Zusatzqualifikation erhalten.

Was sind über die Bildung hinaus die Schlüssel für eine erfolgreiche Integration?

Erfolgreiche Integration bedeutet gleichberechtigte Teilhabechancen in allen Lebensbereichen, also neben der Schule und dem Beruf auch in der Kultur, dem Sport, der Wissenschaft. Deshalb haben wir alle diese Bereiche und ihre Akteure in den Nationalen Integrationsplan einbezogen und hierzu Selbstverpflichtungen erarbeitet.

Um diese Ziele umzusetzen, müssen sich auch die Zuwanderer engagieren. Wie er­reichen Sie die Migranten?

Wir haben die Migrantenorganisationen von Anfang an als gleichberechtigte Partner in die Erarbeitung des Nationalen Integrationsplans eingebunden. Sie waren in allen Arbeitsgruppen vertreten und haben wichtige Selbstverpflichtungen abgegeben. Wir tauschen uns regelmäßig bei Treffen im Bundeskanzleramt aus, und ich habe mich sehr darüber gefreut, dass beim letzten Treffen im Juni viele Organisationen von ihren Erfolgen berichten konnten und erklärten, die Umsetzung ihrer Selbstverpflichtungen sei zum Herzstück ihrer Arbeit geworden. Die Migrantenorganisationen sind als Bindeglieder in die Zuwandererfamilien hinein für den Erfolg unserer Integrationspolitik unverzichtbar.

Und was sollten umgekehrt die Zuwanderer von der deutschen Gesellschaft erwarten können?

Von der Mehrheitsgesellschaft können sie Akzeptanz, Toleranz, zivilgesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft erwarten, ehrlich willkommen geheißen zu werden. Von der Politik können sie erwarten, dass alles getan wird, um ihnen bestmögliche Chancen für eine gleichberechtigte Teilhabe zu geben.

Wie wichtig ist ein deutscher Pass für eine gelungene Integration?

Die Einbürgerung ist ein großer Schritt, der aus meiner Sicht eher gegen Ende des Integrationsprozesses steht. Mit der Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit erhalten Zugewanderte die vollen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Sie dürfen wählen und gewählt werden, können ihren Beruf frei wählen, genießen Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und dürfen in viele Länder außerhalb Europas ohne Visum reisen. Um diese Rechte zu erhalten, ist ein klares Bekenntnis zu unserem Land, zu unserer Rechts- und Werteordnung die Voraussetzung – und natürlich auch gute Kenntnisse unserer Sprache. Mit dem seit 1. September geltenden Einbürgerungstest wollen wir erreichen, dass sich Einbürgerungswillige diese Kenntnisse aneignen – also nicht die Antworten auswendig lernen, sondern die Fragen mit ihrem Wissen beantworten.

In Deutschland leben bereits heute über 15 Millionen Menschen mit Migrations­hintergrund. Bräuchte Deutschland nicht auch ein eigenes Ministerium für Integra­tion, wie es in manchen anderen Ländern bereits existiert?

Für einen kraftvollen Neufang war es wichtig, die Integrationspolitik aus dem Bundeskanzleramt heraus zu gestalten. Damit wird klar: Integration ist Chefin­sache und Querschnittsaufgabe. Andere europäische Länder haben mittlerweile Integrationsministerien geschaffen, und da uns das Thema noch lange beschäftigen wird, ist das sicher eine richtige ­Entscheidung.

Gibt es Länder, die beim Thema Integration Vorbildfunktion für Deutschland haben ­können?

Wir können sicherlich in einigen Fragen von unseren europäischen Nachbarländern lernen. In Schweden beispielsweise erreicht die dritte Generation aus Zuwandererfamilien mittlerweile bessere Schulergebnisse als Kinder ohne Migrationshintergrund. Auch von den klassischen Einwanderungsländern wie USA, Kanada und Australien können wir lernen. In den USA gibt es schon seit längerem den Einbürgerungstest, die Erfahrungen damit sind sehr gut. Aber selbstverständlich muss man auch immer schauen, wie die speziellen Bedingungen in einem Land sind. Es geht also nicht darum, eins zu eins die Rezepte zu übertragen, sondern die jeweiligen Zutaten so zu mischen, dass sie zu den Anforderungen passen. Wir tauschen uns innerhalb der EU intensiv zu diesen Themen aus.

Bereits 2010 wird in vielen deutschen Großstädten jeder Zweite unter 40 Jahren aus ­einer Zuwandererfamilie stammen. Was ­bedeutet das für die Zukunft der deutschen Gesellschaft?

Es bedeutet, dass Integration für die nächsten Jahre eine der zentralen Schlüsselaufgaben für uns bleiben wird – und zwar als Herausforderung, die sich nicht nur an den Staat und die Politik, sondern an die gesamte Gesellschaft richtet. Es geht um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes, denn wir können es uns schon allein aus demografischen Gründen nicht leisten, die Potenziale, die in den Zu­gewanderten und ihren Nachkommen stecken, ungenutzt zu lassen.


Maria Böhmer ist seit November 2005 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und Staatsministerin im Bundeskanzleramt. Die 1950 geborene Professorin für Pädagogik ist seit 1990 Abgeordnete der CDU im Deutschen Bundestag.

19.09.2008
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

Art Cologne 2012

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht