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Berliner Fraunhofer-Forscher rekonstruieren zerrissene Stasi-Unterlagen

Digitale Spurensuche

Ende 1989 versuchten Mitarbeiter der DDR-Staatssicherheit, Spuren zu verwischen und vernichteten oder zerrissen ihre Akten. Mit dem Computer sollen sie nun wieder lesbar gemacht werden

Von Rainer Stumpf

by BStU

Ein gigantisches Puzzle lagert in den Archiven der Bundesbehörde für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR (BStU). Rund 15000 Säcke voller zerrissener Dokumente aus dem ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit, dem In- und Auslandsgeheimdienst der DDR. Schätzungsweise 45 Millionen DIN-A4-Seiten wurden in jeweils acht bis 30 Teile zerlegt, als sich die ostdeutsche Diktatur nach dem Fall der Mauer 1989 auflöste. Bisher gelang es nur einen geringen Teil dieser Dokumente zu rekonstruieren. Zu aufwendig ist das Papierpuzzle. Um die etwa 600 Millionen Schnipsel von Hand zusammenzufügen, würden 30 Personen 600 bis 800 Jahre benötigen. Forscher des Berliner Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) haben allerdings ein computergestütztes Verfahren entwickelt, um die historisch wertvollen Akten automatisiert und damit wesentlich schneller auswerten zu können. Im Auftrag des Deutschen Bundestages und der BStU konstruierten die Wissenschaftler einen sogenannten ePuzzler. Zurzeit befindet sich die Anwendung noch in der Pilotphase, die ersten ­Ergebnisse sind allerdings sehr vielversprechend.

Bevor die digitale Rekonstruktion beginnt, müssen alle Papierstücke gescannt werden. Dank neu entwickelter Scanner ist das ein sehr einfacher Vorgang. Die Schnipsel werden in den Scanner eingezogen und von beiden Seiten gelesen. Ohne vorher in Folie eingeschweißt oder auf andere Art behandelt werden zu müssen. Die digitalen Abbilder werden anschließend analysiert, in Kategorien eingeteilt und in einer Datenbank abgelegt. Das Fraunhofer-System verwendet für die Suche nach passenden Teilen eine Vielzahl von Merkmalen. Von der Form der Schnipsel über die Farbe bis zu einzelnen Motiven auf dem Papier. Passen die Konturen von zwei Puzzlestücken zusammen, fasst sie der Computer zu einem größeren Teil zusammen – bis schließlich ein Dokument komplett ist. Der Vorgang beginnt immer wieder von Neuem.

Abgeschlossen wird das Pilotprojekt voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2010. Dann entscheidet sich, ob das System für die gesamte Auswertung der zerrissenen Dokumente übernommen wird.

23.07.2009
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