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Gegenseitiger Respekt

Zwei große Reden hielt Bundespräsident Wulff im Oktober: Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober in Bremen und sechzehn Tage später vor der Großen Nationalversammlung der Türkei. Hatte er zunächst in Bremen die wachsende Bedeutung des Islams für Deutschland herausgestellt, spiegelte er in Ankara seine Worte: „Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei.“ Neben der ersten Rede eines deutschen Staatsoberhauptes vor dem türkischen Parlament waren Gespräche mit Staatspräsident Gül und Premierminister Erdogan sowie die Grundsteinlegung zur neuen deutsch-türkischen Universität in Istanbul weitere Höhepunkte der Reise des Bundespräsidenten.

Wulff betonte in seiner Rede vor der Großen Nationalversammlung die Rolle der Religion beim Thema Integration: „In Deutschland ausgebildete islamische Religionslehrerinnen und Religionslehrer und in Deutschland ausgebildete Imame werden in Zukunft zu einer erfolgreichen Integration beitragen.“ Auch Einwanderer aus der Türkei hätten Deutschland vielfältiger, offener und der Welt zugewandter gemacht. Der offene und respektvolle Dialog sei Voraussetzung für erfolgreiche Integration. Wulff zeigte sich dankbar für jüngste Aufrufe von Staatspräsident Gül, Premierminister Erdogan und Europaminister Bagis zur Integration. Der Bundespräsident nannte die zunehmende Zahl neuer Moscheen ein deutliches Symbol dafür, dass Muslime in Deutschland ihren Glauben in einem würdigen Rahmen praktizieren könnten. Er fügte an: „Gleichzeitig erwarten wir, dass Christen in islamischen Ländern das gleiche Recht haben, ihren Glauben öffentlich zu leben, ihren eigenen theologischen Nachwuchs auszubilden und Kirchen zu bauen.“

Der Bundespräsident begrüßte die aktive Außenpolitik der Türkei, so zum Beispiel die jüngste Annäherung zwischen der Türkei und Armenien und forderte die Parlamentarier auf, diesen Weg durch die Ratifizierung der Protokolle zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen fortzusetzen. „Der Türkei kommt eine gesteigerte Verantwortung wegen ihres Ansehens in der Welt zu.“ Wulff lobte ausdrücklich die in der Türkei geplanten Verfassungsänderungen: „Die Türkei nähert sich mit diesen Reformen erneut ein Stück europäischen Standards an.“ Wie zuletzt auch Außenminister Guido Westerwelle bei seiner Türkei-Reise im Juli, betonte Wulff das besondere Interesse Deutschlands an einer Anbindung der Türkei an die Europäische Union.////

28.10.2010
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