Wie macht man die Sprach- und Orientierungslosigkeit nach einer Gehirnverletzung für andere Menschen erfahrbar? Und wie lässt sich solch eine traumatische Erfahrung in einem Roman verarbeiten? Kathrin Schmidt, 1958 geboren im ostdeutschen Gotha, Diplompsychologin, Redakteurin und Sozialwissenschaftlerin, ist das Kunststück gelungen. Auf solch herausragende Weise, dass sie sich mit ihrem Werk „Du stirbst nicht“ beim Deutschen Buchpreis 2009 gegen 153 Konkurrenten durchgesetzt hat. Geehrt wurde die Schriftstellerin zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse am 12. Oktober 2009. Mit der Auszeichnung würdigt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels im Rahmen der weltgrößten Bücherschau alljährlich den besten deutschsprachigen Roman. Dotiert ist der Deutsche Buchpreis mit 25000 Euro.
„Der Roman erzählt eine Geschichte von der Wiedergewinnung der Welt. Silbe für Silbe, Satz für Satz sucht die Heldin, nach einer Hirnblutung aus dem Koma erwacht, nach ihrer verlorenen Sprache, ihrem verlorenen Gedächtnis. Mal lakonisch, mal spöttisch, mal unheimlich schildert der Roman die Innenwelt der Kranken und lässt daraus mit großer Sprachkraft die Geschichte ihrer Familie, ihrer Ehe und einer nicht vorgesehenen, unerhörten Liebe herauswachsen“, heißt es in der Begründung der Jury. Zur Welt, die Kathrin Schmidt aus Fragmenten zusammensetze, gehörten die zerfallende DDR, die Jahre zwischen der deutschen Wiedervereinigung und dem Beginn des 21. Jahrhunderts. „So ist die individuelle Geschichte einer Wiederkehr vom Rande des Todes so unaufdringlich wie kunstvoll in den Echoraum der historisch-politischen Wendezeit gestellt“, heißt es weiter. Kathrin Schmidt erhielt bereits zahlreiche Preise. Ihr 1998 erschienener Roman „Die Gunnar-Lennefsen-Expedition“ wurde unter anderem beim renommierten Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet. Die Autorin lebt in Berlin.














