Herr Dr. Vesper, als Chef de Mission leiten Sie die deutsche Delegation bei den Olympischen Spielen. Mit welchen Erwartungen fahren Sie nach Peking?
Wir haben drei Ziele: Wir wollen sportlichen Erfolg, wir wollen ihn unbedingt sauber erzielen und wir wollen würdige Vertreter Deutschlands sein. Dazu gehört, dass wir unsere Grundwerte – und dazu zählen natürlich auch die Menschenrechte – in China vermitteln.
Welche sportlichen Ambitionen hat das Olympiateam? In welchen Sportarten ist Deutschland gut aufgestellt? Und wie wichtig ist Ihnen die Nationenwertung?
Seit Barcelona 1992 holen wir leider immer weniger Medaillen bei Olympischen Sommerspielen. Diesen Trend, der in Athen 2004 zum Tiefpunkt führte, wollen wir stoppen. Wir wollen also mindestens ebenso gut abschneiden wie vor vier Jahren, möglichst besser. Dabei werden uns hoffentlich die Sportarten helfen, in denen wir traditionell stark sind: Kanu etwa oder Reiten. Aber das wird nicht reichen. Wir müssen auch in der Leichtathletik und im Schwimmen zulegen. Ob man es will oder nicht – anhand der Nationenwertung wird der Erfolg oder Misserfolg einer Mannschaft bewertet. Dabei sind auch der vierte oder fünfte Platz großartige Leistungen.
Olympia ist mehr als Sport. Was unternimmt der DOSB zur Förderung der Olympischen Idee?
Wir haben vor einem Jahr die Deutsche Olympische Akademie Willi Daume gegründet. Sie soll helfen, die olympische Idee weiter zu denken und zu verbreiten. Ende Juli veranstalten wir in Berlin einen großen Kongress zum Thema „Sport – Vorbild und Spiegelbild der Gesellschaft“, auf dem wir grundlegende Fragen der olympischen Bewegung diskutieren werden.
Bei den Olympischen Spielen steht der Leistungssport im Mittelpunkt. Welche Bedeutung hat der Breitensport für den DOSB? Und in welchen Bereichen liegen die Schwerpunkte?
Entgegen manchen Befürchtungen ist der Breitensport in den vergangenen Jahren nicht ins Hintertreffen geraten. Im Gegenteil, wir haben eine ganze Reihe neuer Aktivitäten entfaltet, so etwa die Aktion „Deutschland sucht die aktivste Stadt“. Der Breitensport in all seinen Facetten lebt und wir brauchen ihn auch als Fundament für die Aktivitäten im Spitzensport. Dazu gehört unser Engagement im Bereich Integration, vor allem aber auch das Themengebiet Gesundheit. Unser Slogan lautet „Sport bewegt“ – das spricht für sich.
Sport ist längst ein Wirtschaftsfaktor. Wie weit sind die meist ehrenamtlichen Strukturen noch zeitgemäß und mit anderen gesellschaftlichen Entwicklungen vereinbar? Und wie ist das „deutsche Modell“ im internationalen Vergleich positioniert?
Im Hinblick auf die Wahrnehmung als Wirtschaftsfaktor ist Sport nicht gleich Sport. Den Fußball kann man nicht vergleichen mit Judo, und die Profiligen in einigen Spielsportarten haben wenig gemein mit anderen Sportarten, für die sich nur wenige interessieren. Gerade deswegen setzt der Sport weiterhin auf seine ehrenamtlichen Strukturen. Wer sonst als unsere vielen Millionen Ehrenamtlichen soll denn die wichtigen gesellschaftspolitischen Aufgaben des Sports erbringen? Der Sport leistet gemeinnützige Arbeit in den Bereichen der Integration, der Gesundheitsvorsorge, der Rehabilitation und nicht zuletzt der Wertevermittlung. Da ist Deutschland im internationalen Vergleich durchaus ein Modell.
Durch die Fusion des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) und des Deutschen Sportbundes (DSB) zum Deutschen Olympischen Sportbund hat der DOSB an Einflussmöglichkeiten gewonnen. Welche gesellschaftliche Rolle will der DOSB in Zukunft spielen.? Und was sind die Ziele?
Wie stark der DOSB in der Politik positioniert ist, merke ich ganz persönlich daran, dass ich mit sehr vielen meiner ehemaligen Kolleginnen und Kollegen aus der Politik ständig zusammentreffe. Der DOSB mit seinen 27 Millionen Mitgliedern ist ein starker Partner für die Durchsetzung gesellschaftspolitischer Ziele. Wenn die Bundesregierung eine Aktion „Fit statt fett“ startet: Wie will sie die denn umsetzen, wenn nicht über den organisierten Sport? Wie wollen wir unsere Kinder zu mehr Bewegung motivieren, wenn nicht durch Sport? Darum sind wir der festen Überzeugung, dass es endlich an der Zeit ist, den Sport als Staatsziel im Grundgesetz zu verankern.
Ein großes Projekt kündigt sich bereits an: München bewirbt sich um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018. Wie ist der Projektstand? Und wie schätzen Sie die Erfolgsaussichten ein?
München ist eine starke Bewerbung. Zum ersten Mal will ein Austragungsort für Sommerspiele nun auch die Winterspiele veranstalten. Münchens größtes Plus ist sicherlich die Kompaktheit der Sportstätten und die Nachhaltigkeit: Der Olympiapark von 1972 könnte wieder eingesetzt werden. Und Garmisch-Partenkirchen ist für die Schnee-Wettbewerbe geradezu ideal. Dort finden 2011 die Ski-Weltmeisterschaften statt. Deshalb hat München hervorragende Aussichten auf Erfolg.














