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Berlin etabliert sich als neuer Mode-Standort

Die Trendsetter von der Spree

Mailand, Paris, London – Berlin. Etablierte Stardesigner, junge Avantgarde, Modeschulen und Fashion-Messen prägen die Modestadt Berlin. Der Berlin-Style macht Karriere

Popstar Christina Aguilera trägt Hüte der Berlinerin Fiona Bennett, Schauspielerin Heike Makatsch glänzt zur Premierenfeier in Kaviar Gauche, Model Claudia Schiffer ließ nach dem Modeshooting bei Lala Berlin anfragen, ob sie den schönen Kuschelkaschmirpulli nicht behalten könne. Sie durfte. Berlin macht Mode, die immer öfter auch in London, New York und Paris zu sehen und zu kaufen ist. Im November erst zeigten 34 Berliner Designer ihre Arbeiten unter dem Titel „Creative Spree“ in Schanghai. Was macht ihn aus, den „Berlin-Style“? „Die in Berlin designte Mode ist avantgardistisch, intellektuell und einfach cool. Sie ist tragbar, aber nicht langweilig“, charakterisiert Franziska Dömges von der Modezeitschrift Elle.

Zwischen 600 und 800 Modemacher zählt Berlin: Das Spektrum reicht von der Garde der Stardesigner wie Unrath & Strano, Michael Michalsky, Evelin Brandt, Anna von Griesheim (hier kauft die Kanzlerin), Kostas Murkudis und Wolfgang Joop mit seinem Label „Wunderkind“ (im nahen Potsdam) über inzwischen etablierte junge Marken wie Sisi Wasabi, Bless, Eastberlin oder Thatchers bis zu schriller Avantgarde und „Underground-Wear“. Gerade die vielen kleinen Labels und unkonventionellen Modeläden in der Kastanienallee, Schönhauser Straße, der Wühlisch- oder der Mulackstraße und rund um den Hackeschen Markt machen das besondere Modegefühl in der Hauptstadt aus. Und aus kleinen Anfängen wurden schon viele rasante Karrieren. So wie bei Leyla Piedayesh, einer gebürtigen Iranerin. Mit selbstgestrickten Pulswärmern für Freunde begann sie vor ein paar Jahren, inzwischen ist ihr Edelstrick-Label Lala Berlin in über 60 Läden weltweit vertreten.

„Berlins Stärke liegt in der Zerrissenheit, in dem ewigen Nichtfertigsein. Das zieht die Avantgarde an, und darin liegt das Potenzial von Berlin“, sagt Klaus Metz, Geschäftsführer der Modeschule Esmod. Sie ist eine von neun Modeschulen in der Stadt, die inzwischen auch sehr erfolgreiche Absolventen hervorgebracht haben – wie Zerlina von dem Bussche, deren trachteninspirierte Kollektionen mit dem Label Sisi Wasabi heute in exklusiven Modegeschäften neben Gucci und Prada hängen. Auch Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl, die kreativen Köpfe von Kaviar Gauche, haben an der Esmod gelernt und verkaufen ihre kühl-extravagante Mode auch gut in Tokio und New York. Denn in einem sollte man sich bei allem Sinn für Straßentrends und „Underground“ nicht täuschen: Das Modegeschäft in Berlin läuft hochprofessionell.

Dafür stehen auch eine Reihe von Modemessen und Modenschauen: Im Sommer hat die Fashion Week Berlin – veranstaltet von IMG, die auch die Fashion Week in New York organisieren – für Aufsehen in der Branche gesorgt. Zwar fehlten noch einige der ganz großen internationalen Designernamen bei den Schauen unter dem Brandenburger Tor, aber das kann sich schon 2008 ändern. Dann soll die Modewoche gleich zweimal stattfinden, im Januar und im Juli. Das kanadische Model Irina Lazareanu prophezeite während der Fashion Week 2007 schon mal: „Was New York in den Achtzigern und London in den Neunzigern war – das ist jetzt Berlin“.

26.11.2007
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