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Grüne Mode – aus der alternativen Szene in den Mainstream

Grüne Mode verbindet heute Bio und Lifestyle, Ethik und Business zu einem erfolgreichen trendigen Gesamtkonzept. Deutsche Unternehmen sind international führend

Joachim Schirrmacher

Grün ist in Mode. Weniger als Farbe denn als Trend, modische Textilien in Zukunft umwelt- und sozial­verträglicher herzustellen. Weltweit bemühen sich Bekleidungsunternehmen, den Herstellungsprozess umweltfreundlicher zu gestalten und soziale Mindeststandards in der Produktion durchzusetzen. Dabei geht es weniger um das Einhalten internationaler Regelwerke als um den Geschäftserfolg. Denn der Verbraucher honoriert diese Entwicklung.

Zu den international erfolgreichen Pionieren gehören die drei deutschen Unternehmen Hess Natur (Versandhaus für Naturtextilien), Klaus Steilmann (einst der größte Hersteller von Damenkonfektion in Europa) und die Otto-Group (der weltgrößte Versandhauskonzern). Immer gab die per­sönliche Überzeugung des Firmeninhabers den Ausschlag für das Engagement. Vorreiter waren sie beim Aufbau von Know-how, Kooperationen und Standards sowohl in Deutschland als auch in den Anbau- und Fertigungsländern.

So hat Hess Natur 1991 das weltweit erste Biobaumwoll-Projekt in Sekem (Ägypten) initiiert. Weitere Projekte folgten in Peru, Senegal, der Türkei und Burkina Faso. Ebenso war Hess an der Entwicklung von ökologischem Leinen, Schurwolle und Seide beteiligt. Klaus Steilmann hat an der Entwicklung und Durchsetzung ökologischer Qualitätsstandards, kompostierbarer Kleidung, chlorfreier Viskose, ökologisch optimiertem Polyester, Umweltmanagement-Konzepten oder Öko-Audits mitgewirkt. Durch die Kollektion seiner Tochter „Britta Steilmann – It’s one world“ wurde umweltgerechte Mode einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Otto hat 1986 das Unternehmensziel einer „deutlichen Umweltorientierung“ eingeführt. Das Ziel von Michael Otto war es, ökologische und soziale Kriterien mit ökonomischen Zielen in Einklang zu bringen. So wurden umfangreiche Umwelt- und Sozialmanagementsysteme realisiert. Nach eigenen Angaben sind heute 99 Prozent des Textil- und Bekleidungssortiments schadstoffgeprüft – und zwar zum gleichen Preis wie konventionelle Ware. Das Projekt „Cotton made in Africa“ will zu Armutsbekämpfung und Umweltschutz in Afrika beitragen. 130000 Kleinbauern produzieren im Jahr 85000 Tonnen Baumwolle.

Zusammen mit der Stiftung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus, dem Vater der Mikrokredite, wurde eine Fabrik in Bangladesch errichtet. Zweck ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern die Lösung von sozialen und Umweltproblemen. Grameen Otto ist das erste Unternehmen dieser Art weltweit und soll ein Leuchtturm für sozial und ökologisch nachhaltiges Wirtschaften werden.

Bei allen drei Unternehmen handelt es sich um ein ganzheitliches Engagement, das auch Fragen des Lebenszyklus für Produkte und Prozesse, der Verkehrsströme, der Gebäude, des Papiers und oft auch der Verpflegung in der Kantine umfasst. Beispielsweise baute Otto ein Versandzentrum in unmittelbarer Nähe des Mittellandkanals, um die Einfuhren aus den Fertigungsländern vom Hamburger Hafen nicht per Lkw, sondern mit dem Schiff transportieren zu können.

Durch ihre Projekte wurden und werden Standards gesetzt, die großen Einfluss auf den Massenmarkt haben. So wurden die krebserzeugenden AZO-Farbstoffe verboten. Heute verkaufen die Unternehmen kaum noch Kleidung ohne den Öko-tex 100 Standard. Auch Konzerne wie Wal Mart, C&A oder H&M folgten dem Weg.

Hinzu kommen zahlreiche kleine Unternehmen und selbstständige Designer, die sich zu 100 Prozent der fairen Mode verschrieben haben. Obwohl sie sich oft auf einfache Baumwollprodukte beschränken, spielen sie eine entscheidende Rolle, um der Green Fashion mehr Attraktivität zu verleihen. Kirsten Brodde, Autorin des Sachbuchs „Saubere Sachen“, schätzt, dass es alleine in Deutschland 150 kleine Öko-Labels gibt.

Sei es elegante Couture von Inka Koffke oder Lässiges von Labels wie Vilde Svaner oder Slowmo. Langlebigkeit ist das entscheidende Kriterium. Kirsten Brodde geht noch weiter: „Wirklich avantgardistisch ist es, sich bei allen neuen Kleidungsstücken zu fragen: Brauche ich das wirklich?“

14.01.2010
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