2005 wollte der US-Redakteur Jim Amoss zum ersten Mal mit der deutsch-amerikanischen Journalistenreise nach Deutschland fliegen. Damals machte der Hurrikan Katrina dem Chefredakteur der Zeitung „The Times-Picayune“ in New Orleans einen Strich durch die Rechnung. Aber der Zeitungsmacher übernahm kurzerhand die Rolle eines Korrespondenten: „Ich wurde zugeschaltet und habe meinen Kollegen aus Deutschland Bericht erstattet“, erinnert sich Amoss. Zwei Jahre später stand dem Transatlantikflug nichts mehr im Wege. Seit 2007 nimmt er nun an den jährlich stattfindenden Informations- und Begegnungsreisen teil, die auf einen kontinuierlichen Austausch zwischen deutschen und amerikanischen Journalisten setzen.
Die Reisen, die von der Robert Bosch Stiftung gemeinsam mit dem Center for Transatlantic Relations der Johns Hopkins University in Washington D.C. organisiert werden, richten sich an Redakteure renommierter Regionalzeitungen aus beiden Ländern. Sie treffen ihre journalistischen Kollegen, aber auch Experten aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Entstanden ist das Programm 2005, in einem Jahr kommen die Amerikaner nach Deutschland, im Jahr darauf die Deutschen in die USA. Die Stiftung verbindet mit dem engen Austausch das Ziel, ein größeres Verständnis für deutsche und amerikanische Themen zu wecken und die transatlantische Partnerschaft zu stärken.
Jenseits der Weltpolitik gibt es bei den Journalisten ein großes Interesse an den Begegnungen mit anderen Redakteuren. Jim Amoss schätzt es, losgelöst vom journalistischen Alltag, mit deutschen Journalisten ins Gespräch zu kommen, die ganz andere Erfahrungen aus dem Zeitungsgeschäft mitbringen. Es sei wichtig zu erfahren, wie die „anderen die Welt wahrnehmen“ und aus dem Isolationismus der lokalen Berichterstattung herauszukommen. Dadurch, dass Amoss viele Kollegen mehrmals getroffen habe, sei ein enger Kontakt entstanden, sagt er. Viele Redakteure verabreden sich auch jenseits der offiziellen Reisen zu gegenseitigen Redaktionsbesuchen. Jim Amoss hat zum Beispiel einen Kollegen bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ besucht und dort den Alltag in der Redaktion kennen gelernt.
Die Teilnehmer des Programms werden von den Organisatoren eingeladen – bei der Auswahl arbeitet die Robert Bosch Stiftung eng mit den Chefredakteuren der Zeitungen zusammen. Von deutscher Seite haben in den vergangenen Jahren Redakteure vom Berliner „Tagesspiegel“, der „Westdeutschen Zeitung“ und der „Leipziger Volkszeitung“ teilgenommen; von amerikanischer Seite Journalisten der „Chicago Tribune“, dem „San Francisco Chronicle“ und dem „Miami Herald“. Insgesamt sind es jeweils zehn Teilnehmer auf deutscher und amerikanischer Seite.
Im April 2009 waren die deutschen Journalisten auf USA-Besuch in Washington und Chicago – kurz nach der Wahl Barack Obamas zum US-Präsidenten ein äußerst interessanter Zeitpunkt. Sie diskutierten mit Vertretern aus dem Weißen Haus und dem Kongress, Experten von Think Tanks, mit Bürgerrechtler Jesse Jackson, mit Senatoren und mit Vertrauten aus dem Umfeld von Obama. Hauptthema: Die neue amerikanische Politik. Während der jüngsten Deutschlandreise 2008 ging es dagegen vor allem um Fragen der Sicherheitspolitik. Die demografische Entwicklung in der westlichen Welt, Bildung und Migration standen in den vergangenen Jahren ebenso im Mittelpunkt der Diskussionen
Mit der Konzentration auf Journalisten von Regionalzeitungen möchte die Bosch Stiftung die Qualität der Auslandsberichterstattung verbessern. Denn der Anteil internationaler Nachrichten werde in den regionalen Medien immer kleiner, sagt Sandra Breka, Leiterin des Berliner Büros der Robert Bosch Stiftung. Das geschehe zu Lasten der Leser, denn „man darf nicht vergessen, dass sich viele Bürger in den regionalen Blättern über Auslandsthemen informieren“. In der Stiftung werde jedoch gerade diskutiert, ob der Fokus Regionalzeitung erhalten bleibt. Denn das Interesse an den Reisen ist bei Journalisten aller Sparten sehr groß – künftig wird das Angebot möglicherweise auch auf andere Medien ausgeweitet.














