Von Konstanz bis Kiel, von Aachen bis Dresden: Im Studienland Deutschland tut sich viel Neues – und die Hochschulen zeigen dabei Mut zu umfassenden Reformen. Professoren werden stärker nach Leistung bezahlt, Stiftungsuniversitäten gegründet, Studiengänge internationalisiert, und Studierende zahlen in einigen Bundesländern inzwischen – wenn auch vergleichsweise moderate – Studiengebühren. Hinzu kommt ein neuer Geist des Wettbewerbs, der die 383 deutschen Hochschulen erfasst hat und Aufbruchstimmung signalisiert. Studenten und Professoren diskutieren mehr denn je über Exzellenz und Elite. An den 103 Universitäten im Land kursieren Begriffe wie Zukunftskonzepte, Cluster und Graduiertenschulen. Der Auslöser: ein in Deutschland bisher einmaliger Wettbewerb – die Exzellenzinitiative. Mit ihr fördern Bund und Länder die universitäre Spitzenforschung und wollen Leuchttürme der Wissenschaft in Deutschland schaffen, die auch international ausstrahlen. Um diesem Ziel näherzukommen, werden von 2006 bis 2011 insgesamt 1,9 Milliarden Euro vergeben. Verteilt wird die Summe in einem Wettbewerb in drei Kategorien: Graduiertenschulen, Exzellenzcluster und Zukunftskonzepte.
Die Graduiertenschulen zählen zu den besonderen Stärken der deutschen Hochschulen. Sie bieten Doktoranden eine gut strukturierte und am neuesten Forschungsstand orientierte Ausbildung. In dieser auch international innovativen Form sind sie erst in den vergangenen Jahren in Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative entstanden. Ob in der „Bielefeld Graduate School in History and Sociology“ oder der „Graduate School of Computer Science“ der Universität des Saarlandes: Die von der Exzellenzinitiative ausgezeichneten 39 Graduiertenschulen, die jährlich mit je rund einer Million Euro unterstützt werden, bieten jungen Akademikern optimale Bedingungen für den Start ihrer Wissenschaftskarriere. Dem gleichen Ziel dient die Nachwuchsinitiative von Universitäten und der Max-Planck-Gesellschaft mit bisher 49 „International Max Planck Research Schools“. Auch die Helmholtz Graduate Schools bieten Doktorandenausbildung auf höchstem Niveau.
Bei den Exzellenzclustern werden international ausgerichtete Forschungszentren deutscher Universitäten gefördert, die mit außeruniversitären Forschungsinstituten, Fachhochschulen und der Wirtschaft kooperieren. Im Jahr gehen 6,5 Millionen Euro an 37 Exzellenz-Cluster. Klimaforschung steht etwa im Mittelpunkt der Arbeit von Naturwissenschaftlern, Ökonomen sowie Sozial- und Geisteswissenschaftlern der Universität Hamburg, die mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie und dem Deutschen Wetterdienst zusammenarbeiten.
Die dritte und letzte Kategorie der Exzellenzinitiative ist die prestigeträchtigste: die Zukunftskonzepte. Sie sollen das Forschungsprofil deutscher Universitäten stärken. Voraussetzung für die Förderung: eine Hochschule muss mindestens ein Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule sowie eine überzeugende Gesamtstrategie vorweisen. Wer alle drei Kriterien erfüllt, zählt zur Spitze und bekommt den begehrten Titel „Elite-Universität“. Die Auswahl traf ein Gremium aus internationalen Wissenschaftlern der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats.
In den ersten beiden Förderrunden, im Herbst 2006 und 2007, kürte die Jury neun Exzellenz-Universitäten in Aachen, Berlin, Freiburg, Göttingen, Heidelberg, Karlsruhe, Konstanz und München. Der Elite-Status bringt rund 21 Millionen Euro im Jahr zusätzlich für Forschung in die Universitätskasse – und einen unbezahlbaren Gewinn an Renommee. Vermehrte Anfragen von internationalen Universitäten und Unternehmen nach wissenschaftlicher Zusammenarbeit, ein verstärktes Interesse aus dem Ausland nach Promotionsstellen und eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Studienplätzen – so lautet ein erstes Fazit von Professor Horst Hippler, Rektor der Elite-Universität Karlsruhe.
Deutschland macht sich weiter fit für den internationalen Wettbewerb um die klügsten Köpfe. Schon jetzt ist es mit rund 250000 ausländischen Studierenden nach den USA und Großbritannien das beliebteste Studienland. Die Exzellenzinitiative ist nur eine von mehreren Strategien für einen attraktiven Studienstandort, der sich mit neuen Bachelor- und Masterabschlüssen statt der bisherigen Diplom- und Magisterstudiengänge weiter internationalisiert. Der „Hochschulpakt 2020“ von Bund und Ländern fördert den Ausbau von Lehrkapazitäten an den Hochschulen. Neue Impulse erfährt auch die Forschungslandschaft: In Deutschland, mit mehr als 250000 Wissenschaftlern eine der größten Forschungsnationen, fließen im Rahmen des „Hochschulpaktes 2020“ bis 2010 rund 700 Millionen Euro in die universitäre Forschungsförderung. Der „Pakt für Forschung und Innovation“ sichert den großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen bis 2010 einen jährlichen Anstieg ihrer Finanzen von mindestens drei Prozent. Insgesamt stellt die Bundesregierung bis 2009 rund 15 Milliarden Euro für Spitzentechnologien bereit. Führende internationale Forscherinnen und Forscher zeichnet Deutschland 2008 erstmals mit dem „Research in Germany Award“ aus. Der Preis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung ist mit bis zu fünf Millionen Euro dotiert. Die Preisträger sollen fünf Jahre lang an deutschen Hochschulen zukunftsweisende Forschung betreiben.
Deutschland mit Ideenreichtum und Kreativität voranbringen: Das will auch die 2006 beschlossene Hightech-Strategie. Ein Signal für mehr Innovationskraft, engere Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, darauf setzt diese Initiative. Potenziale in 17 Zukunftsbranchen wie der Energie-, der Bio- und Nanotechnologie oder der Medizintechnik sollen besser genutzt und so auch schneller neue Produkte auf den Markt gebracht werden. Eine erste Bilanz ist positiv: Es fließen mehr Investitionen in Forschung und Entwicklung. Das Ziel der Strategie: Deutschland soll eines der innovations- und forschungsfreudigsten Länder werden.














