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Das neue deutsch-russische Exzellenzzentrum Berlin-St. Petersburg

„Forschung auf höchstem Niveau“

Was die Zivilgesellschaft erreichen kann, zeigt eine Stiftung für den deutsch-russischen Jugendaustausch

Interview: Rainer Stumpf

Eckart Rühl

Herr Rühl, die Freie Universität Berlin hat sich bei Ihrem Konzept für ein internationales Exzellenzzentrum für einen russischen Partner entschieden. Wie kam es zu der Kooperation mit der Staatlichen Universität St. Petersburg?

Wir arbeiten mit unserem russischen Partner schon länger erfolgreich zusammen. Der Beginn unserer Kooperation reicht schon über 40 Jahre zurück. In den vergangenen Jahren hat die Freie Universität Berlin gemeinsam mit der Staatlichen Universität St. Petersburg ein deutsch-russisches Labor an der Speicherring-Anlage BESSY-II am Helmholtz-Zentrum Berlin aufgebaut. Dort nutzen wir gemeinsam so genannte Synchrotronstrahlung, die unter anderem in der Oberflächenphysik und in den Materialwissenschaften für Strukturuntersuchungen benötigt wird. Darüber hinaus fördern wir seit vielen Jahren gemeinsam mit dem DAAD den Austausch von Studierenden zwischen beiden Universitäten mit dem Leonhard-Euler-Programm. Das ermöglicht herausragenden russischen Studierenden ein Stipendium und einen einmonatigen Besuch an der Freien Universität Berlin. Das heißt, wir zaubern das neue Exzellenzzentrum nicht aus dem Hut, sondern können auf den gewachsenen Strukturen aufbauen.

Was macht gerade diese russische Hochschule für Sie so interessant?

Es gibt zwischen Deutschland und Russland zahlreiche Kooperationen auf dem Gebiet der Naturwissenschaften. Dennoch muss man sich natürlich fragen, mit wem man eine Kooperation aufbauen möchte. Bei allen Hochschul-Rankings tauchen immer wieder zwei russische Städte auf: Moskau und St. Petersburg. Das sind die akademischen Top-Plätze in Russland. Die Freie Universität ist froh darüber, St. Petersburg als Partner gewonnen zu haben.

Was genau wird das deutsch-russische Exzellenzzentrum Forschern und Studierenden bieten?

Auf breiter Basis wird es möglich sein, nicht nur einzelne Doktoranden oder Studierende von Russland nach Berlin einzulanden, sondern einen lebendigen Austausch zu unterstützen. Wir hoffen, dass es in einigen Jahren normal ist, dass deutsche Studierende, Forscher und Professoren nach Russland gehen. Dafür müssen wir verschiedene Fächer interdisziplinär zusammenführen. In unserem Fall werden das Physik, Geophysik, Physikalische Chemie und Mathematik sein. Im Fach Materialwissenschaften wollen wir unsere Erfahrungen aus der BESSY-II-Arbeit nutzen, um die Synchrotronstrahlung für die Untersuchung neuer Materialen einzusetzen. An dem Exzellenzzentrum in St. Petersburg, aber auch in Berlin und anderen Orten in beiden Ländern planen wir fächerübergreifende Workshops, um neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf höchstem Niveau zu erhalten. Es wird im neuen Exzellenzzentrum Anlaufstellen für koordinierte Forschung und Lehre geben. Geplant ist darüber hinaus, dass Dozenten aus dem einen im jeweils anderen Land Kompaktkurse geben. Ein längerfristiges Ziel besteht daher auch in gemeinsamen deutsch-russischen Studienabschlüssen.

Wann werden Sie mit der Forschung und Lehre in dem Exzellenzzentrum beginnen?

Einen genauen Termin haben wir noch nicht. Der Start wird aber noch 2009 sein. Klar ist auch: Der Auftakt für das Exzellenzentrum wird an dessen Sitz an der Universität St. Petersburg sein.

Anders als die Exzellenzzentren in Thailand, Chile und Kolumbien hat das deutsch-russische Projekt eine Vielzahl von Teilnehmern. Welche russischen und deutschen Partner unterstützen die Arbeit der FU und der Universität St. Petersburg?

In Russland sind das über 15 andere Institutionen, zu denen auch Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften, die Lomonosow-Universität Moskau sowie andere namhafte Universitäten Russlands gehören. Auf deutscher Seite ist es eine ähnliche Anzahl von Partnerinstitutionen. Dabei sind unter anderem die Universitäten in Berlin, Dresden, Heidelberg, Greifswald, Leipzig, Osnabrück, Erlangen und Gießen sowie Max-Planck-Institute, das Helmholtz-Zentrum Berlin, das Forschungszentrum Karlsruhe und das Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt. Das Interesse an einer Mitarbeit ist in beiden Ländern sehr groß, so dass im Wettbewerb die besten Ideen gefördert werden können.

Wie beurteilen Sie die Außenwissenschaftsinitiative, in deren Rahmen das Exzellenzzentrum eröffnet wird?

Einen Antrag, wie jenen für unser Exzellenzentrum, hätten wir ohne sie niemals stellen können. Dank der Initiative können wir den Wissenschaftlern in beiden Ländern etwas Neues bieten, eine intensive Art der Zusammenarbeit. Wir bekommen die einmalige Chance, Mobilität und Ausbildung mit Wissenschaft zu kombinieren.

Wie groß ist überhaupt das Interesse von russischer Seite aus an einer Zusammenarbeit mit Deutschland?

Sehr groß! Wie ich schon gesagt habe, sind viele russische Institutionen an dem neuen Exzellenzentrum interessiert. Das zu erleben, war für mich eine neue und sehr schöne Erfahrung.

21.07.2009
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