Herr Professor Grucza, in Deutschland gehört die Germanistik zu den beliebtesten Studienfächern. Wie attraktiv ist das Germanistik-Studium heute im Ausland?
Die Germanistik hat auch außerhalb Deutschlands den Ruf eines recht attraktiven Faches. Gegenwärtig ist sie in beinahe allen Ländern der Welt vertreten, wenn auch nicht überall gleich stark. Germanistik ist heute nicht nur ein internationales, sondern ein globales Fach par excellence. Es floriert in der Regel dort, wo zu deutschsprachigen Ländern, vor allem zu Deutschland, neue wirtschaftliche oder politische Kontakte aufgenommen oder alte Beziehungen intensiviert werden. Und dort, wo die Vertreter des Faches rechtzeitig eingesehen haben, dass sie nicht bloß Wissen über ihre klassischen Gegenstände vermitteln, sondern ihre Studenten so ausbilden müssen, dass sie auf dem jeweiligen Arbeitsmarkt zu gefragten und erfolgreichen Fachkräften werden können.
Sehen Sie Unterschiede zwischen der Germanistik im Ausland und in Deutschland?
Das lässt sich nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Die Auslandsgermanistik ist weltweit weder ein homogenes noch ein gleich ausgestaltetes Fach und darf auch nicht überall nach ein und demselben Muster geführt werden. Weitgehend andere Aufgaben als die Inlandsgermanistik hat sie nicht nur im Zusammenhang mit ihrem Output, sondern auch im Zusammenhang mit ihrem Input zu bewältigen. Die Germanistik in den deutschsprachigen Ländern muss nicht darum bangen, dass sich bei ihr eines Tages keine Studierenden mehr einschreiben oder dass diese Kandidaten über keine Deutschkenntnisse verfügen. Die Auslandsgermanistik muss aber damit rechnen. Um dem Eintritt eines solchen fatalen Zustands vorzubeugen, muss sie selbst Sorge dafür tragen, dass der Deutschunterricht an den Schulen ihres Landes von gut qualifizierten Lehrern möglichst erfolgreich durchgeführt wird.
Was fasziniert Sie an der Germanistik?
Ich bin durch einen Zufall Germanist geworden. Anfangs hat mich das Fach überhaupt nicht fasziniert. Aber weil ich die Perspektive hatte, das Studium in Leipzig fortsetzen zu können, bin ich am „germanistischen Ball“ geblieben. Zu faszinieren begann es mich erst viel später: als ich entdeckte, dass ich mit meinem germanistischen Wissen viel zur polnisch-deutschen Versöhnung und Verständigung beitragen kann und als ich die ungeheure strukturelle Komplexität menschlicher Sprachen und die Spracherzeugungspotenziale menschlicher Gehirne zu ahnen und mich darauf vorzubereiten begann, zum Begreifen dieser Komplexität und dieser Potenziale beizutragen. //














