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Wissenschaft

Gute Ideen umsetzen

Die FU Berlin unterstützt im Rahmen eines EU-Projekts vier ägyptische Hochschulen beim Aufbau von Technologietransferbüros: Damit gute Ideen der Forscher schneller die Chance haben Wirklichkeit zu werden.

Von Jürgen Stryjak

Neun Jahre lang hat Ehab Abdel Rahman an der University of Utah studiert und geforscht. Im US-amerikanischen Salt Lake City entwickelte der ägyptische Physiker eine Metalllegierung, die die Eigenschaften ihrer einzelnen Bestandteile zu einem völlig neuen Gebrauchswert kombiniert. „Die Metalle Aluminium, Kupfer und Eisen sind gute Leiter von Elektrizität und Wärme“, sagt der 42-Jährige. „Kombiniert man sie aber in einem ganz bestimmten Verhältnis, dann entsteht ein schlecht leitendes Material, das vor allem eines ist: glatt und rutschig. Nichts bleibt an ihm haften. Es gleicht dem Teflon, ist allerdings deutlich robuster.“ Die Entdeckung an sich ist nicht spektakulär. An Hochschulen weltweit entwickeln Wissenschaftler Neuheiten und melden sie als Patente an. Bemerkenswert ist, dass das Forschungsergebnis von Ehab Abdel Rahman tatsächlich seinen Weg auf den Weltmarkt fand.

Geholfen hat dabei ein Technology Transfer Office, das sich der Uni-eigenen Forschungsergebnisse annimmt und versucht, Geld mit ihnen zu verdienen. Abdel Rahmans Metalllegierung wird inzwischen industriell verwendet – für Bratpfannenbeschichtungen zum Beispiel. Seit 2004 arbeitet der Ägypter als Physikprofessor an der American University of Cairo. Ein Technology Transfer Office gab es weder hier noch an anderen Hochschule im Land. Deshalb bat Ehab Abdel Rahman vor zwei Jahren die EU-Kommission um akademische Nachbarschaftshilfe. Mit Erfolg: Abdel Rahmans Initiative wird seitdem im Rahmen des EU-Hochschulprogramms TEMPUS, das die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen in der EU und ihren Nachbarländern fördert, unterstützt. Die ersten vier ägyptischen Technology Transfer Offices wurden Ende September 2010 feierlich eröffnet: an der American University in Cairo, der Cairo University sowie an den Universitäten in Helwan und Assiut. Aufbauhilfe leisteten dabei Experten von der Freien Universität Berlin, der Polytechnischen Universität Turin in Italien, der schwedischen Linköping-Universität und der TU Wien. „Für uns ist dies eines von vielen Projekten“, sagt Ellen Fröhlich von der FU Berlin, „bei denen wir uns als verlässlicher Partner nicht verschließen möchten.“ Ellen Fröhlich leitet die Abteilung Forschung der Universität. Ihre Hochschule besitzt einige Erfahrung beim Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft. Und: Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Uni diese Erfahrungen selbst erst sammeln musste. Man kann sich in Berlin deshalb gut in die Lage der ägyptischen Kollegen versetzen. Vor zehn Jahren begann die FU Berlin damit, Strukturen aufzubauen, um das akademische Forschungspotential kommerziell zu nutzen. „Es war gar nicht in den Köpfen drin“, sagt Ellen Fröhlich, „weder in den institutionellen, noch in denen unserer Wissenschaftler, dass das, was in unseren Laboren erfunden wurde, eigentlich der Uni gehört.“ Aber wer, fragt Ellen Fröhlich, sensibilisiert die Wissenschaftler an den Hochschulen? Wer prüft, ob Erfindungen einen kommerziellen Nutzen haben? Wer kümmert sich um die Patente und Lizenzen oder um die Gründung von Unternehmen, damit die Erfindung als Produkt auf den Markt gelangt?

All dies gehört zu den Aufgaben eines Technology Transfer Offices. „Das Knowhow, das wir auf diesem Gebiet gewannen“, sagt Ellen Fröhlich, „haben wir jetzt den Ägyptern zur Verfügung gestellt.“ Der Berliner Mitarbeiter, der die Kollegen in Ägypten beraten hat, ist Lennart Brand vom FU-Zentrum für internationale Kooperation. Er analysierte die Bedingungen vor Ort, half dabei, Lösungen zu finden und das Personal der vier neuen Hochschulbüros auszuwählen. Ihm ist es zu verdanken, dass die Ägypter jetzt genau jene Methoden anwenden wollen, mit denen die FU Berlin erfolgreich Firmen gründet. „Lennart Brand ist für mich zu einem guten Freund geworden“, sagt Ehab Abdel Rahman, „er war uns eine enorme Hilfe.“ Besser könne akademische Kooperation gar nicht funktionieren.

An der American University in Cairo warten bereits die ersten Erfindungen auf ihre Chance. Fast zwölf Millionen Menschen sind in Ägypten mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. „Einer unserer Forscher“, sagt Ehab Abdel Rahman, „erfand jetzt einen Labortest, der nur fünf US-Dollar kostet.“ Das neu gegründete Technology Transfer Office der Universität muss nun herausfinden, ob es besser für die Uni ist, die Testlizenz an ein Unternehmen zu verkaufen oder gleich eine eigene Firma zu gründen. Die Physiker um Ehab Abdel Rahman entwickeln derzeit ein Verfahren, bei dem Sonnenwärme in akustische Klänge umgewandelt wird. So soll es möglich werden, in abgelegenen Wüstenregionen billig Elektrizität zu produzieren. Mit Unterstützung des neuen Technology Transfer Offices wird jetzt der Prototyp einer solchen solarakustischen Anlage gebaut. Schon einmal wurde in Ägypten erfolgreich eine neuartige Technologie zur Erzeugung von Strom aus Sonnenwärme ausprobiert. Das war 1913, und es handelte sich um die so genannte Solarthermie. Fast ein Jahrhundert später geht jetzt im oberägyptischen Kuraymat das erste solarthermische Kraftwerk des Landes in Betrieb. „Ich wünsche mir“, sagt Ehab Abdel Rahman, „dass unser solarakustisches Prinzip keine 100 Jahre braucht, bis es in der Praxis angewendet wird.“ Mit Hilfe des Technology Transfer Offices könnte sein Wunsch Realität werden.////

30.11.2010
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