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Ein Besuch an der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt

Eine Schule, zwei Abschlüsse

Die Deutsche Internationale Schule in Kapstadt (DSK) ist eine von vier Deutschen Auslandsschulen in Südafrika. An der DSK lernen rund 730 Schüler – darunter auch Kinder aus Townships

Von Katharina Nickoleit

Deutsche Schule Kapstadt

Die 6. Klasse der Deutschen Internationalen Schule Kapstadt – kurz DSK– ist eine fröhliche, quirlige Bande. Alle tragen die Schulkleidung: weiße Poloshirts mit dem Schriftzug und dem Emblem ihrer Schule. Während sie zum Sportplatz laufen, singen sie gemeinsam das Schullied. „Ich geh zur DSK, alles wunderbar, weil hier fast alles möglich ist.“ Sie singen die Strophe nicht nur ein, sondern gleich viermal – in Deutsch, Englisch, Xhosa und Afrikaans. Ja, die Schule ist international, und es sind längst nicht nur die Kinder deutscher Familien, die hier lernen. Sonia zum Beispiel ist Südafrikanerin, ihre Großmutter war Deutsche. „Meine Mutter wollte, dass ich Deutsch lerne, und sie findet, dass die DSK eine gute Schule ist“, erzählt die 11-Jährige, die als eine von rund 730 Schülerinnen und Schülern die DSK besucht.

Deutsch, das ist kein Geheimnis, ist keine ganz einfache Sprache, und nicht alle Schüler haben sie wie Sonia schon zu Hause in der Familie gelernt. Deshalb ist die Schule mehrzügig. Muttersprachler können die DSK bereits ab der ersten Klasse besuchen, für sie findet der Unterricht größtenteils auf Deutsch statt und die Schullaufbahn endet nach 13 Jahren (ab 2010 nach 12 Jahren) mit dem deutschen Abitur. Daneben gibt es die Begegnungsklassen für diejenigen, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Diese Schüler erhalten zusätzlich intensiv Deutschunterricht, und die regulären Schulstunden werden zweisprachig auf Deutsch und Englisch gehalten. Normalerweise steht am Ende der Schullaufbahn der südafrikanische Abschluss Matrik. Aber wer will und gut genug Deutsch spricht, kann zusätzlich auch das Abitur machen.

Die Deutsche Internationale Schule in Kapstadt hat eine lange Tradition – im vergangenen Jahr feierte sie ihr 125-jähriges Bestehen. Und sie hat den Ruf, weltweit die Deutsche Auslandsschule mit der schönsten Lage zu sein. Wer aus dem Fenster schaut, sieht die Atlantikküste auf der einen, den mächtigen Tafelberg auf der anderen Seite. Für Dirk Heiss war dies aber nicht der entscheidende Grund, an der DSK als Lehrer arbeiten zu wollen. „Die Ausstattung hier ist großartig. Statt normaler Tafeln haben wir in den Klassen zum Beispiel interaktive Whitebords für den Unterricht“, erzählt Heiss. Für Schulsport und kulturelle Veranstaltungen gibt es ein Schwimmbad, Tennisplätze, eine Bibliothek und ein Auditorium für Theaterstücke und Konzerte. Als private Einrichtung ist die Schule sehr gut ausgestattet – und trotzdem unter den Privatschulen in Kapstadt mit rund 100 Euro Schulgeld im Monat die günstigste. Möglich ist das, weil die Lehrer aus Deutschland entsendet werden und so keine Extrakosten für Lehrkräfte anfallen.

Die DSK zählt mit Johannesburg, Pretoria und Hermannsburg zu den vier Deutschen Auslandsschulen in Südafrika. Insgesamt gibt es in Subsahara-Afrika neun Deutsche Auslandsschulen, die von rund 3800 Kindern und Jugendlichen besucht werden. Der Großteil von ihnen ist nicht deutscher Nationalität. Deutsche Schulen sind beliebt, und das Interesse an der deutschen Sprache ist groß – das belegen die steigenden Schülerzahlen: Innerhalb der letzten fünf Jahre sind sie um zehn Prozent gestiegen.

In afrikanischen Ländern soll Deutsch als Fremdsprache weiter gefestigt und die schulische Zusammenarbeit mit Deutschland ausgebaut werden. Mit der weltweiten Auslandsschulinitiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (Pasch), die Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Anfang 2008 ins Leben gerufen hat, wird das Netz von Deutschen Auslandsschulen und Schulen, die das Deutsche Sprachdiplom anbieten, gestärkt und erweitert. In insgesamt 60 Ländern in Subsahara-Afrika wird mit Unterstützung von Pasch erstmals Deutschunterricht angeboten. Und dort, wo vereinzelt bereits Deutsch auf dem Stundenplan steht, wird das Angebot weiter ausgebaut.

Interesse an der deutschen Sprache weckt die Pasch-Initiative in Afrika auch mit verschiedenen Zusatzangeboten. So reiste von September 2008 bis Mai 2009 eine Gruppe von Theaterpädagogen aus Deutschland durch Afrika und organisierte an mehreren Schulen einwöchige Theaterworkshops für Deutschschüler und deren Lehrer. Rund 30 Schulen aus allen Teilen Afrikas nahmen an dem vom Goethe-Institut geförderten Projekt „Sprach-Fluss“ teil.

An der DSK möchte die Schulleitung auch Schülern aus einfachen Verhältnissen den Schulbesuch ermöglichen, und vergibt daher Stipendien an Kinder und Jugendliche aus Townships, die die Begegnungsklassen besuchen. Einer von ihnen ist Kululeko. Noch tut sich der 11-Jährige ein bisschen schwer Deutsch zu sprechen, aber er versteht schon das meiste. „Deutsch ist eine wichtige Sprache, die in Südafrika sehr verbreitet ist. Es ist gut, wenn man Deutsch kann“, sagt er. Kululeko wurde zusammen mit anderen Kindern von der DSK für eine Stipendium ausgewählt. In den Grundschulen der Townships von Kapstadt erhalten so talentierte Schülerinnen und Schüler die Chance auf eine Schulausbildung an der DSK. „Es ist uns wichtig, dass unsere Schüler hier nicht isoliert in einer Blase leben, sondern auch mit Kindern aus einfacheren Verhältnissen zusammentreffen“, erklärt Dirk Heiss das Engagement der Schule.

Im Hintergrund der kleinen Gesprächsrunde am Rand des Sportplatzes sind laute Anfeuerungsrufe zu hören. Heute ist Wettkampftag. Die Schüler der DSK treten in der Leichtathletik gegen andere Schulen an. Auch DSK-Stipendiat Kululeko muss wieder los, zum Staffellauf. Seine Schulkameraden machen sich ebenfalls auf den Weg. Ein paar Minuten später stehen sie auf der Tribüne und schwenken Plakate: „DSK – simply the best“ ist auf einem zu lesen. In voller Lautstärke singen sie dazu das Schullied: „Ich geh zur DSK, das ist doch klar, weil hier auch meine Freunde sind“. Kululeko läuft an, übernimmt den Stab, und überholt die Konkurrenz – der große Jubel seiner Klassenkameraden hallt laut über den Sportplatz. An der DSK weckt Schule Begeisterung.

www.dsk.co.za

07.07.2009
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