Gleich zu Beginn seines Studienjahres am Tecnológico de Monterrey taucht Timo Cordes tief in die mexikanische Kultur ein. Zusammen mit seinen mexikanischen Kommilitonen reist der 22-jährige BWL-Student aus Karlsruhe zur Zweihundertjahrfeier der Unabhängigkeit nach Mexiko-Stadt, besucht das berühmte Kulturfestival „Cervantino“ in Guanajuato und ein Straßentheater-Festival in Zacatecas. „Neben dem interessanten Studium und anregenden Konferenzen waren es vor allem die Reisen mit den mexikanischen Freunden, die meine Zeit hier unvergesslich machen“, schwärmt Cordes.
Insgesamt 1511 Stipendiaten hat der DAAD 2010 im deutsch-mexikanischen Austausch gefördert. In allen wissenschaftlichen und künstlerischen Fachrichtungen vergibt der DAAD Stipendien an deutsche und mexikanische Studierende, Doktoranden, Post-Docs und Hochschullehrer. „Mexiko ist bei deutschen Studierenden neben Argentinien, Chile und Brasilien eines der beliebtesten Ziele in Lateinamerika“, berichtet Alexander Au vom DAAD. „In der Lehre zählen Mexikos Universitäten zu den besten in ganz Lateinamerika.“ Mexikaner, die zum Studium nach Deutschland kommen, entscheiden sich oft für Ingenieurwissenschaften oder andere technische Studiengänge. Das erklärt auch den Erfolg des vom DAAD geförderten Masterprogramms ENREM – einer Kooperation der Fachhochschule Köln und der Universidad Autónoma de San Luis Potosí, die Fachkräfte in „Umwelt- und Ressourcen-Management“ ausbildet.
„Lateinamerika ist ein riesiger Markt, und deutsches Know-how ist dort sehr gefragt“, bestätigt Irma de Melo-Reiners vom Bayerischen Hochschulzentrum für Latein-amerika (BAYLAT) an der Universität Erlangen-Nürnberg. Allein in Brasilien gibt es 1200 deutsche Firmen mit insgesamt 250000 Mitarbeitern. „Sich in dieser Region auszukennen, ist eine Erfolgsgarantie für jeden deutschen Absolventen“, sagt de Melo-Reiners. Zur deutsch-brasilianischen Hochschulmesse des BAYLAT im Frühjahr 2011 kamen mehr als 1000 Besucher. Auch das Deutsch-Brasilianische Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011, eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, war ein Erfolg. Neben dem Ausbau bestehender Kooperationen im Bereich Umwelttechnologien, Medizintechnik, Energie, Bio- und Nanotechnologie wurde das BAYLAT-Projekt „Germanistik in Lateinamerika“ ins Leben gerufen. Auch sonst ist der Austausch rege: 349 Kooperationen zwischen deutschen und brasilianischen Hochschulen listet der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aktuell auf. 966 brasilianische Studierende und Graduierte befanden sich 2010 allein mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland, um einen Studien- oder Forschungsaufenthalt sowie Sprachkurse und Praktika durchzuführen. Künftig werden noch sehr viel mehr junge Brasilianerinnen und Brasilianer ein Studium in Deutschland aufnehmen: Ende Juli 2011 stellte die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff ein ehrgeiziges Regierungsprogramm für das Auslandsstudium vor: 75 000 Stipendien sollen brasilianische Studierende, Doktoranden und Wissenschaftler bis 2014 ins Ausland bringen – auch nach Deutschland.
Nach einer vorangegangenen Machbarkeitsstudie wurde 2009 das Deutsch-Argentinische Hochschulzentrum (DAHZ-CUAA) gegründet. Gefördert mit 1,14 Millionen Euro für die Jahre 2009 bis 2012 aus Mitteln beider Regierungen und der Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien, soll die neue Netzwerkuniversität einige bisher vorhandene und künftige deutsch-argentinische Studienmöglichkeiten unter einem Dach bündeln. 408 deutsche und 537 argentinische Stipendiaten hat der DAAD 2010 gefördert. Hinzu kommen nach Angaben der Hochschulrektorenkonferenz derzeit 130 Kooperationen deutscher und argentinischer Hochschulen. „Gefördert werden sollen vor allem Doppelabschlüsse“, sagt Reiner Mühlsiegl, der das Hochschulzentrum auf deutscher Seite koordiniert. Fast 80 Hochschulen aus Deutschland und Argentinien haben sich mit gemeinsamen Projekten um die jeweils 20000 Euro beworben, die das DAHZ-CUAA als Anschubfinanzierung für den Ausbau binationaler Kooperationen zur Verfügung stellt.
Auch mit Kolumbien und Chile besteht bereits ein lebendiger Austausch auf Hochschulebene. Hier sind es vor allem die DAAD-Exzellenzzentren „CEMarin“ in Santa Marta und das Heidelberg Center Lateinamerika (HCLA) in Santiago de Chile zu nennen. Zusammen mit zwei weiteren Zentren in Thailand und Russland wurden sie 2009 im Rahmen der „Außenwissenschaftsinitiative“ des Auswärtigen Amtes gegründet. „Das Exzellenzzentrum in Kolumbien soll eine führende Rolle in den marinen Wissenschaften in der Region einnehmen“, erklärt Professor Thomas Wilke, Programmdirektor des „CEMarin“ und Leiter der Arbeitsgruppe Spezielle Zoologie und Biodiversitätsforschung an der am Zentrum beteiligten Universität Gießen. Mit 1,5 Millionen Euro fördert der DAAD jedes Jahr zehn bis 14 junge Doktoranden. In Chile entwickelt das mit 2,1 Millionen Euro geförderte HCLA in Kooperation mit der Universidad de Chile und der Pontificia Universidad Católica de Chile Studien- und Weiterbildungsprogramme für den lateinamerikanischen Bildungsmarkt.














