Dienstag, 22.05.2012 05:56

Aktuell

„Jugend forscht“ sucht Deutschlands beste Nachwuchstalente

Sie entwickeln aus einem Smartphone ein medizinisches Mikroskop für die Westentasche, analysieren anhand des Prinzips...weiter

© Stiftung Jugend forscht e. V.

Nachrichten

Gelähmte Frau steuert DLR-Roboterarm mit ihren Gedanken

Fast 15 Jahre lang war eine 58-Jährige US-Amerikanerin infolge eines Hirnschlages gelähmt. Mithilfe eines vom Deutschen...weiter

Schriftstellerin Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den mit 50.000 Euro dotierten Georg-Büchner-Preis 2012 an die...weiter

Hamburg beging den 823. Hafengeburtstag -Schiffstaufe der AIDAmar

Der indische Handelsminister Anand Sharma und Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz ließen die Schiffsglocke der...weiter

Aktuell

Deutschland

Mammutaufgabe Energiewende  

Wirtschaft

Anlegern gefällt Facebook nicht  

Kultur

Songs waren sein Leben ¿ zum Tod Robin Gibbs  

Veranstaltungen

Comicleben

Eine Endeckungsreise in die Welt der Superhelden: Das Museum Europäischer Kulturen in...weiter

Deutschland Veranstaltungskalender

Übersicht von Veranstaltungen und Orten:
> Veranstaltungskalender

Porträt

Grünes Talent

Der Kenianer Mike Otieno erforscht mit deutscher Unterstützung den nachhaltigen Umgang mit Stahlbeton und leistet damit...weiter

Goethe-Institut Nachrichten

Wieder zuhause: „re-turn“  

„Moorsoldaten“ – die Gedenkstätte Esterwegen  

„Die Zeit“ – Erfolg mit Qualität  

Bookmarks
| |

Die Zukunft der Stadt: Deutschland auf der Expo 2010

„Better City, Better Life“: Das ist das Thema der Expo 2010 in Shanghai. Denn den Städten gehört die Zukunft – und sie stehen vor großen Herausforderungen. Der Deutsche Pavillon „balancity“ gibt Antworten auf die Urbanität von morgen und setzt ganz auf Nachhaltigkeit.

Von Johannes Göbel

Es gibt kein Innen, kein Außen. Luftig, leicht und silbrig glänzend scheint das Gebäude fast zu schweben. Eine begehbare Skulptur aus Stoff und Stahl. Hinter der metallisch leuch­­ten­den Fassade zeichnen sich Rohre ab. Kunstvoll miteinander verbunden, halten so die Ausstellungskörper des Deutschen Pavillons zusammen. Immer weiter ragt der Stahl nach außen, lässt die einzelnen Gebäudeteile aufeinander zuwachsen. Und hält sie in optischer Balance. Damit übersetzt die Architektur das Thema des Deutschen Pavillons auf der Expo 2010 in Shanghai zugleich in Baukunst: „balancity“. Die Wortschöpfung aus Balance und ­City steht für das Gleichgewicht zwischen Erneuern und Bewahren, zwischen städtischer Entwicklung und Erhalt der Natur. Auf 6000 Quadratmetern können die Besucher hier vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2010 eine Reise durch die „Stadt der Ideen“ unter­nehmen.

Dabei ist schon das filigrane Pavillongebäude mehr als eine attraktive Hülle. „Wir haben bei allen Baumaterialien auf Nachhaltigkeit Wert gelegt“, sagt Architekt Lennart Wiechell. „Der Stahl wird recycelt, ebenso Boden- und Wandbeläge und auch das silbrige Membrantuch, das den Pavillon umspannt.“ Mit seiner offenporigen Netzstruktur sorgt das Tuch für angenehme Kühle in den Ausstellungsräumen – und spart zugleich Energie bei der Klimatisierung. Nach Abschluss der Expo lässt es sich zu kleineren Schattendächern oder gar zu Taschen weiterverarbeiten. Nachhaltigkeit ist nicht nur inhaltlich Programm im Deutschen Pavillon.

Visionen für die Zukunft der Stadt

Mit der Idee von einer Stadt im Gleichgewicht interpretiert der deutsche Beitrag das Expo-Motto „Better City, Better Life“. Auf der Weltausstellung in Shanghai geht es um die Zukunfts­chancen für das Leben in der Stadt: Rund 240 Länder und internationale Organisationen stellen an den 184 Expo-Tagen ihre Visionen dazu vor. Mit ganz unterschiedlichen Konzepten: Polen setzt auf eine Pavillonhülle aus Papier, Luxemburg auf große Grünflächen. Kanada hat ein spezielles System zur Regenwassernutzung und Chile ein Gartendach. Alle Entwürfe eint ein Ziel: Wege hin zu einer nachhaltigen Stadtplanung aufzuzeigen, zu einem besseren Leben in den Städten der Zukunft.

Ein großes Thema. Das „ Jahrtausend der Städte“ (Kofi Annan) fordert die Welt heraus. Heute lebt über die Hälfte der Menschen in Städten, im Jahr 2040 sollen es sogar 64,7 Prozent sein. 1950 waren New York und Tokio die einzigen Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. Heute sind es 20, Tendenz steigend. Längst gibt es den Begriff der Metacity für Städte mit mehr als 20 Millionen Menschen wie Tokio oder Mumbai. Zu den Metropolen, die am schnellsten wachsen, gehört auch Expo-Gastgeber Shanghai: Die 15-Millionen-Stadt zählt jedes Jahr 700 000 neue Einwohner. Am schnellsten aber wird die Bevölkerung in den Städten der Entwicklungs- und Schwellenländer zunehmen. Die Großstädte ziehen die Menschen wie Magneten an, weil sie sich hier Arbeit und ein besseres Leben erhoffen. Der US-Experte für urbane Fragen Professor Mike Davis ist überzeugt: „Das gesamte künftige Wachstum der Menschheit wird in Städten erfolgen, ganz überwiegend in armen Städten.“

Es werden die Elendsviertel sein, die am schnellsten wachsen: Schon heute leben nach Berechnungen der Vereinten Nationen eine Milliarde Menschen in den Slums der Großstädte, 27 Millionen kommen jedes Jahr neu hinzu. Damit wachsen auch die Probleme der Megastädte: sinkende soziale Kontrolle, eine überforderte Infrastruktur, massive Hygienedefizite, enorme Müllberge. Desolate Lebensbedingungen. Auch die öko­logischen Probleme sind immens. Städte verbrauchen 75 Prozent der weltweit erzeugten Energie. Ihr Anteil an den ausgestoßenen Treibhausgasen liegt bei 80 Prozent. Nachhaltigkeit hat Konjunktur in der Städteplanung.

Pavillon-Rundgang I: Ebenen der Nachhaltigkeit

Vor dem Eingang des Deutschen Pavillons: Der Erkundungsweg schlängelt sich durch eine grüne Landschaft. Die Natur spielt in „balancity“ eine wichtige Rolle. Die Studenten Jens und Yanyan begleiten die Gäste auf ihrem Weg, zunächst virtuell. Der Deutsche stellt der Chinesin und den Pavillonbesuchern sein Land vor – mithilfe riesiger, zum Teil interaktiver Postkarten. Der Weg führt weiter durch die pulsierende Lichtschleuse eines Tunnels in eine andere Welt. Mitten hinein ins tiefe Blau des Meeres. Im „Hafen“ des Pavillons tauchen die Besucher dann wieder auf. Möwen kreischen, Schiffe hupen und die HafenCity Hamburg, Europas größtes Stadtentwicklungsprojekt, erscheint als Stadtbild der Zukunft. Nebenan, im „Planungsbüro“, entfaltet sich aus einer Skyline ein neuer Raum mit überdimensional großen Plänen, Modellen, Skizzen und Stadtplänen. Hier geht es um innovative nachhaltige Stadtentwicklung: um die städtische Infrastruktur als lebendigen Prozess. Der Pavillon stellt konkrete Projekte aus Deutschland vor: ein Mehrgenerationenhaus in Stutt­gart, den Grüngürtel in Köln, die Plusenergiesiedlung Schlierberg in der Solarstadt Freiburg. Das „Planungsbüro“ macht die verschiedenen Ebenen von Nachhaltigkeit erlebbar – die soziale, die ökologische und die wirtschaftliche.

Megacitys – politisches Gewicht, große Chancen

Megacitys erzwingen nachhaltige Strategien. Und sie bieten Chancen. „Ihr politisches Gewicht verleiht ihnen bei Innovationen national und international eine Vorreiterfunktion“, sagt der Städteforscher Professor Günter Meinert, deutscher Vertreter bei der „Cities Alliance“ in Washington. Die Organisation setzt sich für Stadtentwicklungsstrategien ein. Ein Metropolraum mit mehreren Millionen zugelassenen Autos habe eindeutig globale Relevanz bei den Verkehrsemissionen, sagt Meinert. Ein positives Beispiel sieht er in Shanghai: Fast zwei Drittel aller Wege werden in der Stadt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Ein anderes Beispiel sei die thailändische Hauptstadt Bangkok: Über 40 Prozent der Bevölkerung nutzen hier den öffentlichen Nahverkehr. Für Meinert ist „Good Urban Governance“ einer der Lösungsansätze für die Probleme der Städte. Wie in Bogotá, der Hauptstadt des vom Bürgerkrieg erschütterten Kolumbiens. „Herausragenden Bürgermeisterpersönlichkeiten gelang es mit kreativen Ideen große Teile der Bürgerschaft zu mobilisieren und mit deren Unterstützung in kurzer Zeit durchgreifende Verbesserungen vor allem im Verkehr, der Sicherheit und in der Qualität des öffentlichen Raums zu erreichen.“

Pavillon-Rundgang II: Impulse für die nachhaltige Stadt

Im „Garten“ des Deutschen Pavillons: Die Menschenmassen der Megacitys scheinen hier weit weg. Farbenfrohe Collagen zeigen Visionen für private grüne Inseln in der City. Das „Depot“ stellt vor, wie viele Facetten nachhaltiges Leben in der Stadt haben kann. In dem großen, dunkelrot schimmernden Raum stehen Regale, darin Produkte, die einen Beitrag zum Expo-Motto „Better City, Better Life“ leisten: Von der Waschmaschine, die durch automatische Dosierung bis zu 30 Prozent Waschmittel einspart, bis zum ökoeffizienten Bleistift aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern. Impulse für die nachhaltige Stadtentwicklung gibt auch die „Fabrik“. Hier ist alles in Bewegung. Die Besucher gleiten auf Fahrsteigen durch den Raum, über ihren Köpfen laufen Transportbänder mit Objekten. Sie stellen Innovationen, Produkte und Verfahren deutscher Unternehmen und Institutionen für die lebenswerte Stadt vor. Wie den Pinguinroboter. Die Bewegungen des Seevogels inspirierten Entwickler zu effizienten Automations-Sys­temen. Die nächste Pavillonstation heißt „Park“. Ein ruhiger Stadtraum, Vögel zwitschern, es duftet nach Gräsern. Unter Schauglocken unternehmen die Pavillonbesucher eine virtuelle Reise in deutsche Parks und Gärten. Von Shanghai in die Bundesgartenschau nach Schwerin oder die Wilhelma in Stuttgart. Und wieder zurück in die wichtigste Industriemetropole Chinas.

Deutsch-chinesisches Teamwork

Für das Expo-Gastgeberland gehört Urbanisierung zu den zentralen Themen: China hat sieben Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern und 175 Städte mit mehr als einer Million Einwohnern. Zum Vergleich: Europa kommt heute nur auf 66 Städte mit mehr als einer Million Menschen. Für China erwarten die Vereinten Nationen, dass die Zahl der Städter bis 2030 um weitere 350 Millionen zunehmen wird. Aus diesem Grund widmet sich auch die dreijährige Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ dem Thema nachhaltige Urbanisierung. Erste Station war 2007 die Provinzhauptstadt Nanjing. Hier wies eine „Grüne Wanderkarte“ den Weg zu Produktionsstätten von Solarenergie, Erdwärme und Biogas. Und sie zeigte, wo die ökologische Warmwassergewinnung für große Hotelkomplexe gelingt. Auch in Chongqing, Guangdong, Shenyang und Wuhan machte die deutsch-chinesische Veranstaltungsreihe Station. Im Mai 2010 findet sie ihren Abschluss und Höhepunkt auf der Expo in Shanghai. Teamwork für die Stadt der Zukunft.

Pavillon-Rundgang III: Gemeinsam viel bewegen

In der „Energiezentrale“, dem Herzen des Deutschen Pavillons: Licht durchflutet den kegelförmigen Raum und die Zuschauerränge für 600 Menschen. In der Mitte hängt eine imposante Kugel, drei Meter Durchmesser, 1230 Kilogramm schwer, besetzt mit 400000 LEDs. Die finale Show beginnt. Die Pavillonbesucher werden jetzt zu Akteuren: Ihr gemeinsames Rufen und Klatschen lässt auf der Kugel Bilder entstehen, setzt sie in Schwingung. Sie beginnt hin- und herzupendeln. Je mehr, desto intensiver werden die Farben. Die Energie der Kugel spiegelt sich im gesamten Raum wider: auf den Balustraden, an den Wänden, an der Decke, auf dem Boden. Immer weiter schlägt sie aus, bis sie schließlich in eine Kreisbewegung übergeht und rasant an allen staunenden Betrachtern vorbeisaust. Sie zeigt in schnellem Wechsel Bilder aus Deutschland und aus „balancity“. Schließlich kommt die Kugel wieder zum Stehen und die Kontinente zeichnen sich deutlich auf ihr ab. Das mysteriöse Objekt hat sich in die Erdkugel verwandelt. Das passt: Schließlich ist die urbane Zukunft eine Herausforderung für die ganze Welt. Und gemeinsam lässt sich viel bewegen.

11.03.2010
Bookmarks
| |

Videos

Get the Flash Player to see this player.

HANNOVER MESSE 2012

Ostseerat

Art Cologne 2012

YouTube Deutschland Channel

Deutschland Channel YouTube

Zeitschrift DE Magazin Deutschland

PDF-Sonderausgaben

zur Übersicht