Herr Majari, wie groß ist das Interesse an Deutsch in den Palästinensischen Gebieten?
Deutsch wird an sieben Schulen in kirchlicher Trägerschaft sowie als Pilotprojekt an zwei öffentlichen Schulen in Bethlehem unterrichtet. Insgesamt lernen rund 2000 Schülerinnen und Schüler Deutsch. In der arabischen Welt wird nur in Ägypten mehr Deutsch gelernt. Außerhalb der Schulen hat es Deutsch als Fremdsprache schwerer.
Welche Motivation haben Ihre Deutschkursteilnehmer?
Die Gründe, Deutsch zu lernen, sind sehr praktisch: Es geht den fast ausschließlich männlichen Kursteilnehmern darum, in Deutschland zu studieren. Dementsprechend bieten wir nur Anfängerkurse an. Die Teilnehmerzahlen unserer Kurse in Ramallah und in Gaza schwanken zwischen 200 und 400 im Jahr. Viele Kursteilnehmer kommen täglich aus der gesamten Westbank nach Ramallah, um bei uns Deutsch zu lernen, das kann wegen der israelischen Checkpoints viele Stunden in Anspruch nehmen. Im Rahmen der Partnerschulinitiative will das Goethe-Institut künftig auch in der nördlichen Westbank, etwa in Nablus, schulischen Deutschunterricht anbieten.
Welchen Stellenwert hat der Kontakt zu Deutschland für Ihr Publikum?
Das Goethe-Institut in den palästinensischen Gebieten bildet mit dem Centre culturel français hier das deutsch-französische Kulturzentrum. Obwohl Deutschland großes Ansehen genießt, erwarten unsere Besucher von uns vor allem einen bedeutsamen Beitrag zum hiesigen Kulturleben. Wir sind auch eine Art Erlebnisraum, in dem frei von gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zwängen mit Kunst experimentiert werden kann. Wir sind auch der einzige Ort, an dem etwa Filme kritischer israelischer Künstler gezeigt werden können. Wir sind also das „etwas andere Kulturzentrum“ und zugleich einer der „main players“ in der Kulturszene. Allerdings: Unter den hiesigen Bedingungen zu arbeiten, ist nicht ganz leicht. Zu Beginn unserer Arbeit mussten viele Veranstaltungen wegen der Eskalation der Lage abgesagt werden. Gäste ins Land zu bringen oder palästinensische Partner nach Deutschland zu schicken, erfordert eine Menge an Koordination, und unsere Bemühungen sind nicht immer von Erfolg gekrönt.
Farid C. Majari
leitet seit 2002 das im Jahr 1997 gegründete Goethe-Institut in Ramallah. Von Januar 2009 an wird er in Beirut für die Arbeit des Goethe-Instituts verantwortlich sein.














