So international kann Spitzenforschung sein: Neun Staaten unterzeichneten im Oktober 2010 das völkerrechtliche Abkommen über die Errichtung des Beschleunigerzentrums FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research) in Darmstadt. Neben Deutschland beteiligen sich Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Auch China, Großbritannien, Saudi-Arabien und Spanien planen für die Zukunft Beiträge zu dem Projekt. Am GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in der im Bundesland Hessen gelegenen 140000-Einwohner-Stadt wird mit FAIR eines der weltweit größten Forschungsvorhaben für die physikalische Grundlagenforschung realisiert. Die Anlage soll von 2017 an Ionenstrahlen mit bisher unerreichter Qualität liefern. Die beteiligten Wissenschaftler erhoffen sich völlig neue Erkenntnisse, die so unterschiedliche Themenfelder wie Raumfahrt und Medizin betreffen könnten.
Bei aller Internationalität hat die deutsch-russische Zusammenarbeit für das FAIR-Projekt besondere Bedeutung: Deutschland trägt knapp drei Viertel der für die Errichtung und Inbetriebnahme von FAIR anfallenden Kosten von rund einer Milliarde Euro. Russland ist mit einem Beitrag von 178 Millionen Euro größter internationaler Partner. Zudem wurde mit Professor Boris Sharkov ein russischer Spitzenwissenschaftler zum ersten wissenschaftlichen Geschäftsführer der FAIR GmbH ernannt, die den Bau der Beschleuniger- und Experimentieranlagen koordinieren soll.
Schon heute arbeiten rund 3000 Wissenschaftler aus über 40 Ländern an der Planung der FAIR-Anlagen. Die von den Anlagen erzeugten Ionenstrahlen, die natürlicherweise in der kosmischen Strahlung vorkommen, werden den Wissenschaftlern unter anderem Erkenntnisse für die Satellitentechnik oder für bemannte Raummissionen ermöglichen. Auch in der Medizin können Ionenstrahlen nutzen. So hat das GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung bereits eine neuartige Krebstherapie mit Ionenstrahlen entwickelt, die sich seit kurzem im Routineeinsatz an Kliniken befindet.////














