Ein Filmfest wird volljährig: An seinem 18. Geburtstag erlebte das FilmFestival Cottbus einen neuen Besucherrekord – und erhielt persönliche Glückwünsche von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier
Der Ehrengast sparte nicht mit Superlativen: „Das Festival ist zum wichtigsten Treffpunkt der osteuropäischen Filmszene geworden“ und sei inzwischen das wichtigste deutsche Kinotreffen nach der Berlinale. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte daher gern die Schirmherrschaft für das 18. FilmFestival Cottbus übernommen. Die Bilanz der Festspiele ist eindrucksvoll: Sechs Tage lang, vom 11. bis zum 16. November 2008, wurden 136 Produktionen aus 30 Ländern präsentiert. 500 Fachbesucher aus aller Welt folgten der Einladung nach Ostdeutschland, über 17000 Kinoenthusiasten sorgten für volle Kinosäle. Im Fokus des Festivals stand „Neues Kino aus dem Baltikum“, ein Schwerpunkt, der Filmschaffende aus den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen sowie aller weiteren Ostseeanrainer zusammenführte.
Die Bedeutung des Filmfestes gehe jedoch weit über das Thema Kino hinaus, erklärte Steinmeier in seiner Eröffnungsrede. Es sei ein europaweit einzigartiger Treffpunkt für Ost und West: „Mit dem Festival setzt Deutschland auch ein politisches Zeichen: für die kulturelle Nachbarschaft und Gemeinschaft mit unseren östlichen Nachbarn, für einen lebhaften kulturellen Austausch mit den Ländern Osteuropas und für gemeinsame Ideen und Projekte weit über den Bereich des Films hinaus.“ In diesem Zusammenhang hob der deutsche Außenminister vor allem den „Russischen Tag“ heraus, der in Cottbus 2008 erfolgreich etabliert wurde: „Ich finde das gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussionen in Europa ganz besonders hilfreich. Denn hier wird das versucht und vorbereitet, was wir in der Politik nicht immer so ganz problemlos zustande bringen: der Brückenschlag zwischen Europa und Russland.“ Kultur könne hier eine Vorreiter-rolle spielen.
Festivaldirektor Roland Rust nannte weitere Gründe für die herausragende Rolle Russlands auf dem Festival: „Wir wollten der überwältigenden Entwicklung des russischen Kinos Rechnung tragen. In den vergangenen sechs, sieben Jahren ist Russland mit Abstand zum größten Filmproduzenten Osteuropas geworden. Das russische Kino bietet derzeit alles: vom Blockbuster bis zum Low-Budget-Experiment, vom Genrefilm bis zur Arthouse-Produktion. Auch die künstlerische Qualität der meisten Filme ist einfach überzeugend.“
Zum Auftakt des „Russischen Tages“ hatte Rust ein deutsch-russisches Branchentreffen organisiert, in dem sich unter anderem Produzenten und Regisseure beider Länder trafen. Mit einem erfreulichen Ergebnis: Ein deutsch-russisches Filmabkommen, das bereits seit Jahren geplant ist, soll nun bis zur Berlinale im Februar 2009 unterschriftsreif sein. Koproduktionen sollen damit wesentlich erleichtert werden. Damit möglichst schnell die Zahl der deutsch-russischen Filmproduktionen steigt, möchte auch das FilmFestival seinen Beitrag leisten. Bundesaußenminister Steinmeier kündigte an, dass 2009 in Cottbus eine bilaterale Meisterklasse für Nachwuchstalente in den Bereichen Drehbuch, Regie und Produktionen eingerichtet wird.














