Was macht Brasilien zu einem interessanten Partner für Deutschland auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technologie?
Die Zusammenarbeit mit Brasilien, einem der wichtigsten Partner Deutschlands in Südamerika, ist im Zusammenhang mit einer globalen Strukturpolitik, das heißt der künftigen Gestaltung internationaler Politik von besonderer Bedeutung. Seit über 40 Jahren arbeiten Deutschland und Brasilien intensiv im Bereich der Wissenschaft und Technologie zusammen. Ausdruck der sehr guten Beziehungen ist der eindrucksvolle Austausch von Studierenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Derzeit verzeichnet die Hochschulrektorenkonferenz mehr als 230 Hochschulpartnerschaften zwischen unseren Ländern. Auch die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit hat sich gerade in den letzten Jahren rasant entwickelt. Davon konnte ich mich persönlich bei einem Innovationsforum im Rahmen der Auftaktveranstaltung des Deutsch-Brasilianischen Jahres der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/11 am 12. April in São Paulo überzeugen.
Wo liegen derzeit die Schwerpunkte der Zusammenarbeit beider Ländern?
Im Vordergrund steht neben dem Schwerpunkt Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, dazu gehören etwa der Schutz von Wasserressourcen und die Erforschung des Klimawandels, vor allem das Querschnittsthema Innovation. Das Deutsch-Brasilianische Jahr bietet die Möglichkeit, Brasilien in Deutschland als wertvollen Partner in der Spitzenforschung bekannter zu machen und umgekehrt in Brasilien die Aufmerksamkeit auf Deutschland als innovativen Hightech-Standort zu lenken.
Welche neuen Impulse sollen vom Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation für künftige Kooperationen ausgehen?
Mit dem brasilianischen Forschungsminister Sergio Rezende habe ich das gemeinsame Wissenschaftsjahr ausgerufen, um die erfolgreiche Zusammenarbeit Deutschlands und Brasiliens weiter zu stärken. Unter dem Motto „nachhaltig : innovativ“ wollen wir vor allem in den naturwissenschaftlich-technischen Zukunftsfeldern neue Wege der Kooperation beschreiten. Die Beziehungen werden durch weitere Projekte und den verstärkten Austausch von Studierenden und Forschern ausgebaut. Damit fördern wir die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Länder. Eine neue Qualität der Kooperation soll zudem durch den Aufbau eines Deutsch-Brasilianischen Forschungsfonds erreicht werden. Die Förderung soll gemeinsam anteilig durch das BMBF und das brasilianische Forschungsministerium gewährt werden. Im Gespräch zwischen dem brasilianischen Strategieminister, Samuel P. Guimarães, und mir am 13. September 2010 in Berlin, wurden weitere Einzelheiten des Fonds, der wohl 2011 starten wird, besprochen.
Auf welchen Feldern können Deutschland und Brasilien noch enger kooperieren?
Ziel der Bundesregierung ist es, mit der Strategie zur Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung Deutschlands Position in der globalen Wissensgesellschaft zu festigen und das Wissenspotenzial außerhalb Deutschlands zu erschließen. Das deutsche Forschungsministerium förderte in den letzten Jahren in Brasilien etwa Forschungsprogramme zum Schutz und nachhaltigen Management des Regenwaldes in Amazonien, des Küstenregenwaldes und der Mangrovenwälder. Derzeit wird der Bau eines 300 Meter hohen Klima-Messturms in Amazonien vorbereitet. Die Fraunhofer-Gesellschaft kooperiert sehr erfolgreich mit brasilianischen Partnern, um die Innovationsförderung und den Technologietransfer vor Ort auszubauen. Deutschland kann in Zukunft ein wichtiger Technologiepartner für ein dynamisches Brasilien sein.














