Anfang März versprach der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva mehr Pressefreiheit für sein Land. Außerdem wolle er den Schutz der Journalisten und den Zugang zu öffentlichen Informationen verbessern. Dazu stellte Vejjajiva neue gesetzliche Bestimmungen in Aussicht. Nur vier Wochen nach der erfreulichen Ankündigung wurde ein Blogger in Bangkok wegen Majestätsbeleidigung zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte Bilder des thailändischen Königs und seiner Familie verfremdet und ins Internet gestellt.
Die auf den ersten Blick recht widersprüchlichen Signale aus Thailand stehen kennzeichnend für die Mediensituation in vielen Staaten Asiens. Klassische Formen der Zensur wie staatliche „Maulkörbe“ für unliebsame Themen, geschwärzte Fotos und Störsignale gegen ausländische Rundfunksender kommen aus der Mode. Immer mehr Parlamente und Regierungen verschreiben sich der Unabhängigkeit ihrer Medien. Andererseits müssen sich Medienunternehmen und Journalisten immer häufiger gegen den Vorwurf der Beleidigung und Verleumdung wehren und ihnen drohen bei einer Verurteilung hohe Geld- oder Gefängnisstrafen.
De jure kollidiert die Pressefreiheit mit dem Persönlichkeitsschutz; de facto nimmt die Zensur den Umweg über die Gerichtssäle. Denn oft reicht schon die Androhung einer Klage, um kritische Medien und Reporter mundtot zu machen. Der Umstand, dass dabei selbst in den liberaleren asiatischen Medienlandschaften, darunter Thailand, Taiwan und Südkorea, vermehrt auch Blogger und Onlinejournalisten ins Visier der Behörden geraten, ist neu, muss aber nicht verwundern, denn der Einfluss der „Netzreporter“ wächst rapide.
Was den herkömmlichen Massenmedien für eine Veröffentlichung zu heikel ist, findet sich im weltweiten Netz nur wenige Klicks entfernt dann doch. Blogger besetzen kontroverse Themen oder entlarven Medienartikel als plumpe Hofberichterstattung. Längst nicht jeder Onlinebeitrag ist seriös recherchiert. Aber in ein paar Jahren werden in Asien etwa eine Milliarde Menschen ans Internet angeschlossen sein. Und Blogs haben sich unter den „digital natives“, den unter Dreißigjährigen, als tägliche Informationsquelle etabliert, auch und gerade deshalb, weil in den Online-Tagebüchern zu finden ist, was in der Presse und im Rundfunk oft nicht berichtet wird.
1996 waren die Gefechtslinien zwischen der digitalen und der analogen Welt noch nicht gezogen. Das Internet steckte noch in den Kinderschuhen. Damals begann die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Asien mit einem regionalen Medienprogramm. Das Büro mit Sitz in Singapur ist weniger geographisch als thematisch festgelegt. Im Unterschied zu einem Landesbüro kann das Medienprogramm der Stiftung in fast allen Staaten der Region aktiv werden. Dabei konzentriert es sich inhaltlich auf Projekte zur Medienentwicklung und zur Politischen Kommunikation. Die Leiter des regionalen Programms kamen und kommen alle aus dem Medienbereich.
Das Onlinezeitalter dämmerte bei der Gründung zwar erst, „offline“ hat sich das Medienprogramm in Asien mit den Grundprinzipien der digitalen Kommunikation aber bereits sehr früh identifiziert. Ganz so wie im Internet dreht sich alles um den Dialog oder die grenzüberschreitende Interaktion. Zwar mögen sich die Veranstaltungen, Kurse, Workshops und Publikationen unter Umständen nur auf ein einzelnes Land beziehen oder auswirken – immer aber sind Partnermedien, Multiplikatoren, Redner, Autoren und Experten aus mehreren Ländern der Region einbezogen und werden alle Maßnahmen international kommuniziert. Das schafft nicht nur höhere Aufmerksamkeit, sondern bedeutet bei kritischen Themen auch größeren Schutz für die Akteure.
So nehmen an den Weiterbildungskursen des „Konrad Adenauer Asian Center for Journalism“ (ACFJ) auch Medienvertreter aus Myanmar, Laos, Vietnam und der Volksrepublik China teil. Vor knapp zehn Jahren wurde der Partner vom Medienprogramm als Institut der Ateneo-Universität in Manila gegründet. Bis heute haben zwischen 500 und 600 Journalisten aus knapp 30 Ländern die Kurse durchlaufen. Der wichtigste Partner bei der medienpolitischen Arbeit ist das „Asia News Network“ (ANN). Seine Aufgabe besteht darin, den Austausch von Medieninhalten innerhalb der AsieRegion zu intensivieren und zu verstetigen. Das Ziel ist ein möglichst breites Meinungs- und Informationsspektrum für die politische Entscheidungsfindung. Gut zehn Jahre nach seiner Gründung gehören dem Netzwerk 21 Zeitungen aus 19 Ländern an. Der Verbund mit Sitz in Bangkok gibt das Wochenmagazin ASIANEWS heraus. Die meisten Mitgliedszeitungen erscheinen in englischer Sprache. Insgesamt kommen die angeschlossenen Verlage auf eine tägliche Auflage von 14 Millionen Exemplaren. Damit ist ANN das größte Nachrichtensyndikat für Zeitungen in Asien.
Im Kreise der ANN-Chefredakteure und -Herausgeber stehen Spitzenpolitiker wegen der hohen Auflage gerne auch für Diskussionsrunden zur Verfügung. Seine Ankündigung für neue medien-rechtliche Bestimmungen gab Thailands Ministerpräsident Vejjajiva im März anlässlich einer Veranstaltung zum zehnjährigen Bestehen des Asia News Network. Über sein Versprechen für mehr Pressefreiheit berichtete sogar die China Daily. Erst auf Seite 11 zwar, aber immerhin.
*Der Autor ist Leiter des Medienprogramms Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung














