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Drei Menschen, drei Geschichten

Eine japanische Architektin baut Passivhäuser nach deutschem Standard, ein deutscher Pianist spielt Gamesmusik eines japanischen Komponisten und das Goethe-Institut errichtet eine Künstlerresidenz in Kyoto. Drei Geschichten, die den Austausch zwischen Deutschland und Japan beschreiben.

Von Martin Orth

Marcus Hernig

Kunst lebt, wo Künstler leben. So lautet das Motto der neuen Künstlerresidenz des Goethe-Instituts in Kyoto, der Villa Kamogawa. Sie wurde nach dem Vorbild der Villa Massimo in Rom und der Villa Aurora in Los Angeles errichtet, im Oktober 2011 eröffnet und soll deutschen Künstlern eine Plattform in Japan bieten. Marcus Hernig leitet das Haus. Sein Interesse ist es, mit der Kunst die japanische Öffentlichkeit zu erreichen und einen Dialog herzustellen. Dazu sollen vor allem die Kamogawa-Aktionswochen zum Ende der Stipendiatenrunden dienen. Jährlich sind zwölf Künstler zu einem je dreimonatigen Aufenthalt in Japan eingeladen. Langfristig verfolgt Hernig die Idee, aus dem Dialog einen „Multilog“ zu machen. Er will Künstler aus China und Korea einbeziehen, um die Villa Kamogawa an ostasiatischen Dialogen zu beteiligen. Hernig studierte Sinologie, Germanistik und Geschichte und ging bereits mit 24 Jahren nach China. 2003 fing er beim Goethe-Institut in Shanghai an – und betreute dort den Austausch zwischen deutschen und chinesischen Künstlern.///

Miwa Mori

„Das Lächeln der Kinder bewahren“. Das ist der Antrieb der japanischen Architektin Miwa Mori, in Japan Passivhäuser nach deutschem Standard zu errichten. Das gestiegene Umweltbewusstsein nach Fukushima und steigende Energiepreise spielen ihr in die Karten. Zwei Passivhäuser hat sie bereits errichtet, weitere sind in Vorbereitung. Auf die Idee kam sie in Deutschland. Nach ihrem Architektur-Studium in Yokohama ging Miwa Mori mit einem DAAD-Stipendium nach Stuttgart. Dort lernte sie, dass energiesparendes Bauen zum selbstverständlichen Repertoire eines Architekten gehört.///

Benyamin Nuss

Klassik aus der Konsole. Der junge Pianist Benyamin Nuss sorgt 2010 für Furore, als er auf seinem Debütalbum Werke des japanischen Videospielkomponisten Nobuo Uematsu auf dem Klavier interpretiert. Die Kritik reagiert begeistert. Von „Klassik 2.0“ ist die Rede. Das Publikum ist zunächst verstört. Nuss: „Ich habe die Musik auf einer Veranstaltung Klassikkennern vorgespielt. Die haben alle anfänglich gerätselt, ob das Stück eine wiederentdeckte Komposition sei.“ Inspiriert und gefördert wird Benyemin Nuss von seinem Vater, dem Posaunisten Ludwig Nuss, und dessen Bruder Hubert, einem Pianisten. Auf die Frage, ob der Ausflug in die Gamesmusik ein Gag war, sagt Nuss: „Ich höre keinen lachen.“///

01.12.2011
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