Die innere „Betriebsanleitung“ der Pflanzen ist das Forschungsgebiet von Dr. Damaris Odeny. Am Max-Planck-Institut (MPI) für Züchtungsforschung in Köln erforscht die Molekularbiologin, welche Gene bei der Kartoffel für die Abwehr von Pflanzenkrankheiten wie der Krautfäule verantwortlich sind. Das Ziel ist, diese natürlich vorhandenen Gene zu entschlüsseln und über Züchtung – etwa die Kreuzung mit Wildarten – in die Kulturpflanzen zu übertragen.
Forschen gegen den Hunger
In den vergangenen Jahren hat die Pflanzenbiologie eine Revolution erlebt: Die ersten Pflanzengenome – also die gesamte genetische Information – von Reis und der Modellpflanze der Biologen, der Ackerschmalwand, wurden bereits entschlüsselt. Die Kartoffel birgt noch einige Geheimnisse, aber auch über ihren Bauplan wissen die Forscher schon sehr viel. Was fasziniert Damaris Odeny an ihrer Arbeit? „Dass sie das Potential hat, das Leben der Menschen zu verändern“. Die 36 Jahre alte Kenianerin denkt dabei vor allem an ihre Heimat: „Ich komme aus einem Land, in dem es noch immer Hunger gibt“, sagt sie. „Und das, obwohl wir guten Boden und ein gutes Klima haben.“ Die Molekularbiologin ist überzeugt: Ihre wissenschaftliche Arbeit könnte das Leben gerade der Kleinbauern verbessern, wenn sie zu widerstandsfähigeren Pflanzen und besseren Ernten verhilft. „Noch kommt die Biotechnologie in Entwicklungsländern aber viel zu kurz.“
Zum Studium ins Ausland
Deshalb hat Damaris Odeny Afrika verlassen: Sie wollte mehr lernen, in einem Labor arbeiten, unter besseren Bedingungen. Sie war die erste aus ihrer Familie, die eine Hochschule besucht hat. Die Tochter eines Farmers aus Kisumu in Westkenia absolvierte ein Bachelor-Studium der Landwirtschaft an der Universität Nairobi. Sie entschied sich dann aber doch, das Thema wissenschaftlicher anzugehen und studierte an der Universität Nottingham in Großbritannien Pflanzengenetik. Mit dem britischen Masterzertifikat wechselte sie nach Bonn. Ohne Deutschland zu kennen, ohne deutsche Sprachkenntnisse, aber dafür mit einem festen Ziel.
Praxisorientierte Arbeit
„Ich hätte auch in London eine Doktorandenstelle bekommen“, erzählt Damaris Odeny selbstbewusst. Aber da wäre es mehr um Theorie und weniger um angewandte Wissenschaft gegangen: „Ich suchte einfach nach einer Möglichkeit, wie ich meine Arbeit noch besser für mein Land nutzen kann.“ Das dreijährige internationale Doktorandenprogramm am Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn war genau das, was die junge Frau sich vorgestellt hatte: eine sehr praxisorientierte Forschung, die gezielt zur Armutsbekämpfung und zu nachhaltiger Entwicklung beitragen will.
Förderung für Talente aus Entwicklungsländern
Ein Stipendium des DAAD aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ermöglichte Damaris Odeny das Aufbaustudium. Es richtet sich gezielt an begabte Nachwuchswissenschaftler aus Entwicklungsländern. Am ZEF beschäftigte die Molekularbiologin sich intensiv mit einer für viele Länder des Südens sehr wichtigen Nutzpflanze, die aber noch kaum gentechnisch erforscht ist: der Straucherbse. Ihre Forschungsarbeiten führten sie auch für ein knappes Jahr nach Indien – und in Bonns Nachbarstadt Köln an das MPI für Züchtungsforschung.
Internationales Renommee
Das MPI gehört zu den weltweit führenden Forschungsinstitutionen auf dem Gebiet der molekularen Pflanzenbiologie. Gesprochen wird meistens englisch: Die Hälfte der 180 wissenschaftlichen Mitarbeiter kommt aus 30 verschiedenen Ländern. 90 Doktoranden aus aller Welt, unter ihnen 35 von der International Max Planck Research School, sorgen für eine noch internationalere Atmosphäre. Nach ihrer Promotion 2006 bewarb sich Damaris Odeny für eine Postdoc-Stelle am MPI. Sie wollte mehr über den neusten Stand der molekularbiologischen Techniken wissen: „Alles, was ich hier am Beispiel der Kartoffel lerne, kann ich später auch auf andere Nutzpflanzen übertragen, die in Afrika wichtig sind.“
Das Gelernte in Kenia anwenden
„Später“ wird schon bald sein: Noch 2009 kehrt Damaris Odeny nach Kenia zurück, so wie sie es geplant hatte: „Mir geht es nicht darum, meine Publikationsliste zu verlängern. Ich will etwas für mein Land verändern“. Gern würde sie eine eigene Gruppe an einer Universität leiten. Ihr großer Traum aber ist ein eigenes Forschungsinstitut nach europäischem Standard. „Das klingt vielleicht sehr ehrgeizig“, sagt sie. „Aber wenn man gute Ideen hat und zeigt, dass man Ergebnisse bringt, könnte ich mir eine Finanzierung etwa über eine große Stiftung schon vorstellen.“ Und bisher hat Damaris ihre Ziele immer konsequent verfolgt. „Ich hoffe, dass ich mit dem, was ich am MPI gelernt habe, in Kenia ein wissenschaftliches Level erreichen kann, das vergleichbar ist mit Europa“, sagt sie. „Ich weiß, das geht nicht über Nacht. Aber jemand muss es ja machen. Warum nicht ich?“














