Hervorragend“ kommentierte das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel, „unvergleichlich“ die französische Libération, und die New York Times schrieb „ein starker Film“. Trotz dieser Vorschusslorbeeren: Für „Ajami“ hat es in diesem Jahr nicht zu einem Oscar gereicht. Der Film von Scandor Copti und Yaron Shani ist eine israelisch-deutsche Koproduktion, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg – einer deutschen Institution, die auf Ebene der Bundesländer „Filmschaffende bei der Stoff- und Projektentwicklung, Produktion sowie bei Verleih und Vertrieb“ unterstützt. Internationale und nationale Anerkennung fand Ajami dennoch: Bei den Filmfestspielen im französischen Cannes 2009 wurde der Film geehrt; bei der Verleihung der Orphir Awards, dem bedeutendsten israelischen Filmpreis, im September 2009 erhielten die Regisseure für ihr Debüt gleich fünf Auszeichnungen.
Deutsch-israelische Koproduktionen können von den Bundesländern oder von der Bundesregierung gefördert werden; seit 1971 gibt es zwischen den Regierungen beider Länder ein entsprechendes Abkommen. Staatsminister Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, bewertet diese Kooperation wie auch die kulturelle Zusammenarbeit mit Israel als überaus positiv: Er empfinde es „immer wieder als ein Geschenk, dass wir heute durch ein wirkliches Vertrauensverhältnis so eng verbunden sind“. Die Beziehung zwischen Deutschland und Israel werde aufgrund der aus der Geschichte erwachsenen Verantwortung immer eine ganz besondere Bedeutung haben. Im Filmbereich sei die Kooperation in den letzten Jahren insbesondere auf der Ebene der Nachwuchs- und Festivalarbeit aktiviert worden: „Gerade die Filme von Israels jungen Filmschaffenden werden vom deutschen Publikum sehr geschätzt und haben einen festen Platz bei der Berlinale.“ 2009 war Israel mit sechs Filmen Länderschwerpunkt der Berliner Filmfestspiele. Ein Jahr zuvor hatte der israelische Regisseur Samuel Maoz mit seinem Film „Lemon Tree“ einen Publikumspreis gewonnen, und auch in diesem Jahr war „Hayerida“ von Shai Miedzinski im Kurzfilmwettbewerb mit einem Silbernen Bären erfolgreich.
„Hayerida“ gehört wie „Shabat Shalom Maradonna“ („Alles für meinen Vater“), unter der Regie von Dror Zahavi, „Lebanon“ von Samuel Maoz und „Waltz with Bashir“ von Autor, Regisseur und Produzent Ari Folman zu den aus Bundesmitteln geförderten Filmen. Die israelisch-deutsch-französische Gemeinschaftsproduktion „Waltz with Bashir“ gilt seit ihrer Weltpremiere in Cannes als eines der außergewöhnlichsten Kinoereignisse 2008; bei der Golden Globe-Verleihung 2009 gab es die Auszeichnung als bester fremdsprachiger Film.
Seit 2005 hat der Bund insgesamt acht deutsch-israelische Koproduktionen mit knapp drei Millionen Euro gefördert. Außerhalb des Abkommens von 1971 gibt es zudem anderweitig mit öffentlichen Geldern finanzierte multilaterale Produktionen; die tatsächliche Zahl geförderter Filme liegt also weit höher. Ohne staatliche Förderungen gehe so gut wie nichts, erklärt Regisseur Dror Zahavi, der zuletzt 2009 mit seiner Fernsehproduktion „Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben für Aufsehen sorgte“. Hauptdarsteller Matthias Schweighöfer erhielt dafür den deutschen Filmpreis Goldene Kamera als bester Schauspieler. Dror Zahavi bringt es auf den Punkt: „Ohne öffentliche Mittel hätte es meinen letzten Film mit hundertprozentiger Sicherheit nicht gegeben“.
Zu den außerhalb des bilateralen Abkommens vom Bund, einzelnen Ländern sowie privaten Partnern geförderten Filmen deutscher Regisseure gehört auch Maria Schraders „Liebesleben“, ein sehr gefühlvoller Film nach dem Bestsellerroman von Zeruya Shalev, mit Neta Garti und dem kroatischen Schauspieler Rade Sherbedgia in den Hauptrollen. Die Produktion teilten sich eine israelische und eine deutsche Filmfirma. Der Film erzählt aus der Sicht der Ich-Erzählerin Jara – wie es in einer Kritik heißt – „die abstruse, aber hoch erotische Liebesgeschichte zu Arie, einem Freund ihres Vaters.“ Es war Schraders Debüt als Regisseurin; zu dem Projekt kam sie eher durch Zufall: Auf einer Reise begleitete sie Zeruya Shalev durch Deutschland und übernahm für sie die Übersetzung bei Lesungen. Als die Schriftstellerin ihr den Roman später als Filmprojekt anbot, fühlte sie sich, „wahnsinnig geehrt“.
Es sind nicht immer die großen und bekannten Filmproduktionen, die die israelisch-deutsche Filmzusammenarbeit ausmachen: Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Staates Israel hatte die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der israelischen Botschaft in Berlin insgesamt 22 deutsche und elf israelische Filmschulen eingeladen, Exposés für einen zehnminütigen Kurzfilm einzureichen. Gesucht wurden kreative Reportagen, die vor historischem Hintergrund die Sichtweise junger Filmschaffender auf die beiden Länder darstellen. Je fünf Filme aus beiden Ländern wurden realisiert; die Filmteams erhielten je 4000 Euro für die Produktionskosten und die Dreharbeiten im jeweils anderen Land. Zwei der Arbeiten wurden prämiert.
„Ich wünsche mir“, wagt Deutschlands Kulturstaatsminister Bernd Neumann einen Blick in die Zukunft, „dass wir gemeinsam mit Israels Filmschaffenden diese erfolgreiche Zusammenarbeit fortsetzen können“. Filme seien wie kein anderes Medium geeignet, „den Horizont in Richtung anderer Länder für ein breites Publikum zu erweitern und damit vor allem jungen Menschen wichtige Einblicke von den Lebenswirklichkeiten dieser Gesellschaften zu vermitteln.“














