Mal eben von zu Hause aus durch das Atatürk-Gymnasium spazieren, per Mausklick durch die Türkische Zentralbank schlendern oder am Computerbildschirm einen Rundblick in die Residenz des Staatspräsidenten werfen. Alles möglich – dank der aufwändigen Panorama-Aufnahmen des Fotografen Çetin Ergand. Und dank des Goethe-Instituts Ankara, das die Aufnahmen als ein Element einer neuen umfangreichen Website präsentiert, die den Einfluss deutschsprachiger Architekten in Ankara anschaulich macht. Sie ist der multimediale Höhepunkt einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Architekturerbe durch das Goethe-Institut und die Architektenkammer der Türkei. Finanziert wurde das Projekt von der von den Außenministern Deutschlands und der Türkei ins Leben gerufenen Ernst-Reuter-Initiative. Erreichbar ist die Seite „Das Werden einer Hauptstadt – Spuren deutschsprachiger Architekten in Ankara“ über die Institutsadresse www.goethe.de/ins/tr/ank.
„Wir wollen die verschiedenen Werke auf lebendige Weise präsentieren“, sagt Dr. Thomas Lier, Leiter des Goethe-Instituts Ankara, über die insgesamt mehr als 60 Gebäude, Denkmäler und Büsten, die Architekten und Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in der türkischen Hauptstadt vor rund 75 Jahren errichteten. Vor allem die Flucht zahlreicher Architekten vor der Herrschaft der Nationalsozialisten in den 1930er-Jahren führte in der jungen Republik Türkei zu einem fruchtbaren Austausch rund um den Städtebau. „Das Werden der Republik drückt sich auch durch die zahlreichen symbolträchtigen Gebäude aus. Das findet man in dieser Dichte nur in Ankara“, hebt Thomas Lier hervor.
So hat der deutsche Architekt Bruno Taut etwa das Atatürk-Gymnasium und die Philologische Fakultät gestaltet. Der Österreicher Clemens Holzmeister zeichnete unter anderem für den Sitz des Staatspräsidenten und das türkische Parlamentsgebäude verantwortlich; der österreichisch-schweizerische Architekt Ernst Arnold Egli errichtete neben zahlreichen Schulgebäuden auch die Landwirtschaftliche Fakultät. 20 Gebäude, Denkmäler und Einrichtungen können auf der neuen Website im 360-Grad-Blickwinkel betrachtet werden, zusätzlich präsentiert die Seite detaillierte Informationen zu den unterschiedlichsten Gebäuden und Architekten. Eine digitale Übersichts- und zwei Stadtteilkarten laden zudem zum Entdecken der architektonischen Besonderheiten in der Stadt selbst ein.
Darüber hinaus hat das Goethe-Institut bereits Architekturführungen angeboten und Ausstellungen organisiert. Die vorerst letzte wird im März 2012 in Kayseri stattfinden. Und seit kurzem bündelt ein 1500 Seiten starker, auf Deutsch und Türkisch erschienener Katalog die Ergebnisse der Auseinandersetzung mit dem besonderen Architekturerbe Ankaras.///














