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Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

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Wissenschaftsbeziehungen

Große Vielfalt, große Chancen

Mit kaum einem anderen Land unterhält Deutschland einen so intensiven wissenschaftlichen Austausch wie mit der Russischen Föderation: Ein Überblick über ausgewählte Themenfelder der Zusammenarbeit.

Die deutsch-russische Zusammenarbeit in der Wissenschaft dringt gern in extreme Bereiche vor. Das ewige Eis von Arktis und Antarktis wird in der gemeinsamen Polar- und Meeresforschung erkundet, die unendlichen Weiten des Alls in der traditionsreichen Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Und der gigantische Röntgenlaser European XFEL, dessen Entwicklung in Hamburg Deutschland und Russland federführend vorantreiben, soll einmal bisher noch nie dagewesene Einblicke in die Welt der Moleküle bieten.

Der European XFEL ist neben dem in der hessischen Universitätsstadt Darmstadt angesiedelten FAIR-Projekt (siehe Seite 34) ein herausragendes Beispiel für die deutsch-russische physikalische Grundlagenforschung an Großgeräten. Wie bei FAIR sind auch beim XFEL Deutschland und Russland finanziell am stärksten involviert: Von den Baukosten für die erste Ausbaustufe der XFEL-Anlage einschließlich sechs Messstationen (rund 1 Milliarde Euro) trägt Deutschland knapp 600 Millionen, Russland als größter Partner 250 Millionen Euro. Der enorme finanzielle Aufwand dient unter anderem dem Ziel, einmal Moleküle bei chemischen Reaktionen filmen zu können – und dadurch etwa wertvolle Fortschritte für die Medizin zu ermöglichen.

Großes Potenzial für die medizinische Forschung besteht auch im Bereich der biologischen Forschung und Biotechnologie, dessen Beitrag zum Verständnis lebender Organismen ungeahnte Möglichkeiten in der Aufklärung von Krankheiten eröffnet. Umwelt- und Ernährungsforschung setzen ebenfalls auf die Erkenntnisse der Biowissenschaften. Deren vielfältige Chancen waren auch Thema auf dem im Oktober in Hannover veranstalteten Deutsch-Russischen Forum Biotechnologie 2011. Hier wurde die neue russische Technologieplattform Bioindustry and Bioresources (BioTech2030) präsentiert, die als Schnittstelle zwischen den einzelnen Biotechnologiesparten dient und mit dem deutschen Cluster Industrielle Biotechnologie vernetzt ist.

Thematisch ähnlich weit gefächert wie die Bio-wissenschaften ist das Feld der Nanotechnologie. Dies zeigt etwa die Arbeit des deutsch-russischen Forschungszentrums „Multifunktionale nanostrukturierte Materialien“, dessen innovative Materialentwicklungen so unterschiedliche Bereiche wie Kosmetik, Landwirtschaft und Textilindustrie betreffen. „Energierelevante Nanomaterialien“ stehen derweil im Mittelpunkt einer neuen Institutspartnerschaft zwischen der Universität Ulm und der Moskauer Lomonossow-Universität. Eines der Hauptziele: Impulse zur Entwicklung verbesserter Batteriesysteme für Elektroautos.

Die Lomonossow-Universität ist zudem an einer weiteren bedeutenden Institutspartnerschaft beteiligt: Anlässlich der Eröffnung des deutsch-russischen Wissenschaftsjahres im Mai 2011 wurden die Gründungsdokumente für ein Gemeinschaftsinstitut der Universität mit dem Laser-Zentrum Hannover unterzeichnet. Die Kooperation erreicht eine neue Dimension der institutionellen Zusammenarbeit: Erstmals ist es gelungen, eine sogenannte nicht-kommerzielle Partnerschaft zwischen einer russischen Universität und einem deutschen Institut als juristische Person zu verwirklichen.

Gegenüber all diesen neuen Formen der Zusammenarbeit wirken die beiden herausragenden Institutionen der deutsch-russischen Polar- und Meeresforschung fast schon wie Klassiker. Das Otto-Schmidt-Labor wurde bereits im Jahr 2000 gegründet und prägt vom russischen Arktis- und Antarktis-Forschungsinstitut (AARI) in St. Petersburg aus unter anderem die Entwicklung innovativer Technologien für Forschungsarbeiten in Polargebieten. Der deutsch-russische Masterstudiengang für Polar- und Meereswissenschaften POMOR feiert indes 2012 sein zehnjähriges Bestehen. Und der neue POMOR-Jahrgang mit 16 Studierenden aus St. Petersburg, Nowosibirsk und Lübeck wird seinen Teil dazu beitragen, dass die deutsch-russischen Wissenschaftsbeziehungen sich auch in Zukunft weiterentwickeln.///

„Partnerschaft der Ideen“

Als sie im Mai 2011 gemeinsam mit ihrem russischen Amtskollegen Andrej Fursenko das „Deutsch-Russische Jahr der Bildung, Wissenschaft und Innovation 2011/12“ eröffnete, verband Bundesforschungsministerin Annette Schavan in ihrer Rede Tradition und Zukunft der deutsch-russischen Zusammenarbeit: „Wir stehen in einer langen Geschichte der Kooperation und des Austausches. Dies wollen wir in diesem Jahr intensivieren und neue Formen der Zusammenarbeit aufbauen.“

Zu diesen neuen Formen soll vor allem die gemeinsame, deutsch-russische Trägerschaft von Forschungsinstitutionen zählen. Der Ausbau der institutionellen Zusammenarbeit, verbunden mit einer Stärkung der Spitzenforschung, zählt zu den vier Hauptzielen des unter dem Motto „Partnerschaft der Ideen“ stattfindenden Wissenschaftsjahres. Auch soll die Rolle der angewandten Forschung als Motor der Modernisierung und Innovation gestärkt werden. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist der Anteil deutscher Unternehmen und Wissenschaftler am neuen Forschungszentrum Skolkowo-Park unweit von Moskau, das sich zu einer weltweit führenden Innovationsschmiede entwickeln soll.

Die beiden weiteren zentralen Ziele des Wissenschaftsjahres betonen die Rolle der Jugend beider Länder für die Zukunft von Wissenschaft und Bildung. Der Aufbau bilateraler Berufsbildungspartnerschaften soll dabei helfen, die in Deutschland etablierte Kooperation staatlicher und privatwirtschaftlicher Institutionen im Bereich der beruflichen Bildung auch in Russland zu stärken. Mit der Zielsetzung „Wissenschaftlicher Nachwuchs als Bindeglied für lebendige Partnerschaft“ ist schließlich der vierte Themenblock des deutsch-russischen Wissenschaftsjahres überschrieben. Ein herausragendes Projekt ist hier der Aufbau einer deutsch-russischen Jungen Akademie, die in Zukunft als dauerhafter Begegnungsort talentierter Nachwuchswissenschaftler aus Deutschland und Russland dienen wird. Das Potenzial der Jugend machten die Minister Schavan und Fursenko unlängst auch in einem gemeinsamen Zeitungsbeitrag deutlich: „Das ist der Leitgedanke unseres deutsch-russischen Wissenschaftsjahres: Was wir heute tun, muss stimmig sein für die Jugend und für künftige Generationen. Wir wollen jetzt für junge Menschen in unseren beiden Ländern die Möglichkeit schaffen, in der langen Tradition russisch-deutscher Wissenschaftsbeziehungen das nächste Kapitel schreiben zu können.“

16.12.2011
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