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Interview: Jens Burgtorf, GTZ, Manager des Indo-German Energy Programme

„In der Erhöhung der Energieeffizienz liegt Potenzial“

Ein Interview mit Jens Burgtorf (GTZ), Manager des Indo-German Energy Programme, über das Programm und die Beratung der indischen Regierung für eine bessere Energieversorgung

Jens Burgtorf

Jens Burgtorf arbeitet für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Neu-Delhi

Herr Burgtorf, Sie leiten das Indo-German ­Energy Programme (IGEN). Was verbirgt sich hinter diesem Titel?

IGEN ist ein gemeinsames Programm der ­deutschen und der indischen Regierung zur Verbesserung der Energieversorgung in Indien. Das Wirtschaftswachstum Indiens bedingt eine ­ständige Zunahme des Energiebedarfs, vor allem an Strom, der derzeit nicht gedeckt werden kann. Das führt – vor allem auf dem Land – vielfach zu Produktionsausfällen. Gleichzeitig sind in der Industrie veraltete Industrieanlagen noch weit verbreitet. Hier sind Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz das geeignete Mittel. Ein entsprechendes Energieeinspargesetz ­wurde von der indischen Regierung bereits in Kraft gesetzt.

Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Wir beraten im indischen Energieministerium zum einen das Büro für Energieeffizienz (BEE) und zum anderen die Central Electricity Author­ity, die für den Kraftwerksektor zuständig ist. Die tägliche Arbeit ist vielfältig, die meiste Zeit erfordert aber das „Managen“ der verschiedenen, durch das Programm initiierten Projekte. Ich habe, wie meine indischen Mitarbeiter und künftig noch ein weiterer deutscher Experte, einen Schreibtisch direkt im BEE. Der dadurch jederzeit mögliche intensive Austausch mit den Mitarbeitern der beiden indischen Regierungsstellen ist die Grundlage unserer Arbeit.

Indien ist bei den erneuerbaren Energien – vor allem bei der Windkraft – schon gut aufgestellt. Worin besteht der größte Beratungsbedarf?

Derzeit im Bereich der Energieeffizienz. Die indische Regierung hat klar erkannt, dass hier das größte Potenzial für die Deckung des steigenden Bedarfs liegt. Jede Kilowattstunde, die vermieden werden kann, vermindert den CO2-Bedarf und Investitionen in neue Kraftwerke.

Wie sieht Ihre Bilanz bisher aus?

Die größten Erfolge sind bei der Umsetzung des Energieeinspargesetzes zu verzeichnen. Seit ­Beginn des Programms wurden mehr als 4500 Energiemanager und mehr als 3500 Energieauditoren ausgebildet und durch staatliche Stellen ­geprüft. Sie sorgen für Energieeffizienz in Kraftwerken, in der Industrie und in der Verwaltung. Weiterhin sorgt die Verbraucherinformation und das Labeling-Programm für Transparenz beim Energieverbrauch. Wie in Deutschland können Sie heute in Indien Ihren Kühlschrank oder Ihre Klimaanlage nach Energieverbrauch auswählen. Auch in der energieintensiven Industrie sind Verbesserungen sichtbar. So werden zum Beispiel Zementwerke für den geringsten Energiebedarf mit Gold, Silber oder Bronze ausgezeichnet. Für die, die gar nichts tun, gibt es nur Blech. Es bleibt aber noch sehr viel zu tun. Und mit unseren Partnern auf der indischen Seite sind wir uns einig, diesen Weg noch für einige Jahre ­gemeinsam zu gehen.


Jens Burgtorf
arbeitet für die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in Neu-Delhi.


Deutschland - Partner für saubere Energie

Ob Windkraft in Ägypten, Wasserkraft in Indonesien, Biomasse in Nepal, Erdwärme in Kenia oder Sonnenenergie in China: Deutschland unterstützt in vielen Ländern der Welt die nachhaltige Energieversorgung. Der Energiebedarf in Entwicklungsländern wird sich in den nächsten 20 Jahren mindestens verdoppeln. Werden dafür hauptsächlich fossile Energieträger eingesetzt, führt das zu enormen Umweltbelastungen. Viele Entwicklungs- und Schwellenländer unterhalten mit Deutschland eine Energiepartnerschaft. Ziel dieser Zusammenarbeit: Mit grüner Technologie, Fachwissen und Fördergeldern unterstützt Deutschland vor allem Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika dabei, das Potenzial klimafreundlicher Energiequellen besser zu nutzen, erneuerbare Energien und die Energieeffizienz auszubauen.

25.07.2008
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