Selbstwusst und strahlend – so zeigt sich die neue Generation der deutschen Filmemacher. Der Zwei-Meter-Mann Florian Henckel von Donnersmarck reckt im Kodak Theatre in Los Angeles seinen langen Arm mit dem Oscar in die Luft. Seht her, hier bin ich und ich hab’s verdient. Beim Deutschen Filmpreis 2008 muss Fatih Akin gleich viermal auf die Bühne. Sein Drama „Auf der anderen Seite“ gewinnt die begehrte Lola in Gold für den besten Spielfilm und drei weitere Preise für die beste Regie, das beste Drehbuch, den besten Schnitt. „Danke, danke, danke“, mehr kann er beim vierten Mal am Mikrofon gar nicht mehr sagen, überglücklich und stolz. Blitzlichtgewitter, Applaus, das deutsche Kino hat wieder echte Regiestars. Und vor allem: Es hat richtig gute Filme.
Packende Geschichten, oft aktuelle, authentische Stoffe, eine hohe Professionalität und der Wille und die Begabung, ein großes Publikum anzusprechen – das verbindet die neue Generation der deutschen Regisseurinnen und Regisseure zwischen Anfang dreißig und Mitte vierzig. Sie erzählen oft Geschichten aus dem echten Leben, aus Deutschland. Es geht um Alltag, Liebe, Familie, Macht und Verführung, das Leben zwischen den Kulturen, auch um Themen der jüngeren Zeitgeschichte. „Die Filmemacher gehen und sehen dahin, wo es wehtut und wichtig ist“, sagt Alfred Holighaus, Leiter der Berlinale Sektion „Perspektive deutsches Kino“. Es sind oft ernsthafte Geschichten – aber sie werden geradeheraus erzählt, bewegend und ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder Larmoyanz.
Gerade diese ernsten Themen kommen im Ausland gut an: Auf den Festivals von Cannes bis Sundance ist der deutsche Film wieder eine feste Größe. Seit 2003 Caroline Link den Auslandsoscar für „Nirgendwo in Afrika“ gewann und im gleichen Jahr „Good Bye, Lenin!“ von Wolfgang Becker beim Europäischen Filmpreis triumphierte, hält der Aufschwung für den deutschen Film an: Ein Jahr später eroberte Fatih Akin mit „Gegen die Wand“ spektakulär die Jurys der Berlinale, des Deutschen und des Europäischen Filmpreises. 2007 kam der Oscar für das DDR-Stasispitzeldrama „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel von Donnersmarck. Fatih Akin zog nach mit dem Preis für das beste Drehbuch bei den Filmfestspielen von Cannes für „Auf der anderen Seite“. 2008 bekam Andreas Dresen hier einen Sonderpreis für „Wolke 9“, die ungewöhnlich gedrehte Liebesgeschichte eines reifen Paares, und Christian Petzold ging mit „Jerichow“ in den Hauptwettbewerb der Biennale von Venedig. Seine tragische Dreiecksgeschichte um einen arbeitslosen Ex-Soldaten spielt in der ostdeutschen Provinz. Gewonnen hat er nicht – aber es gab viel Lob von der Kritik. „Der wesentliche Unterschied zu den Jahren vorher ist, dass es eine Kontinuität an guten Filmen gibt“, sagt Filmkenner Holighaus.
Nicht nur künstlerisch, auch kommerziell sind viele Filme erfolgreich. „Das Leben der Anderen“ ist inzwischen in mehr als 130 Länder verkauft worden. Und im ersten Halbjahr 2008 haben immerhin fünf deutsche Kinofilme die Millionengrenze in Deutschland durchbrochen. Akin, Donnersmarck & Co. wollen auch ganz bewusst ein großes Publikum erreichen.
„Beim Drehbuch von ,Nordwand‘ wusste ich, dass das ein Genre ist, das möglicherweise viele Leute ins Kino lockt“, sagt auch der Münchner Regisseur Philipp Stölzl. Sein Bergsteigerdrama, seit Herbst 2008 in den Kinos, spielt in den dreißiger Jahren. „Ein Abenteuerfilm, grausig, dramatisch, mit dieser politischen Zeitgeschichte drum rum, ein tolles Thema, richtiges Kino“. Bildgewaltig erzählt Philipp Stölzl die Geschichte eines Scheiterns, spannend bis zur letzten Minute, inklusive 40 Drehbuchseiten Schneesturm. Kein Action-Spektakel ist das geworden, sondern ein Film, der so real wirkt, als klettere man mit durch Fels und Eis. „Letztendlich machen wir ja alle nur die Filme, die wir selber sehen wollen“, bringt Oscargewinner Donnersmarck das Erfolgsrezept auf den Punkt.














