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Deutsch-israelisches Umweltprojekt in Äthiopien

Effiziente Wasserwirtschaft

Deutschland und Israel bringen ihr Knowhow in der nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in einem gemeinsamen Projekt in Äthiopien ein

Von Lars Hansen

by Deutsche Welthungerhilfe at bundesregierung.de

Konkrete Formen nimmt eine Vereinbarung zwischen Israel und Deutschland zum Thema Klimawandel und Wassermanagement an: In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba startete im Juni ein Joint venture für eine umweltfreundliche Wasserbewirtschaftung und effiziente Bewässerung in dem afrikanischen Land. Projektpartner sind für das deutsche Bundesumweltministerium die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), in Israel das Zentrum für Internationale Entwicklungszusammenarbeit des Außenministeriums (MASHAV). Beide Institutionen arbeiten eng mit dem äthiopischen Ministerium für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung zusammen.

Was prädestiniert Israel und Deutschland für eine solche Zusammenarbeit in Afrika? Dazu äußert sich Matthias Machnig, Staatssekretär im Berliner Ministerium für Umweltschutz, Reaktorsicherheit und Naturschutz: Deutschland könne auf eine langjährige entwicklungspolitische Zusammenarbeit mit Äthiopien zurückgreifen, erklärt er: „Gerade in den letzten Jahren hat Deutschland die Strategie der äthiopischen Regierung zur Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion als Basis für eine wirtschaftliche Entwicklung unterstützt. Einen wichtigen Schwerpunkt bildet dabei die Förderung einer effizienten Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Die ganzjährige Verfügbarkeit von Wasser sowie tragfähige Organisationsstrukturen für die Bewirtschaftung dieser Ressourcen unter Einbeziehung der Bevölkerung sind eine Grundvoraussetzung für mehr Effizienz bei der Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen.“ Israel ist bei diesem Projekt ein wichtiger Partner. „Das Land bringt seine Expertise in der landwirtschaftlichen Bewässerung ein – sowohl im Bereich der Technik als auch hinsichtlich des effizienten Standort- und kulturangepassten Einsatzes der Bewässerung“, sagt Machnig.

Äthiopien zählt mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von etwa 180 US-Dollar zu den ärmsten Ländern der Welt. Ein Großteil der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze. Die strukturellen Probleme – wie Dürreperioden, rasches Bevölkerungswachstum und die daraus resultierenden Folgen für Umwelt und Ressourcen sind trotz eines steigenden Wirtschaftswachstums bisher ungelöst. 85 Prozent der äthiopischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, die hauptsächlich im Regenfeldbau betrieben wird – eine Form von Feldwirtschaft in Gebieten, in denen der Jahresniederschlag größer ist als die Verdunstung. In Addis Abeba arbeitet der Projektleiter der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, Eckart Bode. „Die globalen Klimaveränderungen führen dazu“, sagt er, „dass die Niederschläge unzuverlässiger fallen, mitunter ausbleiben oder sich aber wolkenbruchartig über das Land ergießen.“ Das deutsch-israelische Projekt werde den Kleinbauern und Kleinbäuerinnen dabei helfen, Anpassungsstrategien zu entwickeln: Mit Hilfe von moderner Bewässerungstechnik – etwa durch eine technisch unaufwändige Tröpfchenbewässerung – sollen Anbaupraktiken zur Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktivität bei gleichzeitiger Wasserersparnis erprobt werden. Im Endeffekt werde die Landwirtschaft ein Stück weit unabhängig von extremen Klimaereignissen wie Dürren und Überschwemmungen und könne Zeiten von ausbleibenden Regenfällen durch einfache Bewässerungsmethoden überbrücken.

„Sofern es sich nicht ohnehin um Betriebe handelt, die lediglich für den Eigenbedarf produzieren, können damit höhere Einkommen erwirtschaftet werden, so dass sich die Lebensbedingungen der Menschen graduell verbessern“, sagt Bode. Ein weiterer Ansatz des Projekts: Für Landwirte, die kleine bis mittlere Betriebe – von 0,5 bis 2,5 Hektar – besitzen und die bereits über Erfahrungen mit Zusatzbewässerung verfügen, sollen Vermarktungsoptionen mit Zugangsmöglichkeiten zu lokalen und regionalen Märkten entwickelt werden, Außerdem ist vorgesehen, Mikrofinanzdienstleister zu identifizieren, mit deren Hilfe die nötige Bewässerungsinfrastruktur finanzierbar wird.

Die Nutzung von Abwasser als wichtiger Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel im Wassersektor stellt für Äthiopien eine Neuerung dar. Eckart Bode verweist darauf, dass bisher nur sporadische Erfahrungen vorliegen, wie so etwas funktionieren könnte. Deshalb soll zunächst eine Studie zu den Potenzialen der Nutzung von biologisch gereinigtem Abwasser für die Landwirtschaft erstellt werden. In diesem Bereich habe Israel in den vergangenen Jahren „die Forschung stark vorangetrieben und umsetzungsreife Modelle – zum Beispiel für die biologische Reinigung von Abwasser durch Papyrus oder Zuckerrohr – entwickelt“. Das für dieses Vorhaben gebildete Projektteam aus äthiopischen Fachkräften, einem israelischen Langzeitexperten und einem von der GTZ gestellten Projektleiter wird sowohl in Addis Abeba als auch in den Regionalhauptstädten des Landes tätig sein. Zunächst werden Gemeinden identifiziert, mit denen zukünftig zusammengearbeitet werden soll. Es folgen Aktionspläne, und anschließend werden einzelne Maßnahmen pilothaft auf ausgesuchten kleinbäuerlichen Betrieben erprobt, bevor Beratungs- und Trainingsinhalte für den landwirtschaftlichen Bratungsdienst Äthiopiens formuliert werden.

Das Gemeinschaftsprojekt geht auf ein Memorandum of Understanding zurück, das im März 2008 Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und die damalige Außenministerin Tzipi Livni unterzeichnet haben. Beide Länder stellen für einen Zeitraum von drei Jahren je 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die deutsche Seite fördert das Projekt aus der Internationalen Klimaschutzinitiative, aus der seit 2008 Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in den Transformationsstaaten Mittel- und Osteuropas finanziert werden. Die Initiative ist mit einem Gesamtvolumen von jährlich 120 Millionen Euro ausgestattet. Die Grundlage, international für den Klimaschutz zu investieren, geht auf eine Entscheidung des Deutschen Bundestags zurück. Durch gezielte Kooperationen mit Partnerländern will die Klimaschutzinitiative wichtige Impulse für die Verhandlungen über ein internationales Klimaschutzabkommen nach 2012 liefern.

14.07.2009
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