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Großes Interesse, vielfältiges Angebot

Deutsch ist als Fremdsprache in der Türkei nach wie vor beliebt. Die Goethe-Institute in Istanbul, Ankara und Izmir engagieren sich stark für die Vermittlung von Deutsch und setzen dabei auf vielfältige Kooperationen. Wer keine Zeit für einen Kurs findet, kann zudem auf ein einfallsreiches Angebot im Internet setzen

Von Johannes Göbel

Im März hat sich Erika Broschek dann doch etwas gewundert. „Normalerweise ist der Andrang auf unsere Deutschkurse im Oktober besonders groß. Zum Beginn des Wintersemesters werden offenbar viele gute Vorsätze gefasst“, so die Leiterin der Sprachkurse des Istanbuler Goethe-Instituts. „Dass die Kurse nun auch im Frühjahr gerappelt voll sind, ist sensationell.“ Die Gründe für das große Interesse sind vielfältig. So gelten etwa deutsche Firmen in der Türkei als attraktive Wirtschaftspartner. Auch zieht es viele junge Türken zum Studieren nach Deutschland. Obwohl es mittlerweile eine Vielzahl privater Anbieter von Deutschkursen gibt, zählt das Institut jährlich rund 6000 Kursteilnehmer.

Auch die Art des Lernens hat sich verändert. Das Internet hat hier einen besonderen Stellenwert erlangt. So bietet die Deutsche Welle (www.dw-world.de) etwa ein vielfältiges, kostenfreies Angebot für diejenigen, die Deutsch lernen, sich aber nicht an einen bestimmten Ort binden wollen. Im Netz können sich Anfänger wie Fortgeschrittene die passenden Kurse aussuchen. Die Chancen des Internets werden konsequent genutzt, mit Texten, Audio-Angeboten und Videos. So deckt etwa der Kurs „Deutsch Interaktiv“ mit seinen virtuellen Arbeitsblättern, Übungen und Tests die Niveaustufen A1 bis B1 ab, also bis zu Sprachkenntnissen, mit denen man sich in allen wichtigen Alltagssituationen zurechtfinden kann. Umfassender ist das Fernlernangebot des Goethe-Instituts. Neben kostenlosen Übungen können über seine Internetseite (www.goethe.de/ins/tr/ist/deindex.htm) auch kostenpflichtige, intensive Kurse belegt werden. Ein Tutor steht während der Kursdauer in ständigem Kontakt mit dem Lernenden.

Bei allen Reizen des Internets: Erika Broschek weiß um die Vorteile des Präsenzunterrichts. „Vielen unserer Kursteilnehmer geht es auch ganz eindeutig um den Spaß des gemeinsamem Lernens.“ Den fördern die Pädagogen der Goethe-Institute in Istanbul, Ankara und Izmir auch mit Spielen in den Kursen. „Gerade bei Anfängern wollen wir gezielt die Scheu vor der neuen Sprache abbauen“, sagt Erika Broschek.

Auf lockere Ansätze legt auch die Initiative des Auswärtigen Amts „Schulen: Partner der Zukunft (PASCH)“ Wert. Seit 2007 wird durch sie auch der Deutschunterricht an zahlreichen türkischen Schulen intensiv und gezielt gefördert. Etwa am Istanbuler Erkek Lisesi, am Izmir Kiz Lisesi oder am Sezai Karakoc Anadolu Lisesi in Diyarbakir. „Die PASCH-Initiative sorgt für eine lebendige Deutschvermittlung“, betont Erika Broschek. Beispiele hierfür sind in der Türkei etwa ein Schülerzeitungs- und ein Schülerbandprojekt mit deutschen Songs.

Zu den Partnerorganisationen des Auswärtigen Amts zählen bei der PASCH-Initiative unter anderem die Goethe-Institute und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). In der Türkei ist der DAAD mit elf Lektoren vertreten, die an Universitäten die deutsche Sprache unterrichten. Drei von ihnen sind in Ankara tätig. Die Vielzahl der Studenten in der Hauptstadt prägt auch die Arbeit des dortigen Goethe-Instituts.

„Der Großteil unserer Lerner sind Studenten“, sagt Heidi Trappmann-Klönne, Leiterin der Sprachkurse des Instituts in Ankara. Gleichwohl zeigt sich gerade in der Hauptstadt, wie unterschiedlich die Zugänge zu Deutsch in der Türkei sein können. Hier bilden sich türkische Lehrer fort, die vom Erziehungsministerium nach Deutschland entsandt werden, um dort türkischen Mutterspracheunterricht zu geben.Richter am Kassationsgericht lernen hier, auch weil sich das türkische Strafrecht an das der Bundesrepublik annähert. Türkische Landräte nehmen an einem kombinierten Sprachkurs- und Praktikumsprogramm mit dem Goethe-Institut im deutschen Schwäbisch-Hall teil. Imame lernen seit 2002 in den Institutsräumen für ihre Arbeit in Deutschland. „Auch hier geht es nicht nur um Sprachkenntnisse. Die Imame sollen sich grundsätzlich auf ihr deutsches Arbeitsumfeld einstellen können“, so Trappmann-Klönne. Neu sind Sprachkurse für die Ehefrauen der Imame. „Wir wollen auch sie mit Schnupperkursen und landeskundlichem Unterricht auf ihre Zeit in Deutschland vorbereiten.“

Die Regierungsorganisationen in Ankara schätzen offenbar die Arbeit des Goethe-Instituts, erst im März hat sich ein Berater von Ministerpräsident Erdogan für Individualunterricht angemeldet. Aber auch außerhalb der Hauptstadt ist das Goethe-Institut Ankara aktiv, nimmt in der Provinz zahlreiche Prüfungen ab. Und auch das normale Sprachkursangebot läuft erfolgreich: 1800 Kursteilnehmer zählte das Institut in Ankara 2009. Wer besonders erfolgreich lernt, kann laut Heidi Trappmann-Klönne auf einen besonderen Lohn hoffen. „Mit Stipendien finanzieren wir Einzelnen Aufenthalte in Deutschland, bei denen sie ihre Kenntnisse weiter vertiefen können.“

11.03.2010
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