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„Ideen stehen in einem ­produktiven Wettstreit“

Ein Interview mit Dr. Franz Lärmer, Europas Erfinder des Jahres 2007 und Vordenker beim deutschen Technologiekonzern Bosch, über den Weg einer wirklich überzeugenden Idee zum Markterfolg.

1 //Herr Dr. Lärmer, wie fördert Bosch Innovationen?

Ein wichtiger Punkt ist die Beständigkeit. Investitionen in Forschung und Voraus­entwicklung bewegen sich auf konstant hohem Niveau. Eine Stärke von Bosch ist, dass sich das Unternehmen langfristig orientiert und bei zukunftsweisenden Entwicklungen einen langen Atem besitzt. Zur Firmenkultur gehört, dass Ideen reifen können und es für die Entwickler einen Vorschuss an Vertrauen gibt.

2 //Welche Eigenschaften sind für Ihre Arbeit nötig?

Als Vorausentwickler arbeite ich an neuen Anwendungsfeldern für die Mikrosystemtechnik. Dies erfordert einen großen Überblick und die Bereitschaft, in verwandte und entferntere Fachbereiche zu schauen. Wenn ich mich für eine Sache entschieden habe, bin ich mit großer Ausdauer dabei. Denn Innovation ist auch bei Bosch kein Honigschlecken. Ideen stehen in produktivem Wettstreit. Diesen muss man ständig durchstehen und sich für seine Lösungsansätze stark machen.

3 //Wie wird der Prozess des Ideenmanagements gesteuert?

Es gibt bei Bosch, wie bei vielen anderen Firmen auch, einen Innovationsprozess für Ideen. Das ersetzt aber nicht das richtige Bauchgefühl. Die Fähigkeit also, eine wirklich gute Idee zu erkennen, die man vertiefen sollte. Es gibt keinen Prozess, an dessen Anfang eine Idee steht und am Ende ein Produkt herauskommt. Auf dem Weg dahin brauchen Sie immer einen Protagonisten, der für seine Ideen kämpft und auch Widerstände überwindet, damit nach fünf bis sieben Jahren daraus ein erfolgreiches Produkt werden kann.

4 //Beim Verfahren zur Herstellung von Mikrosensoren lagen Sie mit Ihrem Bauchgefühl richtig.

Als wir 1990 mit der Entwicklung begonnen haben, erschien die Herausforderung technisch nahezu unlösbar. Klar war aber, wenn es funktionieren würde, dann wäre es die Revolution der Mikrosystemtechnik. Die Beharrlichkeit hat sich gelohnt, trotz anfänglicher Widerstände und vielen Rückschlägen in den ersten zwei Jahren. Als sich dann der Entwicklungserfolg einstellte, war es wichtig, dass in einem Geschäftsbereich Kollegen die Technologie- und Sensorentwicklungen eingesetzt haben, um Produkte wie den Airbag und das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) zum Erfolg zu führen.

5 //Ihr Verfahren ist als „Bosch-Prozess“ aus der heutigen Mikrosystemtechnik nicht mehr wegzudenken. Haben Sie damit gerechnet?

Normalerweise gelten Entwicklungen in der Halbleiterindustrie nach fünf Jahren als überholt und werden über so eine Zeitspanne meistens durch überlegenere Lösungen ersetzt. Daher hat es mich überrascht, dass 20 Jahre später der Bosch-Prozess immer noch der Standard in der Mikrosystemtechnik-Branche ist. Unsere Technik ist aber auch universell einsetzbar, von der Automobil-Elektronik bis hin zu Medizintechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Das Potenzial ist riesengroß.

Zur Person

Dr. Franz Lärmer arbeitet seit 1990 im Forschungs- und Entwicklungszentrum der Bosch-Gruppe. Der Physiker ist Miterfinder des so ­genannten „Bosch-Prozesses“. Das Plasmaätzverfahren für mikro­mechanische Bauelemente hat die Mikrosystemtechnik revolutioniert. Für dieses wegweisende Verfahren erhielt er mit einer Kollegin den ­europäischen Erfinderpreis 2007.

Der Bosch-Konzern in Stuttgart hat sich von der 1886 von Robert Bosch gegründeten „Werkstatt für Feinmechanik und Elektrotechnik“ zu einem international führenden Technologie- und Dienstleistungsunternehmen entwickelt. Mit Kraftfahrzeug- und Industrietechnik sowie Gebrauchsgütern und Gebäude­technik erwirtschafteten rund 275000 Mitarbeiter 2009 einen Umsatz von 38,2 Milliarden Euro. In Forschung und Entwicklung investierte der Konzern 2009 weltweit 3,6 Milliarden Euro und meldete 3800 Patente an.

www.bosch.de

12.07.2010
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